Wellness-Kur für eine Erlanger Königin

25.7.2020, 05:50 Uhr
Der einst von dem Münchner Architekten Gustav Gsaenger entworfene Orgelprospekt bleibt vollständig erhalten; am äußeren Erscheinungsbild der Orgel darf sich schon aus Denkmalschutz-Gründen nichts ändern.

Der einst von dem Münchner Architekten Gustav Gsaenger entworfene Orgelprospekt bleibt vollständig erhalten; am äußeren Erscheinungsbild der Orgel darf sich schon aus Denkmalschutz-Gründen nichts ändern. © Foto: Hans von Draminski

Im Einklang mit den strengen Regeln des Denkmalschutzes bekommt die Matthäuskirche eine nagelneue Orgel, bei der nur das Äußere den gewohnten Anblick bieten soll. Ein Unterfangen, das sich nicht in Tagesfrist bewältigen lässt: Matthäus-Kantorin Susanne Hartwich-Düfel rechnet damit, erst Ende Juni 2021 wieder in die Tasten des Spieltisches greifen zu können.

Die Orgel der Matthäuskirche wurde 1961 von der Orgelbaufirma Walcker erbaut und gehörte nie zu den wirklich strahlenden Beispielen der Orgelbaukunst. Beim aktuell laufenden Abbau des alten, 45 Register umfassenden Instruments fanden die Facharbeiter haarsträubende Details: "Die originalen Pfeifenstöcke bestehen tatsächlich aus Pressspanplatten", erklärt Susanne Hartwich-Düfel mit leisen Entsetzen in der Stimme. Seinerzeit hätten mehrere Gutachten die Kirchengemeinde vor dieser Firma und dieser Bauausführung gewarnt – dass man sich am Ende doch wider besseren Wissens dafür entschied, war aus heutiger Sicht wohl dem günstigen Preis von etwa 100000 Mark geschuldet.

Selbstlose Mäzene

Die nagelneue Orgel aus der renommierten Klais-Schmiede wird am Ende rund eine Million Euro kosten – "ohne großzügige Spender hätten wir das nie geschafft", weiß Susanne Hartwich-Düfel. Selbstlose Mäzene wie der Mann, der weder mit Kirche viel am Hut hatte noch sonderlich musikalisch war, aber auf dem Sterbebett beschloss, dass sein kleines Vermögen – der Betreffende starb ohne Kinder oder nähere Verwandte - dem Orgelbau in Sankt Matthäus zugute kommen sollte.

Fachkräfte nehmen die Pfeifen der Matthäus-Orgel aus ihren Stöcken und verpacken sie sorgsam für den Transport nach Polen.

Fachkräfte nehmen die Pfeifen der Matthäus-Orgel aus ihren Stöcken und verpacken sie sorgsam für den Transport nach Polen. © Hans von Draminski

Die Kasse füllte sich auch dank einer ganzen Reihe von Benefizkonzerten in dem seinerzeit von vornherein als Konzert- und Oratorienkirche erbauten Gotteshaus.

An der Walcker-Orgel war schon 1980/81, also kaum 20 Jahre nach ihrer Entstehung, herumgedoktort worden – dilettantisch und "mit wenig Erfolg", wie Hartwich-Düfel resümiert. Inzwischen sind manche Pfeifen, die seinerzeit wohl aus zu dünnem Material hergestellt worden waren, durch ihr Eigengewicht regelrecht in sich zusammengefallen und "ringeln sich wie Schweinerüssel", führt die Kirchenmusikerin aus.

Die Einzelteile der Walcker-Ortgel werden nach Polen gebracht, die Käufer aus dem Nachbarland werden sie dort nach Instandsetzung der maroden Komponenten wieder aufbauen.

Das neue Klais-Instrument soll noch 44 Register haben und sich laut Susanne Hartwich-Düfel am Klangideal des mitteldeutschen Barock orientieren, ohne ein historisierender Nachbau wie die Wiegleb-Orgel in Ansbach oder die Eule-Orgel in Nürnberg-Mögeldorf zu werden.

Im Vorfeld gab es die – fleißig genutzte – Möglichkeit, Patenschaften für einzelne Pfeifen (oder mehr) einzugehen. In der Liste findet sich beispielsweise auch ein Cymbelstern, I-Tüpfelchen für eine Orgel, die tendenziell sehr vielseitig einsetzbar sein wird – "sogar für Kammermusik", wie Susanne Hartwich-Düfel betont.

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