Samstag, 28.11.2020

|

Igel: Was macht das stachelige Tier im Winter?

Was wir Menschen jetzt tun können, wenn wir helfen wollen - 28.10.2020 15:55 Uhr

Igel sind possierliche Tierchen, die die kalte Jahreszeit im Winterschlaf verbringen. Vorher fressen sie sich eine Speckreserve an, damit sie die Kälte gut überstehen können. Wer Igeln helfen will, stellt ihnen eiweißreiches Futter zur Verfügung.

27.10.2020 © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Wer also in den kommenden Wochen einen Igel tagsüber sieht oder wer ihn auch nicht sieht, aber weiß, dass in seinem Garten ein Igel nachts unterwegs ist, der kann dem putzigen Gartenbewohner auch tagsüber Futter anbieten. Und welches? Zum Beispiel Katzenfutter: "Der Igel braucht Eiweißfutter, tierisches Eiweiß. Würmer, Schnecken, Käfer. Das Katzenfutter ist auch eiweißhaltig", sagt Oehme.

Auch ungesalzene Rühreier können Igeln in die Futterschale gegeben werden. Wichtig ist auch, frisches Wasser für die Tiere bereitzuhalten. Aber "auf keinen Fall Milch", warnt Oehme: "Auch wenn man das auf Bildern manchmal sieht, der Igel kann Milch nicht verdauen. Das kann für ihn gefährlich werden, er kann daran sterben." Hilfreich ist es auch, die Futterschale dort aufzustellen, wo sie für größere Tiere nicht zugänglich ist, denen das dargebotene Futter auch schmecken würde.

Bloß keine Milch

Warum wird dann immer gesagt, dass Igel, die in der kalten Jahreszeit noch draußen herumlaufen, Hilfe brauchen und dass man sie ins Haus zum Überwintern nehmen soll? "Das ist jetzt noch nicht gegeben. Nur wenn man bei Frost dieses hungrige Tier laufen sieht", erklärt Oehme. Dann führt der erste Gang auch nicht die Wohnstube, sondern zum Tierarzt zum Entwurmen. Dann erst sollte man den Igeln etwas zum Fressen geben.

Ob der Igel überhaupt mit in die Wohnung genommen werden soll, ist unklar. "Denn das Überwintern von Igeln ist kein Hobby, es ist eine ernste Angelegenheit", erklärt der BN-Geschäftsführer. Und ein Grenzfall. Abgesehen davon, dass sich der Igel an den Menschen gewöhnt und im Frühjahr umso schwieriger ausgewildert werden kann, hält das Tier möglicherweise auch im Keller einen Winterschlaf.

Was tun, wenn er zu schwach ist? Aufwecken? Die andere Seite ist, dass der Igel möglicherweise stirbt, wenn er bei bitterer Kälte noch im Garten herumläuft, in der Hoffnung, ein paar Brocken Futter zu ergattern. Deshalb rät Friedrich Oehme, jetzt tagsüber noch genügend Futter anzubieten. Igel, die zu wenig Speck angesetzt haben, können auch während des Winterschlafs sterben. Sie wachen dann einfach nicht mehr auf. Wie wichtig für den Igel gerade im Herbst Futter ist, zeigt schon die lange Dauer des Winterschlafs, in der er von seinen Reserven zehren muss. "Er hält Winterschlaf von November bis April, Mai, wenn es wieder Käfer und Schnecken gibt", sagt Oehme. Dass der beliebte Igel genug Winterspeck anfuttern kann, ist das eine. Doch könnte er bei seinem Rundgang auch auf der Suche nach einem Winterquartier sein? Möglich wäre es schon, denn in aufgeräumten Gärten kann es für den stacheligen Gesellen auch schwierig werden, einen Unterschlupf zu finden.

Bretter und Laub

Selbst hier kann jedoch Abhilfe geschaffen werden. "Igelhäuser werden gerne angenommen", weiß Friedrich Oehme. Dabei ist nicht unbedingt die Größe des Igelhauses entscheidend, sondern dass genügend Isoliermasse, also trockenes Laub, darin ist, um vor der Kälte zu schützen.

"Es wird Zeit, etwas zu bauen", sagt Edith Fießer, stellvertretende Vorsitzende der Forchheimer Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Das Igelhaus muss nicht aufwändig aus Holz gezimmert sein: "Es soll innen wie eine kleine Höhle sein. Wie die Hälfte eines ausgehöhlten Baums oder ähnliches. Wer das nicht hat, kann aus Ziegelsteinen einen kleinen Unterschlupf bauen und oben drüber ein Brett legen", sagt Fießer.

Das Brett am besten mit einer Plane als Regen- und Nässeschutz abdecken. Dann werden Laub und Reisig über das Dach gehäuft. Auch wenn das Haus auf dem Boden steht, sollte es innen mit Laub ausgestopft werden. Dieses Laub muss jedoch unbedingt trocken sein.

Fällt trockenes, auf dem Dach aufgehäuftes Laub auf die Erde, holt sich das der Igel selbst ins Haus, um sich seine Kuschelecke einzurichten. Natürlich kann auch eine Igelunterkunft aus Holz gezimmert werden. Ein Kasten mit 20 bis 30 Zentimetern in der Länge, Höhe und Breite reicht. Die Eingangstür muss nicht breiter als zehn Zentimeter sein.

Eiweißfutter im Frühling

Und wo soll dieser gemütliche Unterschlupf am besten aufgestellt werden, damit der Igel ihn auch annimmt? "In einer ruhigen Ecke im Garten. Es könnte auch gut sein, wenn das Haus von Büschen verdeckt wird", sagt Friedrich Oehme. "Der Igel findet es. Wenn er Unterschlupf sucht, wird er das Haus erkunden", sagt Oehme.

Wenn der Igel nun all diese Hilfen erhält – Futter und Unterschlupf – kann er in wenigen Tagen gut gerüstet die Kälte schlafend überstehen und im Frühjahr wieder durch den Garten streunen. Und er freut sich, auch in den ersten Tagen des Frühlings, eine gefüllte Schale mit Eiweißfutter vorzufinden, um dann als nützlicher Helfer im Garten an die Arbeit zu gehen. Als gefährdet gilt der Igel noch nicht, aber als besonders geschützt: Er darf weder gefangen oder verletzt noch getötet werden.

PETRA MALBRICH E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim