Gegenwind für den Windpark in Eggolsheim zu stark?

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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15.4.2021, 10:14 Uhr
Windräder bei Oberngrub (Gemeinde Heiligenstadt): Einen solchen Anblick lehnen große Teile der Bevölkerung aus Tiefenstürmig, Götzendorf, Drügendorf, Drosendorf und Weigelshofen ab. Ein Stimmungsbild, das den Eggolsheimer Bürgermeister überrascht.

Windräder bei Oberngrub (Gemeinde Heiligenstadt): Einen solchen Anblick lehnen große Teile der Bevölkerung aus Tiefenstürmig, Götzendorf, Drügendorf, Drosendorf und Weigelshofen ab. Ein Stimmungsbild, das den Eggolsheimer Bürgermeister überrascht. © Archivbild: Roland Huber

Seine Enttäuschung möchte Bürgermeister Claus Schwarmann vom Bürgerbund (BB) nicht verhehlen: "Ja, ich hätte mir das etwas anders gewünscht." Es sei für ihn, "kein Zeichen des Angriffs auf die Landschaft, sondern ein Zeichen, die Möglichkeit zu nutzen, um innovativ zu sein". Worum es geht? Eine neue Windkraftanlage auf Eggolsheimer Gemeindegebiet.

Pläne dafür existieren schon lange

Die Pläne dafür existieren schon lange und lange lagen sie in der Schublade – bevor das Projekt in den letzten Wochen wieder, insbesondere durch Schwarzmann selbst, auf die Agenda kam (wir berichteten). Auch im Wahlprogramm des Bürgerbundes ist es verankert: Mit nur vier bis fünf Windrädern oberhalb von Tiefenstürmig wäre es möglich, die Gemeinde und Teile des Landkreises CO2-neutral mit Strom zu versorgen und so lokal einen Beitrag zur umweltfreundlichen Stromversorgung zu leisten, heißt es in einer aktuellen BB-Mitteilung.

Allerdings hält diese Mitteilung auch einen großen Rückschlag für die Verfechter des Windparks bereit: Die Planungen sind erst mal wieder auf Eis gelegt.

Seit das Thema konkret diskutiert wird, hätten Gemeinderäte und Ortssprecher zahlreiche Gespräche geführt, um ein Stimmungsbild zu erfragen – kein leichtes Unterfangen und eher eine Notlösung, weil, wie Schwarzmann erklärt, "in Corona-Zeiten ja keine Bürgerversammlungen stattfinden können".

Ablehnende Haltung im Oberland zur Kenntnis genommen

Besonders beachtet worden seien dabei die Stimmen aus Tiefenstürmig, Götzendorf, Drügendorf, Drosendorf und Weigelshofen, also jenen Orten, die von den Windrädern am meisten betroffen wären. Das Ergebnis: In großer Mehrheit habe man eine ablehnende Haltung im Oberland zur Kenntnis genommen. "Zwar könnten inhaltliche Bedenken in künftigen Versammlungen diskutiert und möglicherweise ausgeräumt werden, die prinzipielle Ablehnung aus Gründen des Landschaftsschutzes jedoch kaum", teilt der Bürgerbund mit.

Die Gemeinderäte und Ortssprecher des Oberen Eggerbachbundes haben sich daher an den BB und den Rathaus-Chef gewandt, um in einer Online-Sitzung die Fortsetzung des Projektes prinzipiell zu hinterfragen. Zuletzt sei gemeinschaftlich beschlossen worden, die Installation von Windkraftanlagen vorerst nicht weiter zu verfolgen, "da wir nicht gegen die Mehrheit der Bürger Politik betreiben möchten", so der BB.

Die ablehnende Haltung habe ihn "in dieser Massivität schon überrascht", sagt Bürgermeister Schwarzmann. "Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, weil die Bevölkerung vor zehn Jahren noch viel positiver zur Windkraft gestanden hat." Der Landschaftsschutz und die etwaigen Beeinträchtigungen würden inzwischen offenbar als "gravierender angesehen als der mögliche Nutzen".

Gemeinderat entscheidet

Schwarzmann betont: "Ich bin ein klarer Verfechter der Windenergie und werde das auch bleiben." Denn aus seiner Sicht gebe es keine effektivere Form der regenerativen Energiegewinnung. "Windräder stehen für mich eher für Innovation und Verantwortung als für Gefahren." Trotzdem müsse man die Befürchtungen ernst nehmen. Deshalb jetzt auch der vorläufige Planungsstopp.

Ganz vom Tisch ist der Windpark aber noch nicht: Der Obere Eggerbachbund wird einen Antrag auf Behandlung des Themas in der nächsten Gemeinderatssitzung am 27. April stellen. Dann werde auch eine Entscheidung darüber fallen, ob das Projekt eine Zukunft hat, sagt der Bürgermeister. "Ich werde meine Stimme nach wie vor für eine Fortführung der Planungen einsetzen – aber selbstverständlich akzeptieren, wenn das eine Mehrheit des Gemeinderates anders sieht."

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