Freitag, 15.11.2019

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Herder-Gymnasium Forchheim: Geburtstagsfeier für den Namenspatron

Den "sprachmächtigen und streitbaren Denker" gewürdigt - 11.10.2019 16:30 Uhr

Für den „sprachmächtigen und streitbaren Denker“ Johann Gottfried Herder wurde, unter tatkräftiger Mithilfe von Landrat Hermann Ulm, im Schulhof des Gymnasiums eine Vogelbeere gepflanzt.


"Durch Franken gereist/Durch´s schöne Tal bei Bamberg/An Forchheim vorbei". Es sind solch hintersinnige Haikus ehemaliger Schüler, die sich in der von Friedbert Stühler herausgegebenen Festschrift finden lassen. Neben biographischen Angaben, Einblicken in das Werk Herders und der Schilderung seines Charakters kann man darin auch Annäherungen an den großen Dichter und Denker finden.

"Besonders sein Starrsinn hat mir imponiert," so der pensionierte Deutschlehrer, der die Idee hatte, den Namenspatron zu ehren. Der hatte als Ostpreuße, der bei Kant in Königsberg studierte und hernach fast nur in Weimar wirkte, kaum Berührungspunkte zu Forchheim. Dennoch benannte man vor genau 35 Jahren das älteste Gymnasium des Landkreises nach ihm, weil nebenan ein zweites Gymnasium heranwuchs. "Wir sind stolz, dass unsere Schule seinen Namen tragen darf."

Und er wäre bestimmt stolz darauf, dass seine Schule sich als "Schule ohne Rassismus" engagiert und bei der Verlegung der Stolpersteine zum Gedenken an die im "Dritten Reich" ermordeten jüdischen Mitbürger beteiligt ist. Schließlich, so Rektorin Ingrid Käfferlein, sei Herder ein Vordenker des Humanismus, der Aufklärung und der Toleranz gewesen. Mit Rousseau war er sich einig, dass der Mensch von Natur aus ein friedfertiges Wesen sei. Weshalb ihm jeder Krieg ein Graus war und er die Schrift "Zum ewigen Frieden" verfasste.

Es ist schon einige Jahre her, dass Philipp W. Balsigers Sohn Vinzenz hier im Hause sein Abitur abgelegt hat. Doch verbunden blieb der Philosophie-Professor aus Bern, der seit Mitte der 90-er Jahre in Gräfenberg lebt, dem Herder-Gymnasium auch weiterhin.

Er berichtete vom Leben des Geburtstagskindes, das mit Goethe, Schiller und Wieland als "Viergestirn" am Himmel der Weimarer Klassik leuchtete. Oder leuchtet es immer noch? Davon ist Balsiger überzeugt, sieht er in Herder doch immer noch ein Vorbild, das sich für die Humanität stark gemacht hat. Das ist ein höherer Zustand menschlicher Kultur und Gesittung. Herders "Briefe zur Beförderung der Humanität" sind eine Reaktion auf die blutigen Folgen der Französischen Revolution. Der Gewalt in Frankreich, der "rohen Tierheit und Brutalität", setzte er Menschenrechte, Menschenpflichten und die Menschenliebe entgegen.

Das musikalische Talent bekommt am Musischen Zweig des Herder-Gymnasium viele Gelegenheiten zur Entfaltung. Ohne Herders unglaublich vielfältige Übersetzungstätigkeit, die in seine Sammlung "Stimmen der Völker" mündete, hätte es Gedichtvertonungen Franz Schuberts ebenso wenig gegeben, wie Johannes Brahms’ Intermezzi. So war es nur folgerichtig, dass nach Maike Schild und ihren Violinschülern Elena Wopkes und Johannes Huber die Pianisten Nicolai Prechtel und Sebastian Ritter eben jene Komponisten betasteten.

Zum Abschluss durften Schulleiterin Ingrid Käfferlein, ihr Stellvertreter Jürgen Sauer und Landrat Hermann Ulm für den "sprachmächtigen und streitbaren Denker" eine Eberesche im Pausenhof pflanzen. Die Vogelbeere kommt als Pionierbaum auch mit kargen Böden zurecht. Wie Herder, der als Bildungsminister in Weimar viele tolle Ideen hatte. Was er nicht hatte, das waren genügend finanzielle Mittel und einen Mangel an Kontrahenten, die am Althergebrachten festhalten wollten. Daran scheint sich auch 216 Jahre nach seinem Tod nichts geändert zu haben.

Die broschierte Festschrift "Johann Gottfried Herder zum 275. Geburtstag" mit 72 bebilderten Seiten im DIN A5-Format ist gegen eine Schutzgebühr von drei Euro im Sekretariat des Herder-Gymnasium Forchheim erhältlich.

UDO GÜLDNER

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