Jetzt auch in Forchheim: Erstes Kreuzfahrtschiff vor Anker

12.8.2019, 06:00 Uhr
Kapitän Thomas Schweizer hat die „Swiss Tiara“ sicher nach Forchheim gebracht. An Bord des Kreuzfahrtschiffes ist ausreichend Platz für insgesamt 153 Passagiere.

Kapitän Thomas Schweizer hat die „Swiss Tiara“ sicher nach Forchheim gebracht. An Bord des Kreuzfahrtschiffes ist ausreichend Platz für insgesamt 153 Passagiere. © Foto: Udo Güldner

Die Stimmung unter den Tourismus-Fachleuten und Kommunalpolitikern ist bestens. Was am kühlen Nederbier liegen mag, das der neue Braumeister Rafael Thiermeyer mitgebracht hat. Oder es liegt an den exotischen Häppchen und den tollen Torten, die man im Panorama-Salon des Luxus-Kreuzers vorfindet.

Am ehesten aber liegt es wohl daran, dass die Stadtoberen damit rechnen, dass nun noch mehr Gäste Forchheim kennenlernen können. Zahlungskräftige Senioren aus aller Welt, die eine Reise durch Europa antreten. Denn bislang gab es nur Ausstiege in Bamberg oder Nürnberg. Die Besucher und ihre Barschaft schwammen gleichsam an Forchheim vorbei. Damit soll ab sofort Schluss sein. Auf der "Swiss Tiara" ist zu dieser Zeit auch keiner der maximal 153 Passagiere mehr. Sie lassen sich gerade die Altstadt, die Festungsanlagen und den Kellerwald zeigen. Davon profitieren auch die Gästeführer und Genussbotschafter, die zur feierlichen Einweihung mit Champagner-Taufe durch Bierkönigin Miriam I. gekommen sind. Freilich wird die Anlegestelle keinen speziellen Namen tragen.

Bis nach Budapest

Sogar Kapitän Thomas Schweizer hat beim Plausch mit stellvertretenden Landrätin Rosi Kraus ein Sektglas in der Hand. Seine Arbeit ist bereits getan. Er hat die "Swiss Tiara" mit bis zu 20 Stundenkilometern (etwa zehn Knoten) von Köln hierher gebracht. Der Schweizer ist Fachmann für den Rhein und seine Nebenflüsse wie Mosel und Main. Seine ungarischen Kollegen Gábor György Czabo und András Gröschl sind für die Donau und deren Nebenarme zuständig. "Es braucht für jedes Gewässer besondere Ortskenntnisse." Schließlich kann man mit den Schiffen der Scylla-Reederei, die sich nach einem Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie benannt hat, bis Budapest reisen.

Das erst 1973 gegründete Familienunternehmen hat seinen Sitz übrigens in Baar im Kanton Zug. Von dort ist auch der Scylla-Geschäftsführer Andreas Wandinger gekommen. Vom Führerstand aus hat Kapitän Schweizer das 110 Meter lange, 11,40 Meter breite und rund 1000 Tonnen schwere Schiff fest im Griff. Damit gehört es zu den kleineren Fluss-Kreuzfahrtschiffen. An der Lände können bis zu 135 Meter lange Kähne festgezurrt werden. Wenn man den Touristikern glauben mag, wird der "riesige Boom, den ich seit 1995 selbst erlebt habe", so Marco van Ingen vom Bauherren RSR Dockings, auch in Zukunft weitergehen.

Von einem echten Hafen unterscheidet sich eine Lände durch fehlende Bauwerke, die in das Flussbett hineinragen, etwa eine Hafenmauer. Obwohl man über die Hafenstraße dorthin gelangt. Dafür wäre an dieser Stelle, die bereits in den 60-er Jahren verbreitert wurde, um eine Anlandungsmöglichkeit für Frachttransporte zu schaffen, auch gar kein Platz. Waren es einst Baustoffe, die über den neu in die Landschaft gefrästen Rhein-Main-Donau-Kanal in die Region kamen, so sind es nun Urlauber, die ihr Hotel gleich mitgebracht haben.

Für den Chef der Tourist-Info, Nico Cieslar, ist es "eine Riesenchance für Forchheim", wobei die Stadt selbst nur Planungskosten gehabt habe. Die gesamten Baukosten hatte die Scylla-Reederei über ihre Tochterfirma RSR Dockings übernommen. Wie viel genau möchte RSR-River Manager Marco van Ingen nicht sagen, es seien "mehrere hunderttausend Euro," die man angelegt habe.

Der Niederländer, der auch schon Reiseleiter war, bereiste bereits 2014 die Stadt, um zu sehen, was Forchheim alles zu bieten hat. Dass es sich für alle Seiten lohnt, hier Halt zu machen zeigt, dass Forchheim nun neben zweimal Düsseldorf (Rhein), Volkach (Main), Straubing (Donau) und Traben-Trarbach (Mosel) die sechste Scylla-Anlegestelle geworden ist. Bei Oestrich-Winkel (Rhein) ist bald ebenfalls Land in Sicht. "Für Forchheim ist es ein Meilenstein in der touristischen Entwicklung," so Oberbürgermeister Uwe Kirschstein. Auch weil nicht nur Scylla-Schiffe hier anlegen dürfen, sondern für eine Liegegebühr auch schwimmende Hotels anderer Anbieter.

 

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