Dieser Franke hat die erste Wander- und Reitkarte Deutschlands entwickelt

24.4.2021, 10:56 Uhr
Klaus Gaßner aus Betzenstein hat eine Wanderreitkarte entwickelt, um auf seinen Wanderritten mit Isländer Sörli keine bösen Überraschungen zu erleben.

Klaus Gaßner aus Betzenstein hat eine Wanderreitkarte entwickelt, um auf seinen Wanderritten mit Isländer Sörli keine bösen Überraschungen zu erleben. © Foto: Annika Falk-Claußen

Seit 15 Jahren reitet Klaus Gaßner aus Betzenstein, am liebsten ist er länger und gemütlicher bei mehrtägigen Wanderritten unterwegs. Weil er mit dem Kartenmaterial für seine Touren oft unzufrieden war, hat er vor zwölf Jahren die erste und einzige Wander- und Reitkarte Deutschlands entwickelt: www.wanderreitkarte.de. Über die Jahre hat der Informatiker sein Hobbyprojekt nach und nach professionalisiert.

Topographische Karten werden oft nur alle zehn Jahre aktualisiert und sind deswegen schnell veraltet. Außerdem sind nicht alle Wanderwege für Pferde geeignet, etwa weil sie zu schmal oder lange Abschnitte geteert sind. "Spätestens, wenn man mal vor einer steilen Treppe stand, die man mit Pferd hoch oder runter muss, ärgert man sich", sagt Gaßner, der dann angefangen hat, die Strecken etwa 100 Kilometer um Betzenstein herum zu digitalisieren.

3500 Downloads pro Tag in den Sommermonaten

Seine kostenlose Internetkarte laden sich im Winter rund 1500, im Sommer sogar 3500 Menschen pro Tag herunter. Sie basiert auf dem Datenmaterial des OpenStreetMap-Projekts – eine freie Datenbank, an der sich jeder beteiligen kann.

Auf den ersten Blick gleicht die Karte einer typischen Wanderkarte mit Höhenlinien, schattierten Hügeln und Wandermarkierungen. Sie geht aber darüber hinaus, zeigt die unterschiedlichen Arten von Feldwegen und Pfaden an, ebenso Orientierungshilfen wie Wegkreuze, markante Bäume oder Jägerhochstände.

In den ersten Jahren seines Projekts kamen bei einem Wanderritt pro Tag schnell mal bis zu 80 Notizen zusammen, die im Nachhinein eingetragen werden mussten. "Zum Glück hat meine Frau ein sehr gutes fotografisches Gedächtnis und konnte sich oft besser erinnern, ob an dem und dem Abzweig Schotter oder Teer war", so der 52-Jährige, dessen Frau Sabrina Ostfalk die "Easthawk Ranch" im Ortsteil Hetzendorf betreibt.

Jeder kann sich bei der Reitkarte beteiligen

An dem Projekt kann sich jeder beteiligen und so wuchs es über die Jahre. Es finden sich in der Karte heute mehr als 310 000 Kilometer markierte Wanderwege. Neben Deutschland deckt die Karte mittlerweile Europa von Portugal bis Ungarn und von Norwegen bis Italien ab. Für Wanderreiter gibt es zusätzliche Hinweise, die in handelsüblichen Wanderkarten nicht verzeichnet sind: Wanderreitstationen, pferdefreundliche Gaststätten, Wasserstellen, aber auch potenzielle Hindernisse wie Tore, Schranken, Treppen, Viehgitter und Reitverbote.

Nicht nur Reiter, auch Mountainbiker und Wanderer nutzen die Karte von Klaus Gaßner, der seit zwei Jahren die Funktionsweise seines Projekts in YouTube-Videos erklärt. Er hat auch schon lustige Nachfragen für besondere Reisen erhalten: "Einer hat die Karte genutzt, um mit seinem zahmen Ochsen vom Bodensee zur Ostsee zu laufen", erzählt Gaßner, der auch schon mal eine Feuerwehr beraten hat, die für eine Benefizaktion in voller Montur über die Alpen laufen wollte.

Vom GPS-Gerät lotsen lassen

Die Daten sind mittlerweile auf einem eigenen Server gespeichert, dessen Kosten der Informatiker durch Werbeanzeigen auf der Website finanziert. Seit Herbst 2013 gibt es zusätzlich eine Navigation für Reiter, die den Namen "HoofMarker" trägt und bislang die einzige ihrer Art ist. Gaßner lässt sich immer noch klassisch von seinem GPS-Gerät lotsen. Beim Smartphone sei spätestens am dritten Tag des Wanderritts der Akku leer, das Display sei bei Sonne oder Regen schwer ablesbar.

Als eine Erweiterung wünschten sich die Nutzer in den vergangenen Monaten immer wieder eine Handy-App. Die sei für sein Hobbyprojekt zu aufwendig, zu kostspielig, meint Gaßner. Denn wenn er etwas anfängt, soll es funktionieren – in diesem Fall auf allen gängigen Smartphones: "Die Erwartungshaltung von Internetnutzern ist sehr hoch". Gaßneer kritisiert, dass die Nutzer von Firmen wie Google an den Kostenlos-Modus im Netz gewohnt seien. Seine Karte ist kostenlos, lediglich wer sich das komplette Kartenmaterial (und nicht nur einen Ausschnitt für die nächste Tour) herunterladen will, kann mittlerweile ein Jahresabo für elf Euro abschließen.

Ein Wunsch: Mehr pferdefreundliche Gaststätten

Damit deckt er die Kosten für einen dafür nötigen zusätzlichen Server. Wer eine Papierkarte bevorzugt, kann sich auch Kartenausschnitte in Maßstäben zwischen 1:100 000 und 1:12 500 als Grafik herunterladen und ausdrucken, auf Wunsch gleich mit der eingezeichneten Strecke. Wer mit einem Garmin-GPS unterwegs ist, kann sich die Karte komplett auf das GPS-Gerät laden und dort beliebig zoomen.

Für ihre Heimatregion wünschen sich Klaus Gaßner und seine Frau Sabrina, dass sich mehr pferdefreundliche Gaststätten und Wanderreitstationen finden, diese seien in der Fränkischen Schweiz leider eher rückläufig. Die beiden sind immer wieder mehrere Tage mit ihren Pferden unterwegs, übernachten in Pensionen oder auf anderen Reiterhöfen. "Das Reiten ist mein Ausgleich für die Seele", sagt Gaßner, der mittlerweile mehr im Management arbeitet und es genießt, mit der Wanderreitkarte ein technisches Hobby als Ausgleich zu seinem Job gefunden zu haben.


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