Donnerstag, 04.03.2021

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Hohenschwärz: Dorfbewohner sagen Nein zu Solarpark

Im benachbarten Dorf formiert sich Widerstand gegen die 17 Hektar große Photovoltaikanlage - 11.02.2021 10:00 Uhr

Die farbigen Flächen zeigen die Gebiete an, die für den Solarpark eingezäunt werden sollen. Eine Bürgerinitiative will das Projekt noch verhindern.

10.02.2021 © Foto: Petra Malbrich


"Einerseits soll Flächenfraß verhindert werden, doch hier werden 17 Hektar eingezäunt und sind für die heimischen Tiere nicht mehr erreichbar. Sie würden verdrängt und verlören ihre Heimat. Das stört uns", sagt Johannes März. Vom ästhetischen Bild abgesehen. Denn nur 140 Meter von den Häusern der Dorfbewohner entfernt, entstehe der Solarpark. Die im Mitteilungsblatt der Stadt Gräfenberg genannten 680 Meter Abstand entpuppten sich als Druckfehler.

Ein Nein dazu heiße nicht, dass man den Klimaschutz nicht ernst nehme. Aber: "Es gibt auch andere Möglichkeiten. Die Firma könnte private Dachflächen anmieten", sagt März. Oder Supermarktparkplätze überdachen. Ein Widerspruch sei, den Landwirten immer mehr Vorschriften wegen des Naturschutzes zu geben. Dieser spiele jedoch keine Rolle mehr, wenn es um Solarparks gehe.

So groß wie 21 Fußballfelder

Selbst ein Besitzer, der seinen Grund für den Solarpark verpachte, sei von dem Ausmaß überrascht gewesen: "17 Hektar, das entspricht 21 Fußballfeldern", so März. Davon wussten viele Bürger nichts. "Wer kann sich schon ein Projekt dieser Größe unter der Ankündigung Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) und einigen Flurnummern vorstellen", sagt einer der Dorfbewohner.

Denn damit der Solarpark gebaut werden kann, muss der FNP geändert und für das Projekt ausgewiesen werden. Dies geschah im September 2020 im Stadtrat einstimmig. Nun können Einwendungen vorgebracht werden.

Verhindert werde der Solarpark damit nicht, fürchten die Hohenschwärzer. Bestenfalls verkleinert. "Wir haben Angst vor einer Erweiterung, da die Natur dann bereits verschandelt ist", sagt Singer. Noch sei ein Grundstücksbesitzer standhaft geblieben und hat seine neun Hektar Fläche nicht verkauft. Sonst würde der Park 26 Hektar umfassen. Auch die Behörden und Naturschutzverbände wurden um ihre Meinung gebeten. Christine Miller, Vorsitzende des bayernweiten Vereins "Wildes Bayern" und Wildbiologin, kritisiert die Solarparks: "Für Solarflächen dürfen nicht bisher unbebaute wertvolle Flächen benutzt werden. Naturschutz darf nicht für einen vermeintlichen Umweltschutz geopfert werden", meint Miller.

"Vielleicht sieht der Stadtrat dann den Solarpark aus anderer Sicht", sagt Bürgermeister Ralf Kunzmann (FW) und begrüßt, dass die Bedenken jetzt geäußert werden, nicht erst, wenn der Park gebaut sei. Die SPD jedenfalls steht weiter hinter dem Vorhaben. Die Anlage liege versteckt, verunstalte die Ortschaften nicht und mit Blühflächen würde für die Insekten gesorgt.

Geld für die Stadt

Zudem: "Die Gewerbesteuer wird zu hundert Prozent an die Gemeinde fließen, Gräfenberg leidet seit jeher unter klammen Kassen", betont Martin Leipert, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Trotzdem wäre es der dritte Solarpark im Stadtgebiet und eine Erweiterung stehe an. Einen Kompromiss sehen die Naturschützer darin, dass von vornherein dafür Flächen ausgewiesen werden, anstatt die Parks überall in der Landschaft wachsen zu lassen. "Mit den vorhandenen ist doch das Soll für grünen Strom erfüllt. Wohin soll der ganze Strom?", fragen Bürger.

"Für die Versorgung der Stadt ist es ausreichend", bestätigt Bürgermeister Kunzmann. Der Strom werde eingespeist, wovon die Städte profitieren, die den Platz für solche Anlagen nicht haben. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", findet der Bürgermeister.

Die Hohenschwärzer hoffen dennoch, dass der Stadtrat aufgrund der Bedenken entsprechend handelt. Sollte nur für eine Verkleinerung plädiert werden, wäre die Natur trotzdem zerstört, weshalb parallel dazu weiter Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt werden. Die Stadträte sind für Gespräche offen: "Wir finden es wichtig, die Bedenken zu kennen, um uns eine endgültige Meinung zu bilden", sagen dritte Bürgermeisterin Sylvia Hofmann und Konrad Hofmann (beide FW).

PETRA MALBRICH

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