Donnerstag, 15.04.2021

|

Das grüne Musterdorf wird 700 Jahre alt

Juraort 2006 mit Staatspreis für Flurneuordnung ausgezeichnet - 02.09.2010 09:02 Uhr

Aus der Hand des damaligen Landwirtschaftsministers Josef Miller (Mitte) gab‘s für Moggast einen Staatspreis.

01.09.2010 © privat


"700 Jahre alt zu sein, ist im Grundsatz kein sehr wichtiges Ereignis für ein Dorf in einer alten Kulturlandschaft", sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Ulrich Angermeier. Aber bis zum 750. Jahrestag zu warten, um die vor vier Jahren mit dem bayerischen Staatspreis ausgezeichneten Maßnahmen der ökologischen Flurneuordnung offiziell ihrer Bestimmung zu übergeben, erschien den Moggastern doch nicht ratsam.

Am "Tag des offenen Dorfes", einem Sonntag, erwartet man, sofern Ausflugswetter herrscht, mindestens 3000 Besucher in Moggast, das nur 250 Einwohner hat. Schon am Vormittag, um 9.30 Uhr, wird in der Dorfkirche St. Stefan mit Pfarrer Hans Hübner ein katholischer Festgottesdienst gefeiert. Später dann marschieren die Festgäste, angeführt von Bürgermeister Franz Josef Kraus aus Ebermannstadt und dem Stadtrat, durchs Dorf, um das alles anzusehen, was in Moggast bei der ökologischen Flurneuordnung geschaffen wurde.

Prominente Gäste aus der Politik

Prominentester der eingeladenen Gäste aus der Politik ist wohl der Berliner Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk (CSU), der hier seinen Wahlkreis hat und als gebürtiger Forchheimer das Land kennt. Besonders freut man sich aber auch auf die Zusage des ehemaligen katholischen Ortspfarrers Ludwig Ebensberger, am Festtag bei seinen früheren Moggaster Schäfchen zu sein. Der Geistliche war 24 Jahre lang Seelsorger in dem Juradorf und stand an der Spitze des Dekanats Ebermannstadt. Ebensberger ist schon 100 Jahre alt, aber geistig und körperlich noch sehr rüstig und verbringt seinen Lebensabend im St. Josefsheim in Gaustadt, wo er auch regelmäßig noch Gottesdienste hält.

Bilderstrecke zum Thema

Ein kleiner Ort am Puls der Zeit: 700 Jahre Moggast

Beim Festakt zum Jubiläum „700 Jahre Moggast“ und dem „Tag des offenen Dorfes“ wurde das Engagement der Bürger zur Aufwertung ihrer Ortschaft vielgerühmt.


Was während der Flurerneuerung in Moggast auf einer Fläche von 54.000 Quadratmeter innerhalb und um das Dorf herum geschaffen wurde, ist einzigartig im Landkreis. So pflanzten die Ortsbewohner beispielsweise 4000 Sträucher und über 260 Bäume. Dabei legte man auch Wert auf die Ansiedlung alter Sorten wie Haferschlehen und Ebereschen. Hinzu kamen noch Hecken mit einer Länge von vielen hundert Metern sowie ein Feuchtbiotop in der Größe von 6000 Quadratmetern, in dem sich die Amphibienwelt ausbreiten kann. Auch ein Rastplatz für die Gößweinsteiner Wallfahrer mit einer Streuobstwiese sowie eine größere Fläche Trockenrasen, der als idealer Nistplatz für Bodenbrüter und Biotop für Insekten gilt, runden das Bild ab. Moggast hat damit schon frühzeitig einen Beitrag geleistet, um die Biodiversität zu fördern, deren Erhaltung in diesem Jahr weltweit hoch im Kurs steht.

Große Festtafel im Freien

Angermeier erinnerte im NN-Gespräch auch daran, dass das Projekt, für dessen Finanzierung die Direktion für ländliche Entwicklung 300.000 Euro bereitgestellt hat, noch nicht vollendet ist. Dieses wolle man den Politikern am 19. September bewusst machen. So fehlen in der Ortsdurchfahrt - einer viel befahrenen Staatsstraße - noch immer die Gehsteige für die Sicherheit der Fußgänger. Das Dorf hat drei Vereine - den Sportclub mit 350, die Freiwillige Feuerwehr mit 80 und die Gartenfreunde mit 65 Mitgliedern. Alle sind in dem sechsköpfigen Team vertreten, das die Organisation des Jubiläumsfestes in die Hand genommen hat. Ihm ist es auch gelungen, dass alle 15 Betriebe im Ort - vom Schnapsbrenner über das international renommierte Prüflabor bis hin zum Ferrari-Techniker, der sogar Kunden aus Italien hat, - ihre Tore öffnen und die Festbesucher zur Besichtigung einladen.

Trotzdem soll der Tag des offenen Dorfes "nicht zu groß werden", sagt Teamsprecher Angermeier. Das spart auch Geld, von dem ohnehin nicht viel vorhanden ist, denn das Fest wird ausschließlich aus eigenen Mitteln finanziert. "Wir wollten nicht betteln gehen", beschreibt Juliane Voss-Bergfeld die Lage. Die gebürtige Berlinerin ist Vorsitzende der Gartenfreunde und die einzige Frau im Organisationsteam. Sie fühle sich "sehr wohl" in dem Dorf, in dem sie seit zehn Jahren lebt, verrät die Endsechzigerin.

"Club der alten Schachteln"

In Moggast hat die einst international tätige Werbefachfrau eine Firma, die mit Medizintechnik handelt, gegründet. In der Freizeit schart sie auch noch eine Runde älterer Damen um sich, die sie mit Berliner Schnauze "Club der alten Schachteln" nennt. Angermeier und Voss-Bergfeld versprechen den Besuchern eine große Festtafel unter freiem Himmel mit einem "Riesenbüfett" und einen Rundgang durchs Dorf, bei dem man auch "schöne Gärten" zu sehen bekommt. Vor allem sollte man dabei auch einen Blick in die Stephanskirche werfen. Das Tempera-Gemälde des Münchner Kirchenmalers Gebhard Fugel im Deckengewölbe gilt als Meisterwerk der sakralen Kunst.

Das Jubiläumsjahr wird abgeschlossen mit einem Vortragsabend am 5. November: Bezirksheimatpfleger Günter Dippold spricht über die Geschichte von Moggast, das Bischof Wulfing von Stubenberg im Jahr 1310 als Burggut dem Ministerialen Konrad von Wichsenstein zum Dank für treue Dienste überließ. Das Dorf, das bis 1972 im ehemaligen Landkreis Pegnitz lag, war von 1560 an über 60 Jahre lang sogar evangelisch.

 

HUGO MOLTER

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Moggast