Wie Erlanger Ärzte das Leben einer Realschülerin retteten

22.1.2021, 15:30 Uhr
Die Kinderkardiologen Dr. Martin Schöber und Dr. Ulrike Doll beim täglichen Besuch von Andrada nach der Herztransplantation.

Die Kinderkardiologen Dr. Martin Schöber und Dr. Ulrike Doll beim täglichen Besuch von Andrada nach der Herztransplantation. © Foto: Kerstin Bönisch/Uni-Klinikum Erlangen

Die Rettung schickte sozusagen der Himmel. Mitten in der Nacht kam das Spenderherz, das der 16 Jahre jungen Andrada aus Regensburg das Leben rettete, per Hubschrauber an die Uniklinik Erlangen. In einer mehrstündigen Operation transplantierte Prof. Dr. Michael Weyand, Direktor der Herzchirurgischen Klinik, gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team das neue Herz erfolgreich in den Brustkorb der Schülerin.

Heute steht fest: Andrada überstand die schwere Operation Ende der vergangenen Woche ohne Komplikationen und hat damit jetzt die Chance auf ein neues Leben mit einem gesunden Herzen. Es war nicht das erste Mädchen, das der Erlanger Uniklinik ihr Leben verdankt.

Das Mädchen litt aufgrund einer angeborenen Herzmuskelerkrankung unter einer schweren Herzmuskelschwäche und lag seit Anfang Dezember 2020 in lebensbedrohlichem Zustand auf der Kinderkardiologischen Intensivstation des Uni-Klinikums Erlangen.

Bis März "völlig gesund"

Ende März 2020 wurde die bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen gesunde Realschülerin mit einem Schlaganfall zunächst in die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uni-Klinikums Regensburg eingewiesen. "Als sich herausstellte, dass der Schlaganfall durch eine massiv verminderte Herzfunktion ausgelöst worden war, ließen die Regensburger Kollegen sie in unsere Abteilung verlegen", berichtet Dr. Martin Schöber, Oberarzt der Kinderkardiologischen Abteilung der Erlanger Uni-Klinik. "Die bei Andrada diagnostizierte Non-Compaction-Kardiomyopathie ist eine seltene Form einer Herzmuskelerkrankung. Bei dieser kann sich das Herzmuskelgewebe nicht weiter zur endgültigen Herzgewebestruktur entwickeln, sondern bleibt in seinem embryonalen Zustand. Die Folge ist eine zunehmende Herzschwäche. Die Prognose für Betroffene mit dieser vermutlich genetisch bedingten Erkrankung ist leider sehr schlecht."

Zustand rapide verschlechtert

Trotz herzstärkender Medikamente und engmaschiger Betreuung verschlechterte sich das Befinden des Teenagers innerhalb weniger Monate rapide. Dr. Schöber: "Bereits im September 2020 war Andrada nicht mehr in der Lage, eine Treppe hinaufzusteigen. Im Oktober musste ich mit der Familie über die Notwendigkeit einer Herztransplantation sprechen."


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Doch trotz der aussichtslosen Situation und der Bitte seiner Eltern lehnte das Mädchen die lebensrettende Transplantation zunächst ab. "Andrada wollte auf gar keinen Fall aus dem Tod eines anderen Menschen einen persönlichen Vorteil ziehen", so Dr. Martin Schöber. Erst durch weitere Gespräche unter anderem mit einer früheren Transplantationspatientin, ließ sich die Jugendliche überzeugen. Keinen Augenblick zu früh: Mitte Dezember 2020 – nur vier Wochen nach ihrer Aufnahme auf die Eutransplant-Warteliste – verschlechterte sich der Zustand massiv und sie musste in lebensbedrohlichem Zustand auf die Intensivstation verlegt werden: "Andradas Werte zeigten die schlechteste Herzfunktion, die ich bisher in meiner medizinischen Laufbahn echokardiografisch gesehen hatte", sagt Dr. Schöber.

Richtige Größe und Blutgruppe

Dass für das schwer kranke Mädchen bereits am 14. Januar 2021 ein Spenderherz zur Verfügung stehen konnte, bezeichnete der Kinderkardiologe als großes Glück: "Gerade bei Kindern und Jugendlichen müssen die gespendeten Organe nicht nur die passenden Blutgruppenwerte aufweisen, sondern auch die richtige Größe haben, um in den noch nicht ausgewachsenen Brustkorb transplantiert werden zu können."

Klinikdirektor Prof. Weyand hat seit Beginn seiner herzchirurgischen Laufbahn mehrere Hundert Herzen transplantiert. Den mehrstündigen, schweren Eingriff hat seine junge Patientin sehr gut überstanden: "Ich bin allen, die mir hier geholfen haben, so unendlich dankbar", sagt Andrada, die sich jetzt vor allem darauf freut, wieder zurück nach Hause zu dürfen und ihre beiden Geschwister wiederzusehen. Doch ein bisschen Geduld muss die Realschülerin noch haben: "In den nächsten vier Wochen kontrollieren wir mit regelmäßigen Tests, ob Andradas Körper das fremde Organ nicht wieder abstößt und stellen die Patientin auf die dafür nötigen immunsuppressiven Medikamente ein.

Lebenslang Medikamente

Diese muss sie ab jetzt für den Rest ihres Lebens regelmäßig einnehmen", erklärt Prof. Weyand. "In den folgenden Monaten geht es dann vor allem darum, ihr geschwächtes Immunsystem vor gefährlichen Infektionen zu schützen."

Andrada hat wirklich riesengroßes Glück: Weniger als 30 Spenderherzen können jährlich deutschlandweit bei Kindern und Jugendlichen transplantiert werden, weil es für sie noch weniger geeignete Spender gibt als für Erwachsene.


Corona: Uni-Klinik Erlangen erhöht die Zahl der Intensivbetten


Mit dem am 11. Januar 2021 gestarteten digitalen Spendenlauf "Ich lauf um Dein Leben" zu Gunsten des Aktionsbündnisses "Angeborene Herzfehler" wollen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) Kinder und Jugendliche unterstützen, die dringend eine Herztransplantation brauchen.

Digitaler Spendenlauf

Präsident der interdisziplinären Tagung "Herzmedizin 2021", bei dem Ende Februar das erste Etappenziel des Spendenlaufs präsentiert wird, ist Prof. Dr. Robert Cesnjevar, der Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen.

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