Corona im Kreis Forchheim: Was hinter den Zahlen steckt

11.12.2020, 10:00 Uhr
Einer der Corona-Reihentests am Annafest-Parkplatz in Forchheim Anfang Dezember.

© Berny Meyer Einer der Corona-Reihentests am Annafest-Parkplatz in Forchheim Anfang Dezember.

Und: Wie lassen sich die Entwicklungen seit Beginn der Pandemie erklären – geht das überhaupt? Wir haben uns die Zahlen genauer angeschaut. 

Das Robert Koch-Institut bietet online auf seinem „Covid-19-Dashboard“ einen detaillierten Überblick über die Werte der deutschen Bundesländer und Landkreise. Zoomt man in den Landkreis Forchheim, so stechen einem dieser Tage folgende Zahlen ins Auge: Beispielsweise eine 7-Tage-Inzidenz von 163,5 und seit Beginn der Pandemie insgesamt 1470 gemeldete Erkrankungen, 19 Menschen sind mit Covid-19 verstorben. 

Anfangs weniger Todesfälle

Keiner der Toten aus dem Kreis Forchheim war bisher jünger als 60 Jahre. Mit seinem Inzidenzwert liegt Forchheim im bayernweiten Vergleich etwa im Mittelfeld. Um einiges niedriger als im Nürnberger Land (Inzidenz: 240,1), allerdings nicht annähernd so niedrig wie etwa in den Landkreisen Bamberg (64,6), Würzburg (78,9) oder Kitzingen (84,5), die noch hellrot gefärbt sind.

Allerdings fällt auf: Bamberg hat etwa dreimal mehr Covid-19-Todesfälle zu verzeichnen als Forchheim. Woran liegt das? „Im Vergleich zu Bamberg hat es bei uns lange Zeit keine Fälle in den Altenheimen gegeben, den Frühling und Sommer über blieben wir also weitestgehend verschont“, erklärt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim. „Mit insgesamt vier Toten blieb die Zahl der Corona-Todesfälle lange Zeit auf niedrigem Niveau. Zuletzt sind allerdings in drei Altenheimen Ansteckungsfälle aufgetreten, wodurch die Zahlen leider nach oben gehen.“ 

Ansteckungsketten zurückzuverfolgen ist ein wichtiges und gleichzeitig äußerst schwieriges Unterfangen. „Es lassen sich ganz schwer spezielle Muster herauslesen“, sagt Strehl. Zwar ist häufig von der Ansteckung über Haushaltskontakte auszugehen, aber zu hundert Prozent lassen sich andere Optionen nicht ausschließen – etwa das Einfangen des Virus über Kontakte, die in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Arbeit zustande kommen. Bei der Nachverfolgung stoßen Gesundheits- und Landratsamt auf subjektive Einschätzungen der Betroffenen. 

„Weiterhin sind die Angaben der Befragten aber natürlich unsere Grundlage für das Herausfinden des Infektionsherds und um auch weitere Personen im Umfeld testen zu lassen.“ Statistiken zu den häufigsten Ansteckungsherden gibt es nicht. 

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Auffällig ist, dass sich im Kreis Forchheim besonders häufig die 35- bis 59-Jährigen anstecken – bisher 660 Personen. Diese Generation ist besonders mobil, fährt zur Arbeit und zum Einkaufen. Die Möglichkeiten der Ansteckung seien dadurch wesentlich vielfältiger als bei älteren Personen, sagt Holger Strehl. Dicht gefolgt wird diese Altersgruppe von den 15-34-Jährigen, von denen sich bislang bereits 475 Personen infiziert haben.

Woran liegt das? „Diese Altersgruppe ist viel zu weit gefasst und undifferenziert, um eindeutige Schlüsse ziehen zu können“, sagt Strehl. „Man kann nicht sagen, ob hier die Betonung auf den 15-18-Jährigen liegt und damit die Schule ein ausschlaggebender Ansteckungsbereich ist.“ Oder ob die Betonung auf den Älteren bis 34 liegt, die wiederum auch zur sehr mobilen Altersgruppe gehöre. Klar ist: Hier spielen sich die meisten Kontakte ab. Allerdings betont Strehl: „Von Corona-Partys oder ähnlichem haben wir nicht gehört, das scheint glücklicherweise kein Problem bei uns zu sein.“

Gibt es in Anbetracht des übermächtigen Dunkelrots in Bayern trotzdem etwas Gutes zu berichten, speziell in Forchheim? Pressesprecher Holger Strehl sagt: „Während andere Gesundheitsämter fast schon die Segel gestrichen haben, kommen wir mit den Fällen noch hinterher. Das ist immerhin etwas beruhigend.

KIRSTEN BORGERS

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