Donnerstag, 09.04.2020

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Als die Juden aus Ermreuth fliehen mussten

Hausdurchsuchungen und Misshandlungen - Jüdische Bewohner flohen im Jahr 1939 aus dem Dorf - 10.11.2019 09:38 Uhr

Rolf Kießling, Heimatforscher und ehemaliger Gymnasiallehrer, hat die Geschichte der Juden in Ermreuth erforscht. Sein Büchlein darüber ist bereits vergriffen. © Foto: Petra Malbrich


Die Ermreuther Juden waren gut integriert. Der jüdische Lehrer fungierte als Gemeindeschreiber. Juden waren im Gemeinderat vertreten. Seit Generationen lebten sie hier, hießen mit Nachnamen Hönlein, Mirsberger, Reichold oder Wimmelbacher.

Für Historiker ist es eine Herausforderung, das Leben der jüdischen Familien bis in Zeit des Nationalsozialismus aufzuzeigen. Eine Herausforderung, die der Heimatforscher und frühere Gymnasiallehrer Rolf Kießling angenommen hat.

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Die Reichspogromnacht 1938: Gewalt gegen Juden in Franken

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 überfielen die Nationalsozialisten in ganz Deutschland jüdische Gotteshäuser, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen und hinterließen eine Spur der Zerstörung - auch in Nürnberg, Fürth und der Region.


Doch was geschah damals in der Pogromnacht in Ermreuth? Vielfach bezeugt ist, dass die Synagoge geschändet wurde. Dies fand jedoch nicht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt, eher ein oder zwei Wochen später. "Doktor Carl Ittameier aus Gräfenberg, der Kreisleiter der NSDAP, war in der Nacht nachweislich in Forchheim und maßgeblich an den Ausschreitungen gegen die Forchheimer Juden beteiligt", erklärt Rolf Kießling.

"Die Gebetbücher wurden einfach auf die Straße geworfen"

Erwiesen ist auch, dass das Innere der Synagoge verwüstet wurde. "Gebetbücher wurden einfach auf die Straße geworfen", sagt Kießling. Hölzerne Einrichtungsgegenstände wie die Gebetpulte wurden vor das Dorf gekarrt und dort verbrannt. Auch Bücher und wichtige Archivalien landeten auf dem Scheiterhaufen. Gegenstände aus Silber, wie der Jad, ein Finger zum Lesen der Tora oder die Leuchter aus Messing wurden angeblich ins Schloss gebracht. "Nach dem Krieg wurde ein Prozess gegen Leute geführt, die sich an den Juden vergingen. Doch über den Angriff auf die Synagoge habe ich bislang noch nichts gefunden", sagt Kießling. Ein zweiter Übergriff richtete sich direkt gegen die jüdischen Einwohner von Ermreuth. Funktionäre der NSDAP, allen voran Kreisleiter Ittameier, kamen mitten in der Nacht in zwei PKW nach Ermreuth und nahmen Hausdurchsuchungen vor. Gesucht wurden Schächtmesser und Waffen.

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In der Pogromnacht brannten Frankens Synagogen

In Franken gab es Mitte der 1930er Jahre noch 167 Synagogen und jüdische Bethäuser. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurden sie fast alle geschändet und geplündert.


Wegen dieser Übergriffe wurde 1948 ein Prozess in Bamberg geführt. "Ein genaues Datum wird in den Prozessakten aber nicht genannt", erklärt Kießling. Bei dieser Aktion im November 1938 wurde auch Max Wassermann Opfer der Nazis. Er wurde tätlich angegriffen und misshandelt.

Tragische Familiengeschichte der Wassermanns

"Max Wassermann konnte in der Nacht nach Dachstadt fliehen und einen Bekannten bitten, ihn nach Nürnberg zu fahren. Von Nürnberg aus gelangte er ins jüdische Krankenhaus in Fürth und wurde dort ärztlich versorgt." Im Jahr 1939 sah sich die Familie Wassermann gezwungen, nach Nürnberg umziehen. Auch alle jüdischen Einwohner Ermreuths verließen 1939 ihren Heimatort und übersiedelten nach Nürnberg. Gestorben ist Max Wassermann 1942 an Magenkrebs. Dieses Jahr ist auch im Grabstein von Max Wassermann eingraviert.

Im selben Jahr, als Max Wassermann im Fürther Krankenhaus lag, wurden seine Frau Betty, die Tochter Bella und die Söhne Werner und Kurt ins Lager Izbica bei Lublin deportiert. Von dort kamen sie in eines der Vernichtungslager. Nur Sohn Bernhard Wassermann konnte rechtzeitig in die USA emigrieren.

Juden in der Dorfgemeinschaft integriert

Die bis 1939 in Ermreuth lebenden Juden sind von Nürnberg deportiert worden, auch viele Juden, die in Ermreuth geboren wurden, darunter viele Mitglieder der Familie Hönlein. Dass die Juden in die Dorfgemeinschaft integriert waren, zeigen auch die Besitzer des typischen Traufhauses Dachstadter Straße 3 (alte Hausnummer 21). Es wurde um 1800 Lazarus Haus genannt. Gemeint war der Jude Lazarus Koppel. Dessen Söhne Männlein, der sich dann Mirsberger nannte, und Jondorf, der sich Gutmann nannte, lebten in dem Haus.

Später ging das Haus in den Besitz des jüdischen Glashändlers Jakob Michael Hönlein über. Auch dessen Nachkommen wurden in der NS-Zeit verfolgt, etliche von ihnen wurden ermordet.

PETRA MALBRICH

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