Prinzessinnen im Stress

Weihnachtsmärchen im Theater Erlangen

Manfred Koch

Erlanger Nachrichten

4.12.2021, 10:30 Uhr
Prinzessinnen und manch anderes Märchen-Personal: Wenn die Gefühle loslegen, ist auch in diesem Genre so einiges geboten.

© Sebastian Autenrieth, NN Prinzessinnen und manch anderes Märchen-Personal: Wenn die Gefühle loslegen, ist auch in diesem Genre so einiges geboten.

Wenn das mal keine echt verzogene Göre ist! Meint doch dieses freche Ding, dass kein Bewerber um ihre Hand für sie gut genug ist. Die Erwartungshaltung der Eltern, also König und Königin – ja, der Fratz ist Prinzessin –, ist aber auch heftig: Nur weil die Tochter demnächst 18 wird, soll sie unbedingt heiraten. Ja, so war das seinerzeit in den Märchen, da herrschte noch Zucht und Ordnung. Aber die Zeiten, die sind nicht mehr so.

Es darf auch mal ein Tänzchen gewagt werden.

Es darf auch mal ein Tänzchen gewagt werden. © Sebastian Autenrieth, NN

Es gibt heute (Märchen-)Autoren, die sich aufmachen, diesem unkaputtbaren Genre einige faule Zähne zu ziehen. Der Bamberger Paul Maar gehört zu dieser Gruppe, und in seinem Kinderbuch „In einem tiefen, dunklen Wald ...“ rückt er sattsam bekannten Klischees ordentlich zu Leibe. Aber keine Angst, selbst hier findet schlussendlich (fast) jedes Töpfchen sein Deckelchen.

Der "entzauberte" Prinz dankt seiner Retterin.

Der "entzauberte" Prinz dankt seiner Retterin. © Sebastian Autenrieth, NN

Paul Maars Vorlage hätte bereits im vergangenen Jahr als offizielles Weihnachtsmärchen des Theaters Erlangen über die Bühne des Markgrafentheaters gehen sollen, aber dann kam die Absage wegen Corona. Jetzt ist es zu sehen, zumindest an den Wochenenden für Familien. Die Schulvorstellungen an den Vormittagen finden nicht statt.

Es ist einiges los im Märchenland.

Es ist einiges los im Märchenland. © Sebastian Autenrieth, NN

Der „Sams“-Erfinder Paul Maar ist ein feinsinniger Mensch, der nicht grobmotorisch durchs Regelwerk pflügt, sondern so sachte wie listig an einigen Stellschräubchen dreht, auf dass sich die Fantasie nicht gänzlich auf den Kopf stellen muss.

In dieser Geschichte mischen so mancherlei Figuren mit.

In dieser Geschichte mischen so mancherlei Figuren mit. © Sebastian Autenrieth, NN

Regisseurin Inda Buschmann verfährt in ihrer Inszenierung ganz im Maar’schen Sinne: Auf der Bühne tut sich sehr wohl eine kunterbunte Märchenwelt auf, aus variablen Bauteilen wird mal ein Schloss, mal ein Dorf, und wenn sich die mittige Drehscheibe dreht, gibt’s eine gar schröckliche Ungeheuer-Höhle zu bestaunen. Genau dahin hat sich nämlich das prinzessige Herzchen aufgemacht, auf dass sie von einem edlen und schönen Prinzen gerettet werde.

Großmäulige Prinzen machen sich sogleich auf, doch es ist wiederum eine – charakterlich gänzlich anders strukturierte – Prinzessin, die einen klaren Plan verfolgt.

Ein Erzähler auf Rollschuhen, ein seltsames Untier, starke Mädels-Typologien – das Personal passt. Zügig geht’s voran, Typen- wie Situationskomik sind unterhaltsam aufgestellt, und trotz eines leicht unerwartbaren Endes ist alles im märchenhaften Lot.

Weitere Vorstellungen: 18. Dezember, 16 Uhr, 19. Dezember, 11 und 15 Uhr, 26. Dezember, 17 Uhr.

www.theater-erlangen.de

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