Innovation trifft auf Tradition

Dieses Brauhaus in Franken erlebt eine Wiedergeburt

Matthias Oberth
Matthias Oberth

E-Mail zur Autorenseite

11.4.2022, 17:00 Uhr

"Ist das geil! Ist das nicht geil? Wie geil ist das denn!" Immer wieder schreit es David Hertl in den Raum, der sich zunehmend mit feuchtem Nebel füllt, so dass er und Brauer-Azubi bald kaum mehr zu sehen sind. Für Begeisterung sorgen rund 40 Hektoliter kochend heiße Bierwürze, die sich in das Kühlschiff ergießen. Schnell noch die Schüssel mit den Hopfenpellets gepackt und in die trübe Brühe gekippt: Fertig ist ein weiterer Arbeitsgang bei der Produktion von Bier. Allerdings ein ganz entscheidender.

Kühlschiff ist heute eine Rarität

Denn das Ausschlagen der Würze in ein Kühlschiff ist zur Rarität in Deutschland geworden. "In Franken gibt es vielleicht noch fünf Kühlschiffe, die in Betrieb sind – in ganz Deutschland vielleicht zehn", sprudelt es aus Hertl heraus, der seine Begeisterung darüber, dass eines dieser seltenen Kühlschiffe nun ausschließlich der Produktion seiner Biere dient. Denn David Hertl expandiert. Vor wenigen Wochen hat er die frühere Braustätte der Brauerei Friedel in Schnaid, einem Ortsteil von Hallerndorf im Landkreis Forchheim, übernommen.

An diesem Mittwoch erfüllt ein milder Maracuja-Geruch die Braustätte, nachdem das Kühlschiff gut gefüllt seinen Dienst tut. Tatsächlich entsteht hier ein "Maracuja-Pastry-Sauer-Ale", das Hertl seinem Brauer-Azubi widmet. Das "Maracuja-Felix" soll in vier bis fünf Wochen auf den Markt kommen. Bereits in den Biertanks zwei Stockwerke tiefer lagern "Leisi – Das Rotbier" (gewidmet seinem Cousin Tobias Leisner), das "Brauer-Carsten-Bier" (gewidmet dem ersten Gesellen) und das "Onkel Jim" (ein New England IPA, das James Barnes, dem ältesten Brau-Azubis Deutschlands gewidmet ist, der – wie sollte es anderes sein – bei David Hertl sein Handwerk erlernt).

Internationale Reputation

Der Ruf des "irren Brewmasters" eilt ihm inzwischen in ganz Europa und darüber hinaus voraus. James Barnes hat es aus New York zu ihm verschlagen und an diesem Brautag legt Thomas Clement Furlan aus Brasilien mit Hand an. Der 35-Jährige aus der 1,2 Millionen-Einwohner-Stadt Piracicaba ist begeisterter Hobbybrauer und überlegt jetzt, eine Micro-Brauerei in seinem Heimatland aufzubauen.

Verwandte Themen


1 Kommentar