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Fehlende Corona-Hilfen: Brauereigaststätten schlagen Alarm

Manch einer hat schon Geld aus der Rente geopfert, um zahlungsfähig zu bleiben - 05.02.2021 05:57 Uhr

Ein Symbolbild aus Vor-Corona-Zeiten: Ein Paar prostet sich beim Mittagessen in einer Brauereigaststätte in der Fränkischen Schweiz zu. Wird es die gastliche Stätte nach Corona noch geben?

04.02.2021 © Foto: Tourismuszentrale/Florian Trykowski


Seit Monaten wird darüber diskutiert, dass die Brauereigasthöfe keine oder kaum Überbrückungshilfen bekommen. Heimische Politiker/innen versuchen, in Berlin auf die Problematik aufmerksam zu machen. Denn für viele Betriebe heißt es "kurz nach 12", wie Mike Schmitt vom Nikl-Bräu aus Pretzfeld sagt.

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Wer eine Bäckerei mit Café oder eine Metzgerei mit Imbiss betreibt, bekommt den coronabedingten fehlenden Umsatz aus dem Gastronomie-Bereich erstattet. Das gilt für Brauereien mit Gasthof nicht. Diese Ungleichbehandlung ist es, was Brauer und Politiker aus der Region ärgert. Lisa Badum, Forchheimer Bundestagsabgeordnete der Grünen, hat ein Pressegespräch mit Brauern und dem Verbandschef privater Brauereien organisiert. Anfang Januar hatte die Bundesregierung nachjustiert (wir berichteten), hat den Flaschenbierverkauf zum Gastro-Umsatz dazugerechnet. Immer noch müssen mindestens 80 Prozent des Umsatzes mit der Gaststätte erreicht werden,damit die Mischbetriebe Unterstützung bekommen.

"Wissen nicht, wie wir weitermachen sollen"

Mike Schmitt glaubt nicht mehr daran, dass seine Kollegen und er Geld bekommen: "Wir wissen nicht, wie wir weitermachen sollen", sagt der Brauer, der rund 30 Prozent seines Umsatzes mit Flaschenbier und 70 Prozent mit Gastronomie und Events macht. Außer dem Flaschenbierverkauf habe er seit Monaten keine Einnahmen: "Wir müssen im April spätestens aufmachen, damit wir eine Chance haben, unsere normalen Kosten zu decken." Schmitt hat in diesem Jahr den Pretzfelder Keller übernommen. Die Ablöse und einige Erneuerungen bedeuten zusätzliche Investitionen.

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 1

© Montage: Sabine Schmid

Sie sind ein Freund der fränkischen Bierkultur? Und schätzen die regionalen Privatbrauereien? Wunderbar. Aber erkennen Sie die Brauerei auch am Kronkorken? Testen Sie Ihr Wissen bei unserem Quiz!

© Achim Bergmann

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Frage 1/10:

Silberner Brauerstern auf Hellblau. Wer ist's?

Die Brauerei Wagner aus Merkendorf, erstmals erwähnt 1797. Rund um Bamberg wird das Wagner sehr geschätzt, besonders das ungespundete Lager und das naturtrübe Kellerbier.

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Frage 2/10:

Diese Kirchtürme deckeln welches Bier?

Brauerei Trunk aus Vierzehnheiligen/Bad Staffelstein, der gute Stoff wird auch Nothelfer genannt. Nothelfer? Die Erklärung ist einleuchtend: Seit 1803 wird das Bier oberhalb der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen gebraut. Und wenn die erschöpften Pilger seit jeher oberhalb des Gotteshauses aus dem nahen Wald kommen, stärken sich nicht wenige erst mal mit einem kühlen Bier, bevor sie dann die Kirche betreten.

© Achim Bergmann

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Frage 3/10:

Nicht verkehrt, mit Schild und Schwert.

Seit über 300 Jahren in Familienbesitz zählt Held aus Oberailsfeld schon zu den bekannteren Privatbrauereien in der Region. Besonders das Helle ist beliebt. Seit 1680 wird hier schon gebraut.

© Achim Bergmann

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Frage 4/10:

Hier springt der Hirsch - auf welche Brauerei?

1845 übernahm der Müllerssohn Johannes Kraus das damalige "Wirtschaftsguth" in Hirschaid - und seither ist die Brauereigaststätte ohne Unterbrechung im Besitz der Familie.

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Frage 5/10:

Ein grüner Baum, wo steht der?

"Zum Grünen Baum" heißt der Brauereigasthof der Familie Bayer aus Theinheim im Steigerwald. Gefeiert wird hier oft, unlängst erst ein runder Geburtstag: Seit 1718 wird hier schon gebraut.

© Achim Bergmann

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Frage 6/10:

Ein bunter Vogel - auf welchem Bier sitzt er?

"Zum Pfau!", heißt es öfter, wenn es nach Frauendorf geht. Seit 1867 ist die Familie Hetzel Herr über die dort ansässige Brauerei.

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Frage 7/10:

Der Zwerg vom Berg, wo braut er sein Bier?

Der markante Zwerg stammt von der Staffelberg-Bräu aus Loffeld. In der sechsten Generation, seit 1856, führt die Familie Geldner-Wehrfritz dort die Brauerei. Zehn Jahre später, 1866, ließ Jakob Geldner ein eigenes Brauhaus folgen, nochmals zehn Jahre später dann eine eigene Faßhalle.

© Achim Bergmann

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Frage 8/10:

Raubtier mit Schild und Krone. Wer ist's?

In Untersiemau/Birkach wird seit 1822 das "Eller" gebraut. Als beliebtestes gilt das Rotbier, Christian Eller braut aber auch ein süffiges Pils.

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Frage 9/10:

Schwarzer Adler, wer hat sich den gekrallt?

Adler-Bräu aus Stettfeld ist inmitten der unterfränkischen Haßberge daheim - und das schon seit 1730. Bräustübla, Biergarten, Sudhaus und sogar einen "Bärentrunk" gibt's hier.

© Achim Bergmann

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Frage 10/10:

Weißer Löwe - wo kommt der her?

Hier sind Wirths-Leute am Werk! Die nun schon 9. und 10. Generation der Familie Wirth führt das Löwenbräu. Natürlich nicht zu verwechseln mit dem Münchner! "Unser" Löwenbräu stammt aus Neuhaus im Aischgrund und das schon seit 1747. Im Sortiment gibt es hier mehrere Löwen und sogar eine "Karpfen Weisse".

© Montage: Sabine Schmid

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Dann hier entlang!

Große Investitionen hat auch Familie Wirth vom Löwenbräu aus Adelsdorf getätigt. Vor wenigen Jahren wurde für 1,5 Millionen ein Felsenkeller mit 600 Sitzplätzen umgebaut, erzählt Seniorchef Benno Wirth. Dazu kamen immer wieder Erneuerungen in Gastro, Hotel und Brauerei: "Wir haben ständig investiert und einen riesigen Schuldenberg hinter uns; bisher konnten wir die Verbindlichkeiten immer tilgen", so Wirth, dessen Familienbetrieb seit 1747 besteht.

Tropfen auf den heißen Stein

Seine Eltern hätten noch zusätzlich Landwirtschaft betrieben, selbst gemälzt und Fässer hergestellt. Ab den 1960er Jahren habe man sich mehr und mehr auf die Gastronomie konzentriert. Die Brauerei macht 23 Prozent des Umsatzes aus. Hier habe er vier Angestellte, während er in Gastro und Hotel im Sommer bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Kurzarbeitergeld für Dezember ist Ende Januar gekommen. Für November und Dezember habe er jeweils rund 9000 Euro an Überbrückungshilfen erhalten: "Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Wirths Betrieb sind alleine im Januar mehr als 500 Übernachtungsgäste weggefallen.

Geld aus Rente eingebracht, um zahlungsfähig zu bleiben

Er hat Geld aus seiner Rentenversorgung ins Geschäft eingebracht, um zahlungsfähig zu bleiben. Benno Wirth wünscht sich, dass die elfte Generation, die in den Startlöchern steht, irgendwann in den Betrieb einsteigen kann: "Wir haben das in den Genen, so einen Betrieb über Jahrhunderte aufrechtzuerhalten. Das ist nicht nur ein Beruf, das ist unser Leben."

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 2

© Montage: Sabine Schmid

Erkennen Sie fränkische Landbiere am Wappen? Machen Sie den Test!

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Frage 1/10:

Hier sitzt es sich gut. Ein Prost auf welche Brauerei?

Die Brauerei Schleicher ist in der Gemeinde Itzgrund daheim, eingebettet in eine Hügellandschaft, links und rechts des Flüsschens Itz, zwischen Bamberg und Coburg. 1880 von Andreas Schleicher gegründet, hat sich die Brauerei in den vergangenen Jahren auch einen Namen für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung gemacht und ist inzwischen Forschungsstelle für Malz und innovative Getränke. So gibt es beispielsweise auch ein glutenfreies Demeter-Bier im Sortiment, das Schleicher "Natural". Aber warum ein Storchen-Pils? Ganz einfach: Seit vielen Jahren lebt und nistet auf dem Dach der Brauerei ein Storchenpaar, das inzwischen weit über Itzgrund bekannt ist.

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Frage 2/10:

Ritter mit Flügeln: Wer braut denn den?

Die Brauerei Gradl befindet sich in Leups, nördlich von Pegnitz, im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Seit 1683 im Familienbesitz, wird hier vor allem das eher dunkle Leupser Bier nach altem Rezept gebraut. Ein Pils gibt es auch, im Mai und zu Weihnachten wird auch ein kräftiger Bock ausgeschenkt.

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Frage 3/10:

Tierisch gut: Wer steckt hinter diesem Verschluss?

Exakt im Jahr 1900 begannen Josef und Maria Reh in Lohndorf, im Ellertal östlich von Bamberg, eine Metzgerei und einen Flaschenbierhandel zu führen. Ein Jahr später bauten sie schon ein Brauhaus, das Bier lagerten sie in einem nahen Felsenkeller am Waldrand. Gut 120 Jahre später wird hier in der vierten Generation erfolgreich gebraut, mit Bergquellwasser aus dem Ellertal.

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Frage 4/10:

Ein Hauch von Afrika: Wer kennt's?

Keller, Lager, Vollbier, Pils: Die Buttenheimer Löwenbräu ist ein Familienunternehmen, das seit 1880 von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

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Frage 5/10:

Ein stolzes Wappen! Wer braut hier seit 1467?

In Zentbechhofen (Höchstadt) wird seit über 550 Jahren gebraut. Vollbier, Landbier, Kellerbier, Hell und Hefeweizen hat Braumeister Timo Baier im Angebot.

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Frage 6/10:

Was sprudelt vor dieser Wehrmauer?

Ein Bier aus Altmühlfranken: Die Brauerei Ritter St. Georg ist in Nennslingen daheim, wenige Kilometer östlich von Weißenburg. Hopfen und Malz stammen aus der Region, das Wasser aus den Tiefen des Jura und der Fränkischen Alb. 1654 gründete der Bierbrauer Georg Engelhardt die Brauerei, 1778 kaufte sie ein Johann Daniel Gloßner, seitdem ist sie im Familienbesitz der Gloßners.

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Frage 7/10:

Seit 1678 an der Quelle: Wer ist's?

Oberlaleida-Obaladara! Eine Brauerei und eine Schankwirtschaft gibt es seit 1687 im Oberleinleitertal bei Heiligenstadt. Die Familie Ott übernahm 1822 das Anwesen Oberleinleiter Nr. 6, und schenkt dort unter anderem auch das süffige "Obaladara" aus. Bergquellwasser, Malzschrot, Hopfen und eine ganz leichte Karamelnote - das passt!

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Frage 8/10:

Hopfen, Malz und Brauwerkzeug: Wer ist's?

Nicht nur Wanderfreunde in der Fränkischen schätzen das "Hetzelsdorfer": Im Gasthaus Penning-Zeißler gegenüber der St. Matthäus-Kirche kehrt man meist länger ein als nur für eine Verschnaufpause. Das liegt auch am süffigen, dunkel-würzigen Bier, das hier in der Privatbrauerei Penning-Zeißler gebraut wird.

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Frage 9/10:

Ein Bier mit Aussicht: Welches ist's?

Die 1872 gegründete Privatbrauerei Schübel liegt im Herzen von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, südlich der auf dem Verschluss abgebildeten Burgruine Nordeck. In der inzwischen schon fünften Generation wird das Familienunternehmen von Jürgen Münch und Andrea Schübel-Münch geleitet. Insbesondere das "A fränkisch" und das "Drachenseidla" sind auch im Raum Nürnberg keine Unbekannten mehr. Letzteres, ein unfiltriertes Kellerbier, wurde ursprünglich für den Georgimarkt in Presseck gebraut, wenn die Gemeinde im Zeichen des Drachen feiert.

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Frage 10/10:

Zwei gekrönte Löwen - und welche Brauerei?

Im wunderschönen Ahorntal, am Tor der Fränkischen Schweiz zu Bayreuth, begann im Jahr 1866 der Landwirt Bernhard Stöckel mit dem Bierbrauen - und das mit anhaltendem Erfolg. Die Stöckels integrierten über Jahrzehnte die Brauerei mit viel Erfindergeist in den Bauernhof in Hintergereuth, der heutige Brauereichef Georg Stöckel schenkt vor allem Pils, Helles Lager, Landbier und Premium Weisse aus.

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Lust auf Brauerei-Quiz, Runde 1?

Dann hier entlang!

Zwar sei der Umsatz im Handel in den vergangenen Monaten gestiegen, aber eine Brauerei verdiene pro Kasten maximal einen Euro, sagt Christine Püttner vom Püttner Bräu aus der Oberpfalz. Ihre Brauerei habe in viele neue Kästen und Flaschen investiert, um den Handel bedienen zu können. Fünf Euro pro Kasten sowie 16 Cent pro Flasche – da dauert es lange, bis Gewinn erwirtschaftet wird. Matthias Trum vom Schlenkerla aus Bamberg appellierte an die Politiker in Berlin, die sich die fränkische Brauereitradition wohl nicht vorstellen könnten: "Ein Brauereigasthof bei uns ist ein verlängertes Wohnzimmer, ein Treffpunkt." Würden die Gaststätten schließen, werde der Gemeinschaftssinn in den Dörfern leiden.


Franken ist die Heimat des Bieres. Kein Wunder, denn die Region wartet mit der höchsten Brauereidichte Europas auf. Rund 300 Brauereien in Mittel-, Ober- und Unterfranken schaffen eine einzigartige Biervielfalt.

Alle Neuigkeiten und Wissenswertes zum fränkischen Bier finden Sie auch in der Facebook-Gruppe Wir lieben Bier aus Franken. In unserem Brauerei-Guide können Sie herausfinden, wer Ihre Lieblings-Biersorte ausschenkt.

Politische Lösung in Berlin gesucht

Lisa Badum: "Ich kann mir unsere Gesellschaft, ohne dass man auf den Keller oder zur Kerwa gehen kann, nicht vorstellen." Deshalb wolle sie nicht hinnehmen, dass das Weltkulturerbe Brauereikultur den Bach hinuntergeht: "40 Prozent der deutschen Brauereien sind in Bayern, aber es ist ein bundesweites Thema und betrifft auch Winzereien und andere", so Badum.

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Sie versuche, politisch eine Lösung in Berlin zu erreichen – und sich anderenfalls an die bayerische Staatsregierung zu wenden. Unterstützung erhält sie von Stefan Stang, dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes privater Brauereien. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Man versuche jetzt, dass Brauereien als lebensmittelproduzierende Betriebe eingestuft werden. Man müsse raus aus der Mischbetriebsregelung, die zu kompliziert, zu bürokratisch sei.

163 Brauereien gibt es in Oberfranken. Bislang habe man noch keinen Betrieb verloren, aber "die Luft wird dünner". Deshalb fordert der Verband privater Brauereien eine baldige Perspektive für die Wiederöffnung der Gastronomie.

ANNIKA FALK-CLAUSSEN E-Mail

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