Erzdiözese verkaufte Anwesen

Das Bildungshaus Obertrubach hat einen neuen Eigentümer

25.1.2022, 11:00 Uhr
Das Bildungshaus Obertrubach hat einen neuen Eigentümer

© Bildungsstätte Obertrubach, NN

Der neue Eigentümer ist der Unternehmer Werner Bauer aus Geschwand, der in Ottenhof in der Marktgemeinde Plech eine Firma für Nutzfahrzeuge betreibt. Wie Bauer auf Anfrage der NN bestätigt, wurde der Kaufvertrag zwischen dem Erzbistum und ihm am 9. Dezember notariell abgeschlossen. Über den Kaufpreis schweigt sich Bauer aus.

Zu Gerüchten, die in Obertrubach kursieren, das ganze Anwesen hätte ein bis zwei Millionen Euro gekostet, sagt Bauer, dass so etwas für diesen Preis nicht zu haben sei. Auch einem weiteren Gerücht, die Bildungsstätte mit sämtlichem Areal hätte gar elf Millionen Euro gekostet, erteilt der Unternehmer eine Absage. Er spricht aber von mehreren Millionen Euro.

Als "Betongold" erworben

Ebenso widerspricht der neue Eigentümer dem Gerücht, dass er aus der einstigen Bildungsstätte nun ein „Asylantenheim“ machen will. „Das ist alles Unsinn“, sagt Bauer. Zunächst habe er die Einrichtung als Geldanlage, als „Betongeld“ erworben. Was daraus einmal werden soll, weiß er noch nicht genau. „Jedenfalls keine touristische Einrichtung, sondern etwas im sozialen Bereich“, überlegt der Besitzer.

Das Bildungshaus Obertrubach hat einen neuen Eigentümer

© Franz Galster

Bauer denkt etwa an ein „Altenheim“ oder an „Betreutes Wohnen“ in Zusammenarbeit mit einem Träger wie beispielsweise dem Arbeiter Samariter Bund (ASB). Im Frühjahr soll erst einmal eine Begehung mit Fachleuten stattfinden. „Dann sehen wir weiter“, so Bauer. Jedenfalls soll es nicht zum Nachteil der Gemeinde sein.

Keine privaten Feiern mehr

Der Gemeinderat könne, wenn er wolle, auch weiterhin seine Sitzungen in einem der Seminarräume abhalten. Für private Feiern stehe das Haus jedoch nicht zur Verfügung. Scherzhaft ergänzt Bauer noch und lacht, dass er ja vielleicht selbst einzieht, wenn er zu Hause raus fliege.

Vor Längerem hatte Bauer in Obertrubach schon das Gemeinschaftshaus der ehemaligen Ketteler-Siedlung gekauft, um Wohnungen daraus zu machen. Fünf Wohnungen sind bereits fertig, informiert Bauer. Letzte Woche habe die Schlüsselübergabe stattgefunden, zu der auch Bürgermeister Markus Grüner (CSU) eingeladen war, der jedoch verhindert war.

Zum Wohle der Gemeinde?

Wie Grüner nun betont, sei er persönlich und vor allem für die Gemeinde froh, dass die Gebäude nicht leer stehen, weil sie dadurch ja nicht besser werden. Er freue sich auch, dass die künftige Nutzung im Interesse der Gemeinde sein werde.

Kritik kommt jedoch von Gemeinderäten. Nicht am neuem Eigentümer, sondern an der Kirche. Diese hätte ohne jegliche Rücksprache und konzeptioneller Idee trotz mehrmaliger Nachfragen das Bildungshaus verkauft, sagt Roland Wölfel. „Damit hat die Kirche in Bamberg in Obertrubach alles, was von den Bürgern zum Teil mit Hand- und Spanndiensten aufgebaut wurde, verscherbelt. Die Gemeinderäte sind durchweg vom Bistum enttäuscht“, so Wölfel.

Eine "Riesensauerei"

Dritter Bürgermeister Stefan Lang spricht gar von einer „Riesensauerei.“ Jahrelang sei die Gemeinde von der Kirche hingehalten worden. Lang erinnert an die Vorgeschichte, an die 1950er Jahre, als der damalige Pfarrer Grieb das Marienheim bauen ließ, in dem eine Hauswirtschaftsschule und später dann der katholische Kindergarten untergebracht war. Dies hätten die Bürger damals mit sehr viel Herzblut mitgebaut, so Lang. Und nun würden sie so vor den Kopf gestoßen.

Lang betont ausdrücklich, dass er nichts gegen den neuen Besitzer habe, sondern er dies alleine als Kritik an der Vorgehensweise der Kirche verstanden wissen will. Der dritte Bürgermeister freue sich nach eigenem Bekunden nun auf eine gute Zusammenarbeit mit Bauer. Auch der SPD-Kreisverband Forchheim hatte sich im letzten Jahr für einen Weiterbetrieb des Bildungshauses eingesetzt. Notfalls unter einem neuen Träger.

Corona sorgte für Schieflage

Die seit 1999 bestehende Bildungseinrichtung war aufgrund der Corona-Krise im vorletzten Jahr in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage geraten. So waren die Einnahmen aus betrieblicher Tätigkeit im Vergleich zu 2018 aufgrund der coronabedingten Ausfälle von 738.000 Euro auf 234.000 Euro um fast 70 Prozent abgefallen. Das Haus stand bei fortlaufenden Fixkosten seit der Corona-Krise weitgehend leer. Eigentlich wollte der Stiftungsrat das Haus bis Ende 2023 selbst weiter führen und dann gleitend in eine neue Trägerschaft übergeben. Wegen des entstandenen hohen Defizits zog der Stiftungsrat jedoch Anfang 2021 die Notbremse.

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