Forchheim: So geht ein Pflegeheim mit Covid-Todesfällen um

25.11.2020, 18:11 Uhr
Eines der von den neuen Covid-Todesfällen betroffenen Häuser ist das Forchheimer Charleston Pflegezentrum "Jahnpark" in der Henri-Dunant-Straße. 

© Edgar Pfrogner Eines der von den neuen Covid-Todesfällen betroffenen Häuser ist das Forchheimer Charleston Pflegezentrum "Jahnpark" in der Henri-Dunant-Straße. 

Eines der davon betroffenen Häuser ist das Seniorenwohn- und Pflegezentrum „Jahnpark“ in der Forchheimer Henri-Dunant-Straße. Hier starben im Pflegeheim in der letzten Woche drei Bewohner im Zuge von Covid-19, und in dieser Woche ein weiterer, der am Klinikum Erlangen seiner Erkrankung erlag. 

Das Zentrum unter Trägerschaft der BayernStift GmbH gehört zu den sogenannten Charleston Wohn- und Pflegezentren, die in ganz Deutschland Einrichtungen für Betreutes Wohnen und auch (voll-)stationäre Betreuung anbieten. Im Forchheimer Wohnpark leben momentan 43 Menschen im Bereich der stationären Pflege.

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Wie geht man bei der Einrichtung mit den jüngsten Corona-Todesfällen um? „Alle Mitarbeiter im Jahnpark sind in jedem Fall, unabhängig von der Todesursache, sehr sensibel mit dem Gestalten der Sterbephase und dem Abschiednehmen eines Mitbewohners“, sagt Jens Büker, Sprecher der Charleston Holding. „Ziel ist es, eine für den Betroffenen würdevolle Situation zu gestalten und die Wünsche und die Bedürfnisse des Einzelnen zu respektieren.“ 

Das ist in Corona-Zeiten nochmal schwieriger geworden. „Selbstverständlich“, so Büker, „stellt uns diese Pandemie auch im Bereich der palliativen Pflege vor große Herausforderungen, die wir gemeinsam als Team bewältigen“.

18 Infektionsfälle

Aktuell sind 13 Bewohner des Pflegeheims infiziert, zwei davon werden im Krankenhaus medizinisch versorgt. Hinzu kommen fünf infizierte Mitarbeiter des Betreuungspersonals. Gerät die Einrichtung dadurch an ihre Belastungsgrenzen? Nein, sagt Büker, „es sind genügend personelle Ressourcen vorhanden“. 

Auch im Bereich der persönlichen Schutzausrichtung seien keine Engpässe zu erwarten. „Die Situation ist natürlich für alle belastend, aber es wird vom Pflegepersonal professionell mit der Situation umgegangen.“
Die Mitarbeiter werden dabei auch durch die Einrichtungsleitung, die Pflegedienstleitung und durch eine Task Force aus verschiedenen Bereichen des Trägers und des Gesundheitsamtes unterstützt. „Ich möchte hiermit auch das persönliche Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters hervorheben und mich hiermit bei allen bedanken“, betont Büker.

Klar ist: Der Umgang mit der Pandemie und die Vorgaben zu ihrer Eindämmung hat den Alltag in Pflegeeinrichtungen wie dem Jahnpark radikal verändert. Insbesondere, wenn Infektionen auftreten. Büker erklärt: „Es sind weitreichende Schutzvorkehrungen bei infizierten Bewohnern zu treffen.“ Das bedeutet: Die Bewohner müssen vom Personal in kompletter Schutzkleidung (Brille, Haube, Füßlinge, zertifizierten Schutzanzug und Nitrilhandschuhen) versorgt werden. „Auch ist hier ein regelmäßiges Lüften und desinfizieren des Zimmers notwendig.“ 

Hinzu kommen Regeln wie: keine Vermischung des Personals unter den Wohnbereichen, die tägliche Symptomerfassung vor Dienstbeginn bei Mitarbeitern und die sogenannte Eingangs-Symptomkontrolle aller Besucher beziehungsweise zutrittsberechtigter Personen.
Im Jahnpark wurden die infizierten Bewohner isoliert von den anderen Bewohnern untergebracht. Zweimal täglich werden Symptome erhoben und bei jeder Versorgung der Gesundheitszustand erfragt, um schnellstmöglich auf Veränderungen reagieren und mit dem Hausarzt abstimmen zu können.

Aber wie beziehungsweise ab wann wird entschieden, ob ein an Covid-19 erkrankter Bewohner in der Einrichtung bleibt – oder in ein Klinikum eingeliefert werden muss? „Bei einem positiven Testergebnis werden, wenn möglich, schon zu Beginn der Erkrankung die Wünsche des Bewohners erfragt“, erläutert Büker. Die Therapie, auch eine Krankenhauseinweisung, ist dann abhängig vom Verlauf der Erkrankung – „und sie wird gemeinsam mit dem Bewohner, seinem gesetzlichen Vertreter, dem behandelnden Arzt und dem Pflegeteam situativ und individuell besprochen“.

PHILIPP ROTHENBACHER

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