Historisch: Das sind Forchheims Oberbürgermeister von 1945-2020

4.2.2020, 11:25 Uhr
Die Stadtpolitik haben viele von ihnen nachhaltig geprägt: die Oberbürgermeister von Forchheim (in früheren Jahren noch
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Die Stadtpolitik haben viele von ihnen nachhaltig geprägt: die Oberbürgermeister von Forchheim (in früheren Jahren noch "Erster Bürgermeister" genannt). Ihre Geschichte reicht weit zurück, im Standardwerk, dem Sammelband "Forchheim in Geschichte und Gegenwart" (herausgegeben von Hermann Ammon), ist beispielsweise einer der frühesten erwähnten Forchheimer Bürgermeister Balthasar Schönfelder (Amtszeit: 1836-1875). Bildmaterial der Gemeinde-Oberhäupter vor 1945 ist rar, weswegen unsere Bildergalerie die "Ahnen-Reihe" der Rathaus-Chefs von 1945 bis heute zeigt. © Patrick Schroll

Strecker war bereits Anfang der 1930er Jahre schon einmal Erster Bürgermeister von Forchheim. Im Zuge der Machtergreifung der Nazis und der NS-Gleichschaltungspolitik wuchs damals aber der Druck auf die  etablierte Politik und die anderen Stadtratsfraktionen: Die NSDAP, unter Führung von Hans Hofmann, vereinnahmte und verdrängte bald alle anderen Parteien (teils mit Verhaftungen) aus dem Rat. Obwohl Strecker im Juni 1933  seinen Eintritt in die Nazi-Partei erklärte, blieb er Hofmann und Konsorten ein Dorn im Auge, man pochte auf seine Amtsenthebung, weil er
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1945: Karl Strecker

Strecker war bereits Anfang der 1930er Jahre schon einmal Erster Bürgermeister von Forchheim. Im Zuge der Machtergreifung der Nazis und der NS-Gleichschaltungspolitik wuchs damals aber der Druck auf die etablierte Politik und die anderen Stadtratsfraktionen: Die NSDAP, unter Führung von Hans Hofmann, vereinnahmte und verdrängte bald alle anderen Parteien (teils mit Verhaftungen) aus dem Rat. Obwohl Strecker im Juni 1933 seinen Eintritt in die Nazi-Partei erklärte, blieb er Hofmann und Konsorten ein Dorn im Auge, man pochte auf seine Amtsenthebung, weil er "nicht das Vertrauen der NSDAP besitzt". Die Verhältnisse blieben unklar, doch bald übernahm der fanatische Nazi Hofmann de facto die politische Macht in Forchheim. © Stadtarchiv Forchheim

Am 15. April 1945 nahmen US-Truppen Forchheim vollständig ein, wenige Wochen später erfolgte die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Die offizielle Übergabe der Stadt erfolgte am frühen Nachmittag des 15. Aprils durch den Stadtkämmerer - weil der noch amtierende Bürgermeister Burkhard Förtsch schon aus der Stadt geflohen war. Förtschs Nachfolger wurde Karl Strecker - der aber nicht lange im Amt blieb. Fritz Ruckdeschel war denn auch Forchheims erster offizieller Bürgermeister der Nachkriegszeit. Er wurde von der US-Militärbehörde kurzfristig ins Amt eingesetzt, nachdem  Strecker verhaftet worden war (aber später im  Entnazifizierungsverfahren  vollständig entlastet wurde). Lange im Amt konnte sich Ruckdeschel aber nicht halten, Ende Januar 1946 kam es zur ersten freien Stadtratswahl.
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1945-1946: Fritz Ruckdeschel (SPD)

Am 15. April 1945 nahmen US-Truppen Forchheim vollständig ein, wenige Wochen später erfolgte die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Die offizielle Übergabe der Stadt erfolgte am frühen Nachmittag des 15. Aprils durch den Stadtkämmerer - weil der noch amtierende Bürgermeister Burkhard Förtsch schon aus der Stadt geflohen war. Förtschs Nachfolger wurde Karl Strecker - der aber nicht lange im Amt blieb. Fritz Ruckdeschel war denn auch Forchheims erster offizieller Bürgermeister der Nachkriegszeit. Er wurde von der US-Militärbehörde kurzfristig ins Amt eingesetzt, nachdem Strecker verhaftet worden war (aber später im Entnazifizierungsverfahren vollständig entlastet wurde). Lange im Amt konnte sich Ruckdeschel aber nicht halten, Ende Januar 1946 kam es zur ersten freien Stadtratswahl. © Stadtarchiv Forchheim

Aus der ersten Stadtratswahl nach Kriegsende ging Konrad Karnbaum als Sieger hervor. Eine der größten Aufgaben, die er zu bewältigen hatte, war es, die enorme Zahl an Kriegsflüchtlingen im Stadtgebiet unterzubringen - einerseits in Fragen der Wohnraumbeschaffung, andererseits in Fragen des sozialen Miteinanders. Denn große Teile der einheimischen Bevölkerung standen den Neubürgern ablehnend gegenüber.
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1946-1948: Konrad Karnbaum (CSU)

Aus der ersten Stadtratswahl nach Kriegsende ging Konrad Karnbaum als Sieger hervor. Eine der größten Aufgaben, die er zu bewältigen hatte, war es, die enorme Zahl an Kriegsflüchtlingen im Stadtgebiet unterzubringen - einerseits in Fragen der Wohnraumbeschaffung, andererseits in Fragen des sozialen Miteinanders. Denn große Teile der einheimischen Bevölkerung standen den Neubürgern ablehnend gegenüber. © privat/Familie Meixner/Stadtarchiv Forchheim (Repro: NN)

Ab Juli 1948 wurde Karnbaum von Andreas Steinmetz als Oberbürgermeister der Stadt Forchheim abgelöst. Steinmetz sollte über ein Jahrzehnt lang Stadt-Chef bleiben. Aus gesundheitlichen Gründen schied er 1961 aus dem Amt. In seine Ära fällt auch ein wichtiger stadtpolitischer Wandel: 1956 wurde der ehrenamtliche OB zum hauptamtlichen Oberbürgermeister.
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1948-1961: Andreas Steinmetz (CSU)

Ab Juli 1948 wurde Karnbaum von Andreas Steinmetz als Oberbürgermeister der Stadt Forchheim abgelöst. Steinmetz sollte über ein Jahrzehnt lang Stadt-Chef bleiben. Aus gesundheitlichen Gründen schied er 1961 aus dem Amt. In seine Ära fällt auch ein wichtiger stadtpolitischer Wandel: 1956 wurde der ehrenamtliche OB zum hauptamtlichen Oberbürgermeister. © Stadtarchiv Forchheim

Karlheinz Ritter von Traitteur ist Forchheims Rekord-OB: Fast 30 Jahre lang amtierte er als Rathaus-Chef. Der begeisterte Briefmarken-Sammler prägte die Nachrkiegs-Stadtgeschichte und auch die Entwicklung Forchheims wie nur wenige andere. Der Bundesverdienstkreuz-Träger und Ehrenbürger der Stadt starb im Dezember 2000 in Forchheim, zwei Jahre danach wurde die Zentral-Volksschule ihm zu Ehren in Ritter-von-Traitteur-Schule umbenannt.
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1961-1990: Karlheinz Ritter von Traitteur (CSU)

Karlheinz Ritter von Traitteur ist Forchheims Rekord-OB: Fast 30 Jahre lang amtierte er als Rathaus-Chef. Der begeisterte Briefmarken-Sammler prägte die Nachrkiegs-Stadtgeschichte und auch die Entwicklung Forchheims wie nur wenige andere. Der Bundesverdienstkreuz-Träger und Ehrenbürger der Stadt starb im Dezember 2000 in Forchheim, zwei Jahre danach wurde die Zentral-Volksschule ihm zu Ehren in Ritter-von-Traitteur-Schule umbenannt. © Stadtarchiv Forchheim

Nur knapp hinter Ritter von Traitteur liegt - was die Dauer seiner Amtszeit angeht - Franz Stumpf. Der Jurist prägte das Amt ebenfalls nachhaltig. In der
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1990-2016: Franz Stumpf (WUO/CSU)

Nur knapp hinter Ritter von Traitteur liegt - was die Dauer seiner Amtszeit angeht - Franz Stumpf. Der Jurist prägte das Amt ebenfalls nachhaltig. In der "Ära Stumpf" setzte eine rasante wirtschaftliche Entwicklung Forchheims ein, von der Arbeiterstadt zum modernen Oberzentrum mit Arbeitgebern wie Siemens Healthineers und florierenden Gewerbegebieten. Stumpfs Macht war lange Zeit unbestritten, erst 2014 musste er sich einer Stichwahl stellen - gegen Uwe Kirschstein. Stumpf gewann mit 55,47 % der Stimmen. Doch aus gesundheitlichen Gründen legte er sein Amt am 31. März 2016 nieder. Am 9. April 2019 erlag Franz Stumpf einem langjährigen Krebsleiden. © Ralf Rödel

Der bis dato recht unbekannte Uwe Kirschstein verursachte 2016 ein politisches Erdbeben in Forchheim: Jahrzehnte der christsozialen Vorherrschaft beendete der SPD-Politiker mit seinem Sieg (52,19 %) in der Stichwahl gegen Ulrich Schürr. Im Stadtrat ist Kirschstein nicht unumstritten, Themen wie die Rathaussanierung brachten ihn unter Druck. Doch konnte er auch beachtliche Erfolge in seiner ersten und (durch Stumpfs vorzeitigen Rücktritt) verkürzten Amtszeit vorweisen. 2020 gelang im die Wiederwahl: Mit 55,33 Prozent der Stimmen setzte sich Kirschstein gegen Udo Schönfelder (CSU) in der Stichwahl durch.
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2016 - ?: Uwe Kirschstein (SPD)

Der bis dato recht unbekannte Uwe Kirschstein verursachte 2016 ein politisches Erdbeben in Forchheim: Jahrzehnte der christsozialen Vorherrschaft beendete der SPD-Politiker mit seinem Sieg (52,19 %) in der Stichwahl gegen Ulrich Schürr. Im Stadtrat ist Kirschstein nicht unumstritten, Themen wie die Rathaussanierung brachten ihn unter Druck. Doch konnte er auch beachtliche Erfolge in seiner ersten und (durch Stumpfs vorzeitigen Rücktritt) verkürzten Amtszeit vorweisen. 2020 gelang im die Wiederwahl: Mit 55,33 Prozent der Stimmen setzte sich Kirschstein gegen Udo Schönfelder (CSU) in der Stichwahl durch. © Anestis Aslanidis