Blick nach Sachsen

Das kleinste Forchheim liegt doch in Mittelsachsen

Martin Regner
Martin Regner

Nordbayerische Nachrichten

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6.8.2021, 06:04 Uhr
Das kleinste Forchheim liegt in Mittelsachsen bei Döbeln, der Forchheimer Gerhard Meese hat uns sein Dorf vorgestellt. 

© Jens Meese Das kleinste Forchheim liegt in Mittelsachsen bei Döbeln, der Forchheimer Gerhard Meese hat uns sein Dorf vorgestellt. 

Es gibt nämlich ein Forchheim, das noch kleiner ist: Forchheim bei Döbeln in Mittelsachsen hat nur rund 60 Bewohner. Einer davon ist Gerhard Meese, der uns seinen Heimatort vorstellt. "Das ist erstmal schön, dass sich die Bayern um das kleine Forchheim bemühen", meint Messe zu Beginn des Telefongesprächs. Das kleinste Forchheim liegt in der Nähe der Stadt Döbeln, zu der es auch als Ortsteil gehört.

Der Ursprung der Siedlung dürfte im 14. Jahrhundert liegen, als sich die ersten Siedler am "Forchheimer Bach" angesiedelt haben und den dortigen Kiefernwald rodeten. So liegt das Dorf heute in einem Tal, das immer noch von Wald umgeben ist. Im Dreißigjährigen Krieg sei Forchheim von den Schweden besetzt gewesen, sagt Meese. An dem kleinen Bach hatten sich in früheren Jahrhunderten mehrere Wassermühlen angesiedelt: Eine für Graupen, eine für Getreide, ein Sägewerk, eine Nagelfabrik und noch eine zweite Getreidemühle, die einst von der Nutzung der Wasserkraft gelebt haben. Wie Meese erzählt, ist von diesen Betrieben heute allerdings nicht mehr viel zu sehen.

Direkt am Ortsrand liegt heute noch eine Sandgrube, in deren Nachbarschaft Gerhard Meese wohnt: "Ich konnte recherchieren, dass aus dem Forchheimer Sand und Kies die Talsperre Kriebstein gebaut wurde." Besagte Talsperre entstand Ende der 1920er-Jahre und staut das Flüsschen Zschopau zum Zweck der Stromerzeugung auf. Damals wurden Sand und Kies demnach mit vierspännig bespannten Pferdefuhrwerken über die bergigen Straßen bis zur rund elf Kilometer von der Sandgrube entfernten Baustelle transportiert.

Durch Forchheim führt eine langgezogene Straße, die Ziegra mit Döbeln verbindet. Da in der Nähe ein Logistikzentrum liegt, kommen heute viele schwere Lastwagen durch das Dorf: "Dafür ist die Straße vor 100 Jahren allerdings nicht gebaut worden", meint Meese. Bevor Ziegra selbst nach Döbeln eingemeindet wurde, gehörte Forchheim zur Gemeinde Ziegra. Eine Ampel oder einen zentralen Dorfplatz gibt es in Forchheim nicht und auch einen Laden sucht man vergebens. Döbeln ist die nächstgrößere Stadt mit rund 24.000 Einwohnern und liegt rund vier Kilometer entfernt. Die Großstädte Dresden, Chemnitz und Leipzig liegen jeweils 40 bis 50 Kilometer weit weg.

Noch gut erinnert sich Gerhard Meese an einen Urlaubsbesuch vor wenigen Jahren im großen Forchheim in Oberfranken. Besonders gut eingeprägt hat sich bei ihm eine Besichtigung des historischen Rathauses mit seiner Fachwerkfassade: "Sehr imponiert hat mir ein Abendessen am Ufer der Wiesent mit Wein und Bier, das war sehr schön." Im kleinen Forchheim gibt es heute allerdings kein Gasthaus mehr: "Früher hatten wir aber mal zwei."

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