Ansturm auf die Fränkische: "Das Problem sind die Rücksichtslosen"

6.5.2021, 16:57 Uhr
Nebel über dem Wiesenttal bei Ebermannstadt: Nicht umsonst fliehen viele Städter (und andere) hinaus in die schöne Fränkische Schweiz. So lange sie Rücksicht auf die Natur nehmen, ist das kein Problem.

Nebel über dem Wiesenttal bei Ebermannstadt: Nicht umsonst fliehen viele Städter (und andere) hinaus in die schöne Fränkische Schweiz. So lange sie Rücksicht auf die Natur nehmen, ist das kein Problem. © Foto: Jana Wiehn

Das Bedürfnis nach Erholung und frischer Luft lockt die Massen aus Städten wie Forchheim, Erlangen und Nürnberg auch besonders in beliebte Gebiete der Fränkischen Schweiz. Leider verhalten sich Wanderer, Biker und andere Naherholer dort allerdings nicht immer so rücksichtsvoll, wie es angemessen wäre.


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Wir haben Jana Wiehn, die als Gebietsbetreuerin für ausgewählte Schutzgebiete im Landkreis Forchheim arbeitet, zu den größten Umweltsünden der Ausflügler befragt – und Tipps bekommen, wie das Erholungsbedürfnis mit dem Respekt vor Natur und Umwelt vereinbar ist.

"Im Grunde wäre die Fränkische Schweiz groß genug"

"Im Grunde wäre die Fränkische Schweiz groß genug für alle Tagestouristen, doch sie konzentrieren sich sehr auf Hotspots wie das Walberla und das Wiesenttal", beobachtet Jana Wiehn. Dabei sind aus ihrer Sicht gar nicht so viele Besucher absolut uneinsichtig in ihrem Fehlverhalten, "einen gewissen Prozentsatz gibt es aber durchaus".

Je mehr Menschen unterwegs sind, desto größer sei auch dieser Anteil. Dazu kommen laut Wiehn viele Halbeinsichtige, die zwar geloben, es bei nächster Gelegenheit besser zu machen, nun aber doch noch schnell ihre geplante Runde beenden möchten.

Der Parkplatz als Problemort

Gestartet werden diese Runden an zum Teil völlig überfüllten Parkplätzen, die durch Wildparker häufig auf privaten Streuobstwiesen und anderen landwirtschaftlichen Flächen willkürlich erweitert werden.

Gebietsbetreuerin im Landkreis Forchheim: Jana Wiehn.

Gebietsbetreuerin im Landkreis Forchheim: Jana Wiehn. © Foto: Violetta Thum

"Die Flächen am Kirschblütenweg in Pretzfeld zum Beispiel werden von Autos belagert und die Leute machen überall ihr Picknick und schlagen Lager auf. Das verursacht zu Recht Unmut bei den Landwirten," weiß die Gebietsbetreuerin.

Hinterlassenschaften und als Toilettenpapier genutzte Taschentücher

Zwar gibt es mittlerweile das eine oder andere To-Go-Getränk oder -Essen, jedoch sind aufgrund der Corona-Auflagen sanitäre Anlagen weiterhin geschlossen. Das fördert ein weiteres Umweltproblem: Wanderer & Co. hinterlassen neben Müll wie Lebensmittelverpackungen auch Kot und als Toilettenpapier genutzte Taschentücher.


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Letzteres sammelt sich vor allem an den Parkplätzen, wie Wiehn weiß: "In den letzten Wochen war es ein Problem, dass mitten auf den Plätzen Häufchen abgesetzt wurden, wo man sich fragt: Warum und wann machen die Leute das?" Auch andernorts tauchen diese Probleme auf. So berichteten Kollegen aus dem Fichtelgebirge, dass selbst extra aufgestellte Dixi-Toiletten selten als naturschonende Alternative genutzt würden.

Grauzone macht Übernachten möglich

In der Fränkischen Schweiz gibt es nur wenige Parkplätze, auf denen übernachtet werden darf. Eine gesetzliche Grauzone macht es allerdings möglich, eine Nacht auf einem Wanderparkplatz zu verbringen – nämlich dann, wenn man nicht mehr fahrtüchtig ist.

"Das wird bewusst ausgenutzt", erzählt Wiehn. "Es werden besonders schöne Orte angesteuert und leider häufig bis tief in die Nacht Lärm gemacht." So ergibt sich eine weitere Nebenwirkung: Tiere finden auch in der Nacht keine Ruhe vor Ausflüglern.

Unter Schutz stehende Fledermäuse

Apropos Tiere: Für die unter Schutz stehenden Fledermäuse bergen gerade Lagerfeuer eine große Gefahr. Denn diese werden besonders häufig unter Felsvorsprüngen und in Höhlen entfacht. Der Ruß, der sich dabei an die Decken hängt, sorgt dafür, dass der Felslebensraum für sehr lange Zeit völlig unbrauchbar gemacht wird.

Das Schild weist darauf hin, dass wegen Vogelbrut nicht geklettert werden darf.

Das Schild weist darauf hin, dass wegen Vogelbrut nicht geklettert werden darf. © Foto: Jana Wiehn

Vögeln, die außen an den Felswänden brüten, kommen seit einiger Zeit auch neuartige Störenfriede in die Quere: Drohnen. "Am Walberla sind diese Flugobjekte zum Beispiel nicht erlaubt, da die störungsempfindlichen Vögel sie als Bedrohung wahrnehmen, ihre Brut nicht mehr frei aufziehen können und Brutplätze teilweise ganz aufgeben", erklärt Wiehn.

Technischer Fortschritt hinterlässt Spuren

Auch auf dem Boden hinterlässt der technische Fortschritt seine Spuren. Das starke Aufkommen von E-Bikes sorgt dafür, dass Sportler auch ohne allzu große Fitness durch schweres Gelände fahren können – oftmals quer durch Naturschutzgebiete.

"Das ist für alle Fahrzeuge komplett gesperrt, dabei ist es irrelevant, ob ein Weg hindurchführt oder nicht", betont die Gebietsbetreuerin. Auch durch unerlaubte Mountainbike-Routen und Wanderungen abseits der offiziellen Wege entstehen Schäden an der Vegetation und Tiere werden in ihrem Lebensraum gestört.

Von Hunden gestört

Störungen können auch durch andere Tiere entstehen. "Ich kann gut verstehen, dass Hundebesitzer das Bedürfnis haben, ihren Hund frei laufen zu lassen," meint Wiehn. "Allerdings ist gerade Wiesenbrüterzeit, sodass die Vögel in den Wiesen Ruhe brauchen."

Kajak fahren auf der Wiesent ist sehr beliebt – so beliebt, dass die Massen von Bootsfahrern zu einem Problem für Flora und Fauna werden.

Kajak fahren auf der Wiesent ist sehr beliebt – so beliebt, dass die Massen von Bootsfahrern zu einem Problem für Flora und Fauna werden. © Foto: Jana Wiehn

Frei laufende Hunde können diese stören, daher wäre ein Anleinen auf weiter Flur ratsam. Und auch an der Wiesent sind Flora und Fauna dankbar, wenn Erholungsbedürftige sich an die Regeln halten. Sobald das Befahren des Flusses wieder erlaubt ist, gelten wie immer Richtlinien, mit welcher Art von Booten gefahren und an welchen Stellen ein- und ausgestiegen werden darf.

Dass es die Menschen gerade jetzt nach draußen in die Natur zieht, auch aus Mangel an Alternativen, findet Wiehn absolut nachvollziehbar. "Ich bin ja selbst sehr gerne draußen unterwegs. Aber eine gewisse Bereitschaft, sich mit seinem Ausflugsziel zu beschäftigen, wäre schon schön."

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