Dienstag, 20.10.2020

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Eggolsheim: Die Kläranlage steht vor dem Kollaps

Bürgermeister Schwarzmann: "Es ist Druck im Kessel" - 26.09.2020 10:00 Uhr

Mehr als 30 Jahre ist die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Eggolsheim-Hallerndorf in Betrieb. Nach einer „Havarie“ im Sommer steht fest: Der Anlage droht der Abwasser-Kollaps. 

© Gemeinde Eggolsheim/Götz


Denn dazu ist die wasserrechtliche Einleitungserlaubnis 2019 ausgelaufen – und im Gegenzug zur Verlängerung bis 2022 ist bis Ende 2020 die Entwurfsplanung einzureichen, in der Kosten über sechs Millionen Euro stehen. 

„Es ist Druck im Kessel“, fasste Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) den Eggolsheimer Gemeinderäte die zahlreichen Handlungsbedarfe zusammen, die sich schon aus dem Ausbau von 15.000 auf 22.000 Einwohnerwerten (EW) ergeben. 

Unerlässlich sei dabei eine im Verband bereits andiskutierte Satzungsänderung, denn: Messungen haben, so Schwarzmann, zweifelsfrei ergeben, dass Eggolsheim im Jahresmittel 8200 EW liefert, Hallerndorf über 12.000 EW. Und dabei käme die Hälfte der stark belasteten Abwässer aus Hallerndorfer Gewerbebetrieben. Das seien bis zu zehn mal höhere Schmutzkonzentrationen wie im häuslichen Abwasser, informierte der Ingenieur Stefan Meschke, der mit Wolfgang Harrer beauftragte Planer. Von den immensen Kosten war 2019 nicht auszugehen, erklärte Schwarzmann der FW-Vorsitzenden Irmgard Heckmann. 

Klar sei nach Auswertung der Betriebstagebücher ab 2018, dass Eggolsheim sein bislang 10.500 EW Einleitungskontingent nicht ausnutze, Hallerndorf hingegen seine 5000 EW um 130 Prozent überziehe. Der aktuellen Satzung nach wäre der Markt an den 6,08 Millionen Euro Investitionskosten mit 60 Prozent, Hallerndorf hätte „nur“ 2,5 Millionen zu schultern. „Das kann nicht akzeptiert werden“, so der Bürgermeister. 

Zu den Ursachen des „Störfalls“ klärte Meschke auf: bei zuletzt Spitzen bis 31.000 EW habe der Eintrag von „Fadenbakterien“ dazu geführt, dass der überalterten Anlage kein Sauerstoff mehr zuzuführen war – so bestätigte es die Schlammanalyse einer Biologin. Mit dem Notfallprogramm sei es gelungen, das Abwasser zu puffern, den Schlamm teilweise abzufahren und innerhalb von zwei Tagen die Belüftungskapazität zu erhöhen. Konsequenz sei die Anwendung von mehr Chemie und damit höhere Kosten. Die Havarie könne aber jederzeit wieder passieren, warnte der Experte.

Wichtig war Kämmerer und AZV-Geschäftsleiter Johannes Götz die Mitteilung, dass auch während der Störung kein über dem Grenzwert belastetes Abwasser in den Main-Donau-Kanal-Vorfluter gelangt sei. Ohne Gegenstimme wurde sodann beschlossen, die Änderung der Satzung, des Umlageschlüssels für Investitionen sowie der Betriebskosten (für die eine verursachergerechter Aufteilungsschlüssel anzuwenden ist) zu beantragen. Neu zu errichten sind für die sechs Millionen Euro vor der Grenze zur Gemeinde Altendorf, Vorreinigung und Vorklärbecken, Schlammfaulung und Nachklärbecken.

Gebührenkalkulation wird beibehalten

Seit 2004 hat die „Dr. Schulte/Röder Kommunalberatung“ die Kalkulation der Abwassergebühren übernommen; aus den Jahren 2018 bis 2020 ergab sich ein 123.000 Euro- Überschuss, der als „Guthaben der Bürger“ in den Zeitraum 2021 bis 2023 übertragen wird. Kalkulatorisch ergäbe sich für die künftige Zeitspanne die Gebühr von 1,27 Euro, der Vorschlag des Veitshöchheimer Instituts war aber, die ab 2018 auf 1,48 Euro angehobene Gebühr beizubehalten, denn daraus würden sich bis Ende 2023 Rücklagen über 315.000 Euro ergeben. Dem schloss sich der Marktrat einstimmig an.

Hochgesteckt ist in der Gemeinde das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad zu begrenzen; wichtig sei es auf kommunaler Ebene zu handeln, führte Bürgermeister Schwarzmann Beispiele wie den Einkauf von ausschließlich Ökostrom seit Jahren oder die Einrichtung des Biomasseheizwerks an. 

Dabei akzeptierte er jedoch nach Einspruch des CSU-Sprechers Hans-Jürgen Dittmann, die Streichung einer Passage (der Rat orientiert sich an den Berichten des „Intergovernmentmental Panel on Mental Cliamate Change“). Dittmann: „Wir wissen nicht, was darin steht, die Verantwortung muss bei uns bleiben“ – und argumentierte eher für ein „apotiktisches“ Vorgehen. Das kam wiederum dem Grünen-Vertreter Martin Distler nicht entgegen. Ergebnis: 20:1 Zustimmung, dass die Gemeinde ihre Geschäfte dem Klimawandel anpassen und dessen Folgen abschwächen soll.

Marquard Och

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