Sonntag, 25.10.2020

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Fährt die Bahn bald bis Streitberg?

Ideen für besseren Anschluss ans Öffentliche Nahverkehrsnetz: Kürzerer Takt, schnellerer Anschluss, Pendlerparkplatz, Projekt zum autonomen Fahren. - 16.10.2020 16:21 Uhr

Bisher fährt die Bahn der Verkehrsgesellschaft agilis nur im Stundentakt bis nach Ebermannstadt. Soll die Zugverbindung attraktiver werden, dann muss der Zug alle halbe Stunde verkehren und am besten noch weiter bis ins Wiesenttal hinein fahren – am besten bis nach Streitberg, denn dort ist der Bahnhof leicht erreichbar. Außerdem wäre hier genug Fläche, um einen Pendlerparkplatz anzulegen.

© Foto: Roland G. Huber


Meyer ist auch Vorsitzende des Vereins "Integrierte Ländliche Entwicklung Fränkische Schweiz aktiv" (ILE), in dem sich zwölf Kommunen, die meisten aus dem Wiesenttal, zusammengeschlossen haben, um gemeinsam dieses Gebiet zu stärken. Zusammen mit den Bürgermeistern habe man sich schon mehrfach mit dem Thema Mobilität beschäftigt und Ideen gesammelt, so Meyer.

Fakt sei, dass es bisher nur Ideen für die großen Städte gebe, ein Konzept für die Fläche aber fehle. Doch gerade die Bewohner des Hinterlandes kämpften besonders mit schlechten Verbindungen in die Metrolpolregion. Will zum Beispiel ein Jugendlicher aus Ebermannstadt eine weiterführende Schule in Bamberg besuchen, muss er sehr früh aufstehen und ist lange Zeit unterwegs. Oder etwa: Wie kommen Auszubildende aus Wannbach oder Morschreuth nach Forchheim? Könnten die Eltern nicht fahren, sei das für die Betroffenen oft gar nicht zu managen. Auch die jetzt in Eggolsheim angesiedelte Fachoberschule (FOS) habe die Stadt Ebermannstadt nur wegen der schlechten Anbindung verloren, nennt Bürgermeisterin Meyer ein weiteres Beispiel.

 


Kommentar: Endlich mehr Züge für die Fränkischen Schweiz 


 

Statt zu warten, bis die benachbarten Städte Lösungen gefunden und realisiert haben, müsse man eher fragen: "Was können wir tun?" Ein wichtiger Ansatz sei die Bahn: "Sie ist die Lebensachse in der Fränkischen Schweiz, die besser genutzt werden muss. Von dort aus müssen wir neu denken", schlägt Meyer vor. Doch bisher gebe es von Forchheim bis Ebermannstadt nur einen Stunden-Takt – und den nicht einmal durchgehend. Zudem müsse man in Forchheim oft zu lange auf Anschlusszüge warten. Das führe dazu, dass viele Menschen statt mit dem Zug, lieber mit dem Auto fahren.

20-Minuten-Takt

In Gesprächen mit den ILE-Bürgermeistern und auch mit Axel Henninghausen, dem technischen Geschäftsleiter der Verkehrsgesellschaft agilis, die die Bahnstrecke ins Wiesenttal bedient, wurden bereits erste Ansätze entwickelt. Ab 2024 wird die Deutsche Bahn ab Forchheim in die Richtungen Bamberg und Nürnberg einen 20-Minuten-Takt anbieten, so Meyer. Bis dahin müsse auch der Takt in Richtung Ebermannstadt erhöht werden: "Wir brauchen bis spätestens 2024 einen Halbstundentakt, damit man in Forchheim höchstens noch fünf bis zehn Minuten auf den Anschlusszug warten muss." Dazu sei zwar ein Ausweichgleis nötig, aber das sei mit einem überschaubaren Aufwand zu realisieren. Ein weiterer Schritt wäre dann, die Geschwindigkeit der Züge zu erhöhen.

Weil Ebermannstadt verkehrstechnisch ein Nadelöhr ist, wäre es attraktiv, so Meyer, die Züge auf der bestehenden Bahnstrecke weiter ins Wiesenttal hinein fahren zu lassen – "natürlich in Abstimmung mit der Dampfbahn", wie die ILE-Vorsitzende betont. Zum Beispiel bis Streitberg, dort wäre genug Platz für einen Pendlerparkplatz: "Dann müssten wir nur noch schauen, wie wir die Bewohner des Hinterlandes bis nach Streitberg bringen." Auch dafür sollte aber eine offizielle Lösung gefunden und die Anbindung in abgelegenere Dörfer nicht – wie zurzeit oft üblich – ehrenamtlich gelenkten Bussen oder privaten Autofahrern überlassen werden, findet Christiane Meyer.

Wunderbare Teststrecke

Um diese Überlegungen voranzutreiben, hat die ILE-Vorsitzende eine weitere Idee: "Wir könnten uns als Modellregion für autonomes Fahren bewerben." Die Bahnstrecke Forchheim-Ebermannstadt sei eine klassische Nebenstrecke, auf der man das wunderbar ausprobieren könnte. Und quasi nebenbei könnte man weitere Probleme wie die Anbindung der Ortsteile gleich mit lösen.

Natürlich werde sich das Projekt über Jahre hinziehen, doch irgendwo müsse man mal anfangen, meint die Rathauschefin. "Wir wollen, dass sich endlich etwas ändert", sagt Meyer im Namen der Bürgermeister der zwölf ILE-Kommunen. "Dafür werden wir uns auch beim Landkreis Forchheim einsetzen."

 

 

MARIA DÄUMLER

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