20 Jahre Forchheimer Gebrauchtwarenhof Pack mer's

NN-Redakteurin Birgit Herrnleben
Birgit Herrnleben

Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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17.2.2019, 07:52 Uhr
Wir haben mit dem Leiter Gerhard Pfister gesprochen.

© Roland-Gilbert Huber-Altjohann Wir haben mit dem Leiter Gerhard Pfister gesprochen.

Herr Pfister, lassen Sie uns doch ein wenig zurückblicken auf die Pack mer’s-Geschichte. Wie waren denn die Anfänge?

Gerhard Pfister: Wir sind in den vergangenen Jahren drei Mal umgezogen. Unsere Anfänge waren auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei, dort waren wir zehn Jahre lang, anschließend für acht Jahre in der Bayreuther Straße 1, und in diesem Sommer werden es schon wieder zwei Jahre, dass wir in der Haidfeldstraße sind.

Welche Veränderungen gab es denn in den vergangenen 20 Jahren in Bezug auf den Standort?

Gerhard Pfister: Eigentlich ist fast alles gleich geblieben. Rückblickend möchte ich sagen, dass die Spinnerei bisher unser schlechtester Standort war, dort hatten wir auch weniger Platz. Am neuen Standort in der Haidfeldstraße sind unsere Arbeitsbedingungen noch besser, die Werkstätten haben Tageslicht, die große Lagerhalle ist wärmer.

Bringt der neue Standort denn auch mehr Kundschaft?

Gerhard Pfister: Ganz und gar nicht. Unser Umsatz ist zurückgegangen, wir haben fünf Prozent Einbußen. Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass wir hier so gut wie keine Laufkundschaft haben. In der Bayreuther Straße haben die Fußgänger in Richtung Bahnhof die Abkürzung über den ehemaligen Rewe-Parkplatz genommen und bei uns vorbeigeschaut und auch das eine oder andere Stück gekauft. Und sei es nur eine alte Schallplatte, ein Buch oder eine Blumenvase — Kleinkram macht eben auch Mist. Und so fehlen uns am Ende des Tages tagtäglich rund 50 Euro in der Kasse.

Wie will man denn mehr Kunden anlocken?

Gerhard Pfister: Wir haben die letzten Monate viel investiert in punkto Präsentation. Im Außenbereich haben wir "Flatterfahnen" aufgestellt. Unsere Aktions-Samstage laufen super, da ist die Hölle los. Eventuell machen wir heuer auch ein richtig großes Sommerfest. Ich könnte mir auch vorstellen, künftig studentische Zielgruppen anzusprechen, aus Erlangen und Bamberg etwa. Da ist’s nicht weit hin und wir verkaufen und liefern auch nach Bamberg.

Das ist ein gutes Stichwort. Wer kann denn alles bei Pack mer’s einkaufen?

Gerhard Pfister: Bei uns kann jeder einkaufen. Wir waren und sind nicht auf einen bestimmten Personenkreis beschränkt. Bei uns kaufen Sammler, die Geld haben und ein ganz bestimmtes Stück suchen ebenso ein, wie Menschen, die weniger Geld im Portemonnaie haben.

Und was gibt es bei Ihnen?

Gerhard Pfister: Die ersten Monate in der Spinnerei hatten wir ausschließlich Möbel im Angebot. Jetzt verkaufen wir, was wir kriegen, also auch Kleidung, Bücher, Schallplatten und Porzellan. Möbel und Hausrat, die für den Sperrmüll zu schade, sind nehmen wir entgegen und bereiten sie wenn nötig auch auf.

Und Sie nehmen auch alles?

Gerhard Pfister: Nein, das geht schon allein wegen unserer begrenzten Lagerkapazitäten gar nicht. Und die fünfte vier Meter lange Schrankwand in Eiche rustikal, die kriegen Sie heute nicht mehr los. Oft sind die Leute sauer, weil bestimmte Sachen eben nicht mehr verkäuflich sind, das bietet durchaus Konfliktstoff. Wir sind bei Pack mer’s auch nicht verpflichtet, alles zu nehmen. Wenn es nicht geht, dann bleibt immer noch der Sperrmüll.

Kleine Reparaturen

Was macht Pack mer’s mit den Möbeln?

Gerhard Pfister: Unsere Mitarbeiter demontieren die Möbel, verladen sie fachgerecht und transportieren sie in unser Lager. Falls notwendig werden auch kleine Reparaturen ausgeführt. Elektrogeräte werden durch unseren Elektromeister vor dem Verkauf geprüft. Anschließend steht die Ware in unserer Verkaufshalle zum Verkauf.

Pack mer’s ist eine gemeinnützige GmbH und besteht aus fünf Gesellschaftern: Landkreis Forchheim, Arbeiterwohlfahrt, Bayerisches Rotes Kreuz, Caritasverband und Diakonieverband. Wer arbeitet denn bei Pack mer’s?

Gerhard Pfister: Unser Ziel war und ist es Arbeitslose für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Vor 20 Jahren, als wir angefangen haben, lag die Arbeitslosigkeit bei sieben Prozent, jetzt, im Jahr 2019, haben wir nahezu Vollbeschäftigung. Und die Problemvielfalt ist größer geworden. Insgesamt haben wir hier 21 Mitarbeiter. Das sind oftmals anfällige Menschen mit körperlichen und psychischen Problemen. Bei uns lernen sie, eine Tagesstruktur aufzubauen und Disziplin, was zu tun ist. Vier bis fünf Stellen wollen wir im Rahmen des Programms der Bundesregierung für Langzeitarbeitslose besetzen.

Für soziale Teilhabe

Sie sind nicht nur Geschäftsführer von Pack mer’s, sondern übernehmen auch die sozialpädagogische Betreuung der Mitarbeiter?

Gerhard Pfister: Ich habe so eine Art Zwitterstellung. Wir brauchen ein gutes Betriebsklima für viel soziale Teilhabe. Viele können sich nicht vorstellen, wie einsam manche Menschen sind. Bei uns bekommen sie die Chance auf einen geregelten Tagesablauf und für die Schaffung neuer sozialer Kontakte. Wichtig ist es auch, Konflikte nicht zu übergehen, sondern sie zu lösen. Dafür steht meine Tür immer offen.

Wie finanziert sich Pack mer’s? Bekommen Sie Unterstützung?

Gerhard Pfister: Wir müssen uns selbst tragen. Pack mer’s bekommt keine institutionelle Förderung vom Landkreis. Wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen. Angefangen haben wir über den Arbeitsmarkt Fonds und über den EU Sozialfonds und ABM. Wir haben alle Maßnahmen genutzt. Doch EU-Mittel zu bekommen ist enorm verwaltungsaufwendig. Das mache ich nicht mehr.

Was muss ich tun, wenn ich die alte Schrankwand an Pack mer’s geben will?

Gerhard Pfister: Am besten ist es, sich vorab telefonisch bei uns zu melden, Telefonnummer (0 91 91) 9 77 60 und uns per WhatsApp ein Foto zu schicken, (01 75) 1 09 57 99, dann können wir uns schon mal ein Bild machen und eventuell einen Termin ausmachen. Ganz wichtig: Wir brauchen zwei bis drei Wochen Vorlauf. Wir holen übrigens kostenfrei im gesamten Landkreis Forchheim ab. Außerdem ist es sinnvoll, die Waren nur im Rahmen unserer Öffnungszeiten anzuliefern und uns nicht einfach säckeweise vor die Tür zu stellen. Das ist ein Gebot der Fairness.

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