Samstag, 20.04.2019

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Dritter Versuch: Igensdorfer will Ärmelkanal bezwingen

Peter Hücker scheiterte bereits zwei Mal — „Ich traue mir zu, 30 Stunden nonstop zu schwimmen“ - 13.07.2013

Peter Hücker beim Training: Vor allem an der mentalen Stärke hat er gearbeitet. © Mark Johnston


„Ob er jemals wieder laufen wird?“ Mit 15 Jahren liegt Peter Hücker im Krankenhaus, ein Schien- und Wadenbeinbruch fesselt ihn ans Bett. Die Ärzte sind skeptisch, an Sport ist gar nicht zu denken. „Da habe ich für mich entschieden, mir Ziele für mein Leben zu setzen, Ziele, die ich notfalls auch ohne zu laufen erreichen kann“, erinnert sich der heute 56-Jährige.

Am Krankenbett wird der Traum von der Durchquerung des Ärmelkanals wach – und gerät doch wieder in Vergessenheit: Peter Hücker kommt zwar wieder auf die Beine, mit dem Schwimmen tut er sich aber schwer. In Vergessenheit bleibt der Traum auch noch, als er 2001 mit dem Ausdauersport beginnt und fünf Jahre später seinen ersten Triathlon in Roth absolviert. Der Traum wäre wohl bis heute verborgen, hätte Hücker 2009 einen Startplatz in Roth bekommen.

Bekam er aber nicht. „Da kam der alte Traum wieder hoch“, erzählt Hücker. Im Juni 2009 wagt er den ersten Versuch im Ärmelkanal – und scheitert, 2011 den nächsten – und scheitert erneut. „In Interviews gleich danach habe ich gesagt, das war’s, ich mach’s nicht mehr“, erinnert sich der Igensdorfer. Es dauert über ein Jahr, bis Hücker wieder der Ehrgeiz packt. Heute analysiert er selbstkritisch: „Beim ersten Mal hat es aus körperlichen Gründen nicht geklappt. Beim zweiten Mal war es mein Geist, der versagt hat. Ich hätte damals weiter schwimmen können.“

An der mentalen Einstellung hat Hücker seitdem hart gearbeitet. Bei Apnoetauchern, die sich ohne Sauerstoffgerät minutenlang unter Wasser fortbewegen, ging er in die Lehre. Dreieinhalb Minuten kann Hücker nun seine Luft anhalten, zuvor waren es gerade einmal 40 Sekunden. „Der Kampf gegen den Atemdrang ist kein physischer Kampf, sondern ein psychologischer“, sagt Hücker. Ähnlich verhalte es sich bei der Ärmelkanal-Querung. Auch in körperlicher Hinsicht hat der 56-Jährige eine knallharte Vorbereitung hinter sich. 80 Tage verbrachte er allein in diesem Jahr auf Seminaren und beim Dauerschwimmen. „Jedes zweite Wochenende habe ich im Hafen von Dover trainiert.“ Für sein großes Ziel hat er sein Arbeitspensum als selbstständiger Unternehmensberater reduziert.

Für einen guten Zweck

Peter Hücker schwimmt erneut für einen guten Zweck. Er sammelt unter dem Stichwort „Schwimm und hilf“ Spenden für den Auhof im Landkreis Roth, eine Einrichtung für Behinderte, in der auch Hückers Sohn lebt. Mit dem Geld soll eine Reise zu den Paralympics finanziert werden (Rummelsberger Anstalten, EKK Bank, BLZ 52060410, Konto 202501015).

In wenigen Tagen bricht Hücker nach Südengland auf, will sich dort noch zwei, drei Tage lang entspannen. Nach einer letzten Trainingseinheit schwimmt er los, je nach Witterung zwischen dem 29. Juli und 6. August.

Der Rekord für die schnellste Ärmelkanal-Querung liegt bei 6 Stunden, 55 Minuten, der für die längste bei 28 Stunden und 44 Minuten. „Ich fühle mich bereit“, sagt Peter Hücker. „Ich traue mir zu, 30 Stunden nonstop zu schwimmen“

Peter Hücker berichtet in seinem Internet-Blog http://durchschwimmdenkanal.de/blog/ und im Facebook unter https://www.facebook.com/peter.hucker.92 über seinen Kanalquerungsversuch. 

Manuel Kugler

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