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Filmdreh bei Kersbach verlangte Team viel ab

Forchheimer Videoproduzent Kari Hennig drehte Film „Die Grube“ - 23.02.2016 06:00 Uhr

Gespannt schaut Regisseur Kari Hennig auf den kleinen Bildschirm, der direkt mit der Kamera von Kamerafrau Anja Funk verbunden ist und die gerade gedrehte Szene zeigt. © Foto: Ralf Rödel


Ein trister Sonntag im Februar. Der Sturm pfeift durch die Bäume, die die Lichtung zwischen Kersbach und Effeltrich begrenzen. Am Waldrand liegt ein Junge auf dem Bauch, das Gesicht auf dem Boden. Braune Hose, eine graue Jacke, die viel zu dünn ist für die Wetterverhältnisse. Im Futter ein Loch, Blut sickert heraus. Ein junger Mann kommt näher. In der einen Hand die Leine seines Schäferhundes, in der anderen eine Schrotflinte. Mit dem Gewehrlauf drückt er gegen die Beine des Jungen. Der Hund schnüffelt an ihm. Kein Lebenszeichen.

Der Film „Die Grube“ erzählt die Geschichte zweier Brüder, die im Zweiten Weltkrieg auf „Judenjagd“ gehen (wir berichteten). Nachdem der Ältere einen jüdischen Jungen erschossen hat, schickt er seinen jüngeren Bruder in eine Grube. Dorthin hat sich aber auch ein zweiter jüdischer Junge geflüchtet.

„Danke, das war’s. Wir machen eine viertel Stunde Pause“, ruft Kari Hennig seinem Team zu. „In seinem Film geht es um Zwang, Unterdrückung und Menschenwürde“, erklärt der Regisseur und Drehbuchautor. Genau das soll die Kamera auch nonverbal einfangen. „Wir gehen deshalb ganz nah ran“, sagt er.

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Intensive Momente: Dreharbeiten zum Kurzfilm "Die Grube"

Zwei Tage lang hat der Forchheimer Videoproduzent und Kameramann Kari Hennig in einem Waldstück zwischen Kersbach und Effeltrich für seinen Kurzfilm "Die Grube" gedreht. Der Film spielt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Großes Thema ist Gewalt und Toleranz - etwas das besonders in der heutigen Zeit sehr aktuell sei, sagt Kari Hennig.


Herausfordernd ist das auch für die Schauspieler — allesamt Nachwuchskräfte, die ehrenamtlich mitwirken. „Als ich meinen Bruder zur Grube vorschicke und ihm klar mache, dass er jetzt mitziehen muss, das war schon ein sehr intensiver Moment“, sagt Kris Michaelsen. Der 25-Jährige stammt aus Wolfsburg und besucht in Berlin eine Schauspielschule. Als er im Internet von Hennigs Projekt gelesen hatte, habe er sich sofort beworben. „Ich fand die Idee toll.“ Den fertigen Film will er als Arbeitsprobe bei künftigen Bewerbungen mitschicken.

Bis dahin liegt allerdings noch viel Arbeit vor dem Team: In den kommenden Wochen will Kari Hennig das Material schneiden. Dann werden alle Schauspieler noch einmal eingeladen, um die Szenen nachzuvertonen. Eine Filmmusik fehlt auch noch. Im Juni soll die Premiere gefeiert werden.

  

JANA SCHNEEBERG

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