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Bücherei ist keine leichte Kost für Stadtrat

Altes Krankenhausgelände: Verwaltung braucht schnellen Beschluss für Neubau — Investor zufrieden - 05.10.2010 09:36 Uhr

Wenig erinnert noch an das alte Krankenhaus: Hier war früher der Haupteingang. Während die Bauarbeiten des Investors P&P voranschreiten, zögern die Stadträte beim Projekt „Stadtbücherei“. © Roland Huber


Es geht ums Geld. Eigentlich muss die Stadt sparen, 2011 sollen die Investitionen deutlich verringert werden. Die neue Stadtbücherei, die zwischen Bettenhaus und den Gebäuden direkt an der Wiesent auf dem alten Krankenhausgelände gebaut werden soll, wird geschätzt 2,9 Millionen Euro inklusive Einrichtung kosten (wir berichteten). In der jüngsten Stadtratssitzung hatte das Bauamt ein endgültiges Okay der Stadträte erbeten.

Die Verwaltung braucht das „Ja“, damit mit dem Abbruch des alten Gebäudes begonnen werden kann, außerdem will die Regierung von Oberfranken eine Zusage, um die Förderanträge weiter zu bearbeiten. Genau hier fing sprichwörtlich gesehen die Katze an, sich in den Schwanz zu beißen. Denn die Stadträte wiederum verlangen eine endgültige Zusage über die Höhe der Fördermittel, bevor das Projekt beschlossen wird.

Bundestag im Spiel

Bislang haben die Oberfrankenstiftung, der Kulturfonds und die Städtebauförderung zwar signalisiert, dass sie dem Projekt positiv gegenüberstehen, so Bauamtsleiter Gerhard Zedler, mit wie viel Geld Forchheim unterstützt wird, ist aber noch unklar. Zumal der Bundestag gerade über die Zukunft Städtebauförderung diskutiert.

„Wenn wir jetzt zustimmen, ist das wie ein Blankoscheck“, gab FGL-Fraktionssprecherin Annette Prechtel zu bedenken. So sahen es auch CSU, SPD, Freie Wähler und die Jungen Bürger. Im Juli hatten die Stadträte den Neubau auf den Weg gebracht, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kommune nicht mehr als 1,8 Millionen Euro aus eigener Tasche bezahlen muss.

Die äußerst knapp gefasste Beschlussvorlage tat ein übriges, dass sich die Stadträte bei dem millionenschweren Projekt nicht ausreichend informiert fühlten, wie CSU-Fraktionschef Udo Schönfelder betonte und einen Ortstermin forderte. Immerhin informierte Zedler auf Nachfrage, dass man mit etwa 260000 Euro Abbruchkosten rechnen müsse.

Die Zeit drängt. Der private Investor P&P aus Fürth nimmt sich in den nächsten Wochen den Ostflügel vor. Dort wird unter anderem das Dach abgebaut und durch eine flache Version ersetzt. Die Abbrucharbeiten könnten gut in den Ablaufplan integriert werden.

Kompromiss gefunden

Zum Schluss einigte man sich auf einen Kompromissvorschlag von SPD-Fraktionssprecher Reinhold Otzelberger: Der Stadtrat ermächtigte den Planungsausschuss, bereits am 11. Oktober bei einem Ortstermin über den Abbruch zu entscheiden. Der Rest wird erst im nächsten Stadtrat beschlossen. Bis dahin will OB Franz Stumpf bei der Regierung Erkundigungen einholen.

Die Arbeiten des privaten Investors P&P laufen derzeit nach Plan, erklärt Tobias Märker, Projektleiter Bau bei P&P. Zunächst war der Westflügel an der Reihe gewesen. Zirka 2000 Tonnen Stahlbeton und Mauerwerk mussten abgebrochen und wegtransportiert werden – das ehemalige Schwesternheim verschwand im Frühsommer diesen Jahres von der Bildfläche. Dann vor etwa sechs Wochen kam das oberste Stockwerk des Westflügels (ehemaliger Bettentrakt) an die Reihe. Inzwischen geht es hier mit dem Rohbau weiter, ein neues Treppenhaus wird angelegt, der Aufzugschacht neu installiert, die Trennwände der künftigen Wohnungen eingebaut, zählt Märker auf.

Während im Westteil 28 Wohnungen zwischen 52 und 160 Quadratmeter untergebracht sind, im Mitteltrakt die Stadtbücherei errichtet wird, sollen im Ostteil neben den Wohnungen (16) auch Arztpraxen und ein Café eröffnen. Das alte Krankenhaus, das die Fürther Investoren in „Parkpromenade“ umgetauft haben ist gefragt. Laut Eschbach sind nur noch eine Arztpraxis und drei Wohnungen zu vergeben. Ein Allgemeinarzt wird in die „Parkpromenade“ ziehen, das Café wurde an einen Forchheimer Gastronomen verkauft.

Knifflige Aufgaben müssen die Bauleute beim Ostflügel bewältigen. Eine Seite des Trakts schließt direkt an die Wiesent an. Das Gerüst kann schlecht im Fluss aufgestellt werden. „Also haben wir im Erdgeschoss einen Vorbau aus Stahl gebaut auf dem nun das Gerüst steht.“ Mit dem Innenausbau des Ostflügels soll im Frühjahr 2011 begonnen werden.

VON BEKE MAISCH

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