"Wichtig, früh anzusetzen"

Erlanger Studie will Demenz stoppen: Teilnehmer ab 60 Jahren gesucht

Isabella Fischer
Isabella Fischer

Hochschule & Wissenschaft

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28.7.2022, 10:55 Uhr
Im "Statthaus" melden sich zunehmend jüngere Betroffene und deren Angehörige. Manche stehen mitten im Leben, wenn die Diagnose kommt.

© Arne Dedert/dpa Im "Statthaus" melden sich zunehmend jüngere Betroffene und deren Angehörige. Manche stehen mitten im Leben, wenn die Diagnose kommt.

Nach jüngsten Schätzungen leben in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, Tendenz steigend. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kommen Tag für Tag durchschnittlich 900 Neuerkrankungen hinzu. Die Diagnose Demenz oder Alzheimer ist sowohl für Betroffene als auch für Angehörige niederschmetternd. "Wir müssen damit rechnen, dass die doppelte Zahl an Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen leben", so Prof. Elmar Gräßel, Leiter des Zentrums für Medizinische Versorgungsforschung und des Bereichs Medizinische Psychologie und Soziologie am Erlanger Uniklinikum.

Vorstadium von Alzheimer

Die leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) kann ein Vorstadium von Alzheimer sein, führt jedoch nicht in allen Fällen zum Ausbruch. Aber: "Innerhalb von fünf Jahren treten über 70 Prozent der MCI-Fälle mit Gedächtnisproblemen in eine Demenz über. Deshalb ist es wichtig, schon frühzeitig anzusetzen", sagt Gräßel.

In der Pilotstudie "Stoppt die Demenz" untersucht er in Kooperation mit der Technischen Hochschule Nürnberg seit 2020, wie mit gezielten Übungen am Computer, Laptop oder Tablet Geist und Gedächtnis fit gehalten werden können. An der Studie nahmen 89 Personen über 60 Jahren mit einer MCI teil. Zwei Jahre später gibt es nun erste Ergebnisse, welche die Forscherinnen und Forscher "positiv überrascht": Nach sechs Monaten Online-Training verbesserte sich die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden, nach zwölf Monaten war sie sogar noch ausgeprägter. "Nach einem halben Jahr hatten 40 Prozent der Teilnehmenden keinerlei kognitive Beeinträchtigungen mehr", berichtet Gräßel.

Die Forscherinnen und Forscher möchten die erfreulichen Ergebnisse noch weiter ausbauen. Im neuen Projekt "Brainfit-Nutrition" sollen in Online-Schulungen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung vermittelt werden, die positive Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit des Gehirns haben. Die Studienteilnehmenden erhalten ein digitales kognitives Trainingsprogramm sowie ein Ernährungsprogramm. Projektpartner ist dabei die Charité Berlin. "Wir wollen Anregungen geben, wie Ernährung zu einer verbesserten Hirnleistung beitragen kann. Eine pflanzenbasierte Ernährung, Nüsse und Hülsenfrüchte sind beispielsweise von Vorteil, tierische Fette dagegen machen müde", erklärt Gräßel.

Studienteilnehmer müssen mindestens 60 Jahre alt sein

Noch bis zum 30. September diesen Jahres können weitere Personen an der Studie teilnehmen. Die Teilnehmer müssen mindestens 60 Jahre alt sein, dürfen keine schwere nervenärztliche Erkrankung haben, Einbußen am Gedächtnis sollten festgestellt worden sein. Darüber hinaus müssen die Teilnehmer über einen internetfähigen PC, Laptop oder Tablet (kein iPad) mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher verfügen. Weitere Informationen zur Anmeldungen gibt es unter www.brainfit-nutrition.de.

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