Bergkirchweihgelände

Widerstand gegen die Bauzäune auf dem Berggelände

22.5.2021, 10:30 Uhr
Zäune statt Absperrbänder: Die Stadt verschärfte die Sicherungsmaßnahmen auf dem Bergkirchweihgelände. Es bleibt verboten, die städtischen Bereiche der Biertische und Bierkeller zu betreten.

Zäune statt Absperrbänder: Die Stadt verschärfte die Sicherungsmaßnahmen auf dem Bergkirchweihgelände. Es bleibt verboten, die städtischen Bereiche der Biertische und Bierkeller zu betreten. © Stefan Mößler-Rademacher, NN

Dort, wo man sonst bei Sonnenschein gern zusammensitzt, ein kühles Bier auf dem Tisch, vielleicht eine Brezel und einen Käse aus dem Rucksack holt, dort herrscht Verbot. Mit rot-weißen Absperrbändern, wie man sie von Baustellen kennt, und mit Verbotsschildern hatte die Stadt Erlangen das Betreten ihrer Bierbänke und -tische auf dem Bergkirchweihgelände untersagt.

Doch weil diese Absperrbänder leicht zu umgehen sind, hielten sich nicht alle an die Vorgaben: "An den wenigen schönen Tagen seit Öffnung des Biergartens mussten wir feststellen, dass die Absperrbänder auf dem Berggelände ignoriert werden und reger Betrieb herrscht", sagte Rechtsreferent Thomas Ternes. Dies sei nicht nur aus Infektionsschutzgründen problematisch, sondern auch, weil die vor einer Bergkirchweih üblichen Instandhaltungsmaßnahmen nicht durchgeführt wurden und das Gelände somit nicht verkehrssicher sei. Die Folge: Die Absperrbänder wurden von Seiten der Stadt durch massive Metall-Bauzäune ersetzt.

"Vernunft gefragt"

Die Verschärfung der Sicherung rechtfertigt die Stadtführung wie folgt: "Aktuell ist das Infektionsgeschehen in Erlangen dank des umsichtigen Verhaltens der Menschen und durch die fortschreitende Impfkampagne gut unter Kontrolle", sagt Oberbürgermeister Florian Janik. Bei allem Verständnis, dass es die Menschen jetzt nach draußen zieht, sei jetzt aber Vernunft gefragt. "Die wichtigen Erfolge, die wir in der Pandemie bisher erreicht haben, dürfen wir jetzt nicht durch unbedachtes Handeln aufs Spiel setzen", so Bürgermeister Jörg Volleth. Damit scheint die Sache für die Stadt vorerst erledigt.

Nun aber traf ein Schreiben aus München ein. Der grüne Landtagsabgeordnete Christian Zwanziger meldet sich mit einem offenen Brief zu Wort, der auch unserer Redaktion vorliegt. Seine Kritik: Die Schließung des Bergkirchweihgeländes. Zwanziger verweist auf die Aerosolforschung und fragt: "Draußen an der frischen Luft ist das Ansteckungsrisiko um ein Vielfaches niedriger als in geschlossenen Räumen. Wäre es nicht angebracht unseren Bürgerinnen und Bürgern Vertrauen zu schenken und gerade den Aufenthalt im Freien zu begrüßen und wo immer es geht zu erleichtern?"

"Wie eine Kapitulation"

So gehe es dem Grünen-Politiker nicht darum, "Feiern, die gültigen Kontaktbeschränkungen widersprechen, gutzuheißen". Auch sei es ihm klar, "dass es ohne Kontrollen auch am Bergkirchweihgelände nicht gehen wird." Da unterscheide sich das Bergkirchweihgelände nicht von jedem anderen öffentlich zugänglichen Raum in Erlangen.

Doch: "Je mehr attraktive Aufenthaltsorte für laue Sommerabende gesperrt sind, desto mehr konzentrieren sich doch unsere Bürgerinnen und Bürger, die sich in der großen Mehrheit vorbildlich an notwendige Hygienemaßnahmen halten, an den verbleibenden Orten. Zusätzlich würden Treffen womöglich gar in Innenräume verlagert", so Christian Zwanzig. Er halte es für unverhältnismäßig und falsch, die große Mehrzahl an Vernünftigen aufgrund von einzelnen Unvernünftigen in Mithaftung zu nehmen: "Eine grundsätzliche Schließung des Bergkirchweihgeländes kommt für mich einer Kapitulation gleich."

Der Landtagsabgeordnete schließt seinen Brief mit einem Appell an Oberbürgermeister und Bürgermeister, "jeden öffentlichen Raum in Erlangen, der zum Aufenthalt im Freien einlädt - also auch das Bergkirchweihgelände - zugänglich zu machen". Wörtlich schreibt Christian Zwanziger: "Eine Nutzung aller dieser Freiräume unter Einhaltung gültiger Infektionsschutzregeln halte ich für angemessener als pauschale Sperrungen."

Veranstaltungen unter Auflagen erlaubt

Zum Zeitpunkt der Entscheidung der Stadtspitze, mit Zäunen die Verbote auf dem Bergkirchweihgelände durchzusetzen, galten Veranstaltungen bundesweit noch als verboten. Die Staatsregierung beschloss mittlerweile aber, dass seit Freitag, 21. Mai, Kulturveranstaltungen bis 250 Menschen im Freien bei niedriger Inzidenz unter Hygieneauflagen erlaubt seien. Vielleicht, so die Hoffnung, gelte das ja nun auch für die selbst mitgebrachte Brotzeit im kühlen Schatten auf dem Burgberg.

3 Kommentare