Samstag, 18.01.2020

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Die Forchheimer Altstadt mit Licht in Szene setzen

Häuser, Bäume und Wasser sollen mit Masterplan ins rechte Licht gerückt werden - 05.12.2019 08:00 Uhr

Die Aschaffenburger Stiftsbasilika ist ein Referenz-Objekt der Bingener Ingenieure. Mit Licht in verschiedener Farbe und Intensität wurde der gesamte Platz in Szene gesetzt. © Alexander Heinrichs


"Licht lockt Leute" und "Licht weckt Neugier": Das sind die Schlagworte, die Melanie Neugebauer den Stadträten mit auf den Weg gibt. Viel Arbeit hat sich die Mitarbeiterin des Ingenieurbüros Flashaar aus Bingen am Rhein gemacht, um die dunklen, versteckten Ecken der Innenstadt ins richtige Licht zu setzen. Das Konzept für den sogenannten "Lichtmasterplan" für die Forchheimer Innenstadt umfasst dabei satte 230 Seiten.

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Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurde im PLUA beschlossen, einen solchen Plan in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Stadtwerken erstellen zu lassen (wir berichteten). Ein Förderantrag wurde bei der Regierung von Oberfranken eingereicht und als förderfähig bestätigt.

Fassaden versumpfen

"Bei Nacht verschwinden die schönen Fachwerk-Fassaden", sagt Neugebauer. Besucher könnten die Häuser-Fronten "nicht wirklich sehen, weil sie im Dunkel versumpfen". Der Lichtmasterplan soll die Innenstadt attraktiver machen durch das "Zaubern" verschiedener Lichtatmosphären. Wie an einer Licht-Schnur sollen Paradeplatz, Marktplatz, Rathausplatz und Martinskirche mit Lichtpunkten verbunden werden. "Das sind die Wege, wo man auch die Touristen gerne hätte", sagt Neugebauer.

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Die Fachfrau aus Rheinland-Pfalz kennt die Forchheimer Innenstadt anscheinend besser als mancher Forchheimer selbst. Sie empfiehlt Akzentbeleuchtung von Kammerers Mühle, Johannis-Kirche, Alte Kommandatur am Paradeplatz, VHS-Gebäude, Saltorturm und Nürnberger Tor. Einzelne Spots könne man aufs Giebelfachwerk richten, die Mariengruppe am Paradeplatz und Figuren am Marktplatz beleuchten, einzelne Baumgruppen wie etwa in der Wiesentstraße unterleuchten. Doch nicht nur Häuser und Plätze bekommen eine zentrale Rolle in dem Konzept, auch das Wasser soll eine Hauptrolle spielen. So könnte man den Flusslauf des Bächlas in der Hauptstraße mit Bodeneinbau-Leuchten illuminieren oder die Pfähle an der Wiesent an der Spitalkirche anleuchten und so dem Auge vermitteln, "dass die Häuser über dem Wasser schweben".

Die Fischkästen an der Wiesent könnten, etwa mit einer LED-Linie, unterleuchtet werden. "Die alten Holztöne spiegeln sich dann im Wasser" und die bis dato für Fußgänger ziemlich dustere Ecke erscheine in schönem Licht. Apropos schön: Wichtig sei, so Neugebauer, eine "einheitliche Lichtfarbe für den historischen Stadtkern", also kein kalter, greller, sondern ein warmer Lichtton. Man könne durchaus die Bastionsbeleuchtung im Stadtpark übernehmen, etwa für touristische Abendveranstaltungen oder Weinfeste im Stadtpark.

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Von bunten Lichtspielereien indes rät die Fachfrau ab: "Wir wollen keinen Kirmes-Effekt." Wenn Farbe, "dann sollte die nur temporär eingesetzt werden", wie zum Beispiel beim Fest am Blauen Eck, wenn Häuserfronten in Blautönen erstrahlen sollen.

Doch der Lichtmasterplan soll nicht nur die Schönheiten der Innenstadt wie Rathaus und Kaiserpfalz aus der Finsternis holen. Eine stimmige Grundbeleuchtung ist darin ebenso eingeschlossen wie Verkehrssicherheit und ein positives Sicherheitsempfinden ohne dunkle Ecken, wirtschaftlicher Betrieb und ökologische Verträglichkeit. Das alles sollen insektenfreundliche Lichtfarben mit geringem Blauanteil gewährleisten, auf die "die Tiere nicht fliegen". Kurz vor Mitternacht ist allerdings Schluss mit der Beleuchtung: Denn das bayerische Immissionsschutzgesetz untersagt nach 23 Uhr die Akzentbeleuchtung, um die Artenvielfalt zu schützen. "Um 23 Uhr geht per Gesetz das Licht aus", so Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD).

Was das Ganze kostet? "In diesem Stadium bereits über Kosten zu sprechen ist ziemlich schwierig", sagt Neugebauer auf Rückfrage der Nordbayerischen Nachrichten. Erst müsse man die Detailplanung machen, etwa welche und wie viele Leuchten wohin kommen, um einen Kostenrahmen skizzieren zu können.

Rund zehn Jahre soll die Umsetzung des Lichtmasterplanes dauern. In dieser Zeit soll ein "schleichender Rückbau der Bestandsleuchten" stattfinden und sukzessive auf LED-Technik umgestellt werden und die Straßenbeleuchtung in zeitlosem Design daherkommen. Wie die neuen Leuchten aussehen, sollen Muster zeigen. Angefangen wird am Paradeplatz. Dessen Leuchtentypus soll die Vorauswahl für die Innenstadt darstellen. Außerdem soll es "Probe-Illuminationen" geben und bei einem "Straßenleuchtfest" die Beleuchtung demonstriert werden. "Es geht nicht nur darum, irgendwo Leuchten hinzubauen", so Oberbürgermeister Kirschstein, sondern "wir wollen als Stadt das Gesamtkonzept zeigen. Das wird uns viele Jahre beschäftigten".

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