Forchheimer Firmen stellen Produktion auf Schutzkleidung um

1.4.2020, 17:24 Uhr

Die Firma Gero aus Forchheim produziert ein Gesichtsvisier aus Plastik. © Foto: Ralf Rödel

Das Forchheimer Unternehmen Gero GmbH ist spezialisiert auf Verpackungen, Marken- und Produktpräsentation. Eine Branche, die unter der aktuellen Coronapandemie leidet. Wie viele andere Unternehmen musste auch Gero über Kurzarbeit nachdenken. Die Firma hat jedoch einen Weg gefunden, ihr Können in der aktuellen Krise einzusetzen.

Angefangen habe alles, als eine Krankenschwester vor ein paar Wochen im Geschäft von den aktuellen Problemen in einem Krankenhaus berichtete. Es würden neben Atemmasken auch ein Schutz für Gesicht und Augen fehlen. 

Visier bedeckt das komplette Gesicht

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"Sie hat uns gefragt, ob wir nicht etwas in diese Richtung herstellen könnten", erzählt Firmenchef Klaus Hermann. "Wir haben bei mehreren Ärzten angefragt und mit ihnen zusammen ein Schutzvisier für die direkte Begegnung von Menschen entwickelt." Das Visier soll einer Infektion mit dem Virus durch Tröpfchen, wie sie beim Husten und Niesen entstehen, entgegenwirken.

Das Visier besteht aus Hart PVC und bedeckt das komplette Gesicht vom Haaransatz abwärts und kann nach einem Gebrauch desinfiziert werden. Im Moment arbeite man mit Hochdruck an einer Zulassung und stehe in engem Kontakt mit Thorsten Glauber, der dem Unternehmen als Bayerischer Umweltminister seine Hilfe angeboten habe. Trotz Eilverfahren könne eine Zulassung aber einige Tage dauern. "Wir haben letzte Woche Montag angefangen, das Visier zu entwickeln und unseren Maschinenpark anschließend entsprechend umgerüstet. Das klingt erst einmal komplizierter als es ist ", sagt Hermann. "Unsere Arbeit besteht ja daraus, verschiedene Materialien zuzuschneiden."

Erst die Gesundheitsbranche, dann die gesamte Bevölkerung

Die ersten Bestellungen von Kunden - zu ihnen zählen Krankenhäuser wie das Forchheimer Klinikum, und Arztpraxen - liegen bereits vor, so Hermann. Zwischen 50 und mehreren tausend Visieren sind geordert. Aktuell beliefere man bei Gero nur Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit und Pflege. Wenn der Bedarf dort gedeckt sei, könne man auch weitere Kunden beliefern. Über Kurzarbeit müsse sich das Unternehmen im Moment jedenfalls keine Gedanken mehr machen.

Das Werksgelände der „Buntweberei Weber & Ott“ wuchs zum Ende des 19. Jahrhunderts unaufhörlich. Es gab sogar separate Schienen bis zur Spinnerei. © Repro: Aus dem Archiv von Harald Schmidt

Freigewordene Kapazitäten in Folge der Corona-Pandemie nutzt auch die Weber & Ott Group in Forchheim und stellt ihre Produktion auf dringend benötigte Mund-Nasen-Masken um, wie das Unternehmen mitteilt. Doch nicht nur der Forchheimer Standort, an dem sich eine Näherei befindet, beteilige sich daran. Die größte Herausforderungen sei, das notwendige Material zu beschaffen.

Masken aus kochfester Baumwolle

"Die erste Produktion von 2000 Stück soll aus Masken aus kochfester Baumwolle bestehen, die wir aus den eigenen Lagern bedienen können", teilt die Firma mit. Eine Anfrage des Klinikums Forchheim nach Masken im Pflegebereich werde geprüft. "Dazu wird das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bereit gestellte Material verarbeitet, das zunächst für 5000 Stück ausreichen soll", heißt es.

Die Weber & Ott Group habe dem Landratsamt einen Prototypen vorgelegt und habe am Mittwoch grünes Licht zum Produktionsstart bekommen. Die Herstellung weiterer Masken sei geplant, hierfür würden Produktionsstätten innerhalb Europas unternehmensweit umgestellt.

Die ersten Masken sollen Ende dieser Woche verteilt werden, zunächst an die eigenen Mitarbeiter und deren Familien. Darüber hinaus will die Firma Anfragen der Stadt Forchheim und der IHK Bamberg bedienen, sowie regionale Einrichtungen wie Apotheken oder Supermärkte bedenken.