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Kinder im Kreis Forchheim sehnen sich nach ihren Hobbys

Corona-Lockerungen: Der Nachwuchs bekommt ein Stück Normalität zurück - 23.05.2020 09:00 Uhr

Der sechsjährige Korbinian freut sich, wieder mit Pony Merlin "arbeiten" zu dürfen. Hilfestellung – mit entsprechendem Abstand – bekommt er von Reitlehrerin Esther Köhler-Manger.

© Annika Falk-Claußen


Der sechsjährige Korbinian darf wieder reiten. Seit zwei Wochen gibt es auf „Julias Ponyranch“ in Seidmar wieder Unterricht in Kleingruppen. Statt acht Kindern, die sonst von zwei Reitlehrerinnen betreut wurden, dürfen jetzt nur drei Kinder parallel unterrichtet werden. Mehr gibt der Reitplatz nicht her.

„Die Anzahl der Schüler richtet sich nach der Größe des Reitplatzes“, erklärt Inhaberin Julia Kellner, die in den vergangenen Wochen von Pflege- und Reitbeteiligungen unterstützt worden ist, um ihre acht Ponys und Pferde auszulasten. „Die Ponys müssen jetzt erst wieder in den Arbeitsmodus kommen, es war sehr ruhig in letzter Zeit.“

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Einige Sicherheitsmaßnahmen gilt es einzuhalten: im Reiterstüberl darf sich niemand aufhalten, in der Sattelkammer darf immer nur eine Person sein, Zuschauer sind nicht erlaubt, bei Ankunft muss jedes Kind die Hände waschen, außerdem muss jeder seinen Helm und seine Handschuhe selbst mitbringen. Korbinian stört nicht, dass er statt einem Leih-Reithelm seinen Skihelm trägt. Er führt Pony Merlin stolz durch einen Parcours über den Reitplatz.

Julia Kellners Kollegin Esther Köhler-Manger unterstützt mit nötigem Sicherheitsabstand. Der Aufstieg aufs Pony erfolgt kontaktlos über eine große Kiste. Korbinian scheinen die Änderungen nicht groß zu stören. Er habe die Zeit gut gemeistert, erzählt Mama Alexandra Mehringer: „Wir haben es auf dem Land mit großem Garten gut“, so die Mittelehrenbacherin. „Außerdem haben wir zwei Hunde, mit denen wir immer raus mussten.“ Und die 1:1-Betreuung beim Reiten genieße ihr Sohn sehr.

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Andere Kinder hatten in den vergangenen Wochen mehr Probleme, wie Julia Kellner berichtet. Eine Mutter habe ihr vom Satz ihrer fünfjährigen Tochter erzählt: „Mama, ich weiß jetzt, wie ich mich fühle: einsam.“ Auch die Konflikte in den Familien seien gestiegen. „Jetzt sind sowohl Kinder als auch Eltern froh, wenn sie mal eine Stunde was anderes machen können, das tut beiden gut“, so die Reitlehrerin, die Fünf- bis 13-Jährigen den Umgang mit den Pferden vermittelt.

Keine Planung möglich

Wie viele Reitställe hatte auch „Julias Ponyranch“ arg mit den Ausgangsbeschränkungen zu kämpfen. Die Fixkosten für Pacht, Futter, Tierarzt und Co blieben, Einnahmen kamen indes keine rein.

Patenschaften, Geld- und Sachspenden halfen, die Zeit zu überbrücken. Dennoch ist der Unterricht in wesentlich kleineren Gruppen nicht wirklich wirtschaftlich. Auch die Ferienkurse, die sonst angeboten wurden, fallen in diesem Jahr weg. „Schwierig ist die fehlende Planungssicherheit“, sagt Julia Kellner. „Würden wir wissen, dass es noch ein bis zwei Monate so weiter geht, könnten wir es schaffen.“ Bleiben die Beschränkungen aber weiter bestehen, fürchtet die 37-Jährige um den Erhalt ihrer Ponyranch, die sie sich vor drei Jahren aufgebaut hat. Ein Pony musste sie bereits verkaufen. „Das war sehr emotional, da sich die Kinder nicht verabschieden konnten“, so die alleinerziehende Mutter zweier Kinder.

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„Ich habe mit den Kindern und Eltern zwar über WhatsApp, Facebook und Instagram Kontakt gehalten, habe Briefe und Postkarten geschrieben, aber viele waren traurig, dass sie sich nicht persönlich von Lotta verabschieden konnten.“ Denn viele Kinder sehen die Ponys als ihre Freunde. Bei „Julias Ponyranch“ gehe es nicht ums sportliche Reiten, sondern um den Kontakt zum Tier. Die Philosophie und das pädagogische Konzept kann durch die Beschränkungen nicht so weitergeführt werden wie vor Krise. „Da wir das Putzzeug nach jedem Kind desinfizieren müssten, putzen jetzt Esther und ich“, sagt Julia Kellner. „Auch das Misten und Satteln haben sonst die Kinder unter Anleitung eigenverantwortlich übernommen.“

Spielzeug, das sonst im Unterricht mit den Pferden eingesetzt worden ist, fällt ebenfalls weg. Und neben dem Putzen können weitere Rituale wie ein gemeinsamer Abschlusskreis nicht fortgeführt werden. Kinder, die körperliche Beeinträchtigungen haben, können wegen des geforderten Sicherheitsabstandes gar nicht unterrichtet werden. „Da steht die Sicherheit im Vordergrund“, so Kellner, die einige Kollegen kennt, die ihre Betriebe bereits geschlossen haben, Verträge gekündigt haben.

Seit zwei Wochen dürfen auch die Musikschulen wieder Einzelunterricht anbieten. Wojciech Grabietz, den Leiter der Musikschule Ebermannstadt, hatten vorher schon einige Nachrichten erreicht; Schüler und Eltern haben nachgefragt, wann es wieder losgeht.

Muskeln haben abgebaut

„Die Kinder waren jetzt einfach happy, voller Freude, dass sie wieder Musik machen dürfen“, so Grabietz. Für viele Kinder, die nach wie vor nicht zu Schule dürfen, sei es eine schöne Abwechslung vom Leben zuhause. Zwar hätten einige Lehrer online Hausaufgaben verschickt. Man merke aber, dass die Muskeln bei den Blechbläsern schon abgebaut haben, weil mehrere Wochen kein Unterricht war. „Das kriegen wir mit einer Regelmäßigkeit aber wieder hin“, ist Grabietz zuversichtlich.
Die Musiklehrer haben jetzt ebenfalls Vorgaben, an die sie sich halten müssen: Die Hände werden vor dem Unterricht gewaschen, es wird genügend Abstand gehalten, die Stühle werden nach jedem Schüler desinfiziert. Durch den Stundenplan muss genau dokumentiert werden, welcher Schüler Kontakt zu welchem Lehrer hatte.

Der sechsjährige Ben übt im Garten mit seinem Papa Andreas Ledig, bis das Fußballtraining beim SC Egloffstein wieder startet. Auch Bruder Samuel will schon mitspielen.

© Annika Falk-Claußen


In anderen Bundesländern sei der Musikunterricht in Kleingruppen erlaubt, in Bayern nicht. „Wir gehen da auf Nummer sicher und machen nur Einzelunterricht“, so der Musikschulleiter, der hofft, dass in einigen Wochen auch entsprechende Konzepte ausgearbeitet werden, um auch das Üben von Orchestern und Chören wieder zuzulassen. „Die Musikvereine wollen ja auch wieder loslegen, wollen ihre Kameradschaft pflegen.“ Positiv stimmen ihn zwei neue Studien, die zeigen, dass die Infektionsgefahr bei Blech- und Holzbläsern nicht so hoch sei wie oft angenommen. Der Luftstrom, den Bläser freisetzen, sei generell geringer als beim Sprechen.

Größere Probleme mit dem Abstandhalten gibt es bei Mannschaftssportarten. Wann das Nachwuchsfußballtraining beim SC Egloffstein wieder startet, ist noch nicht klar. Andreas Ledig, einer der Trainer der G-Jugend, trainiert mit seinen Zwillingen Sara und Ben im Garten. Eigentlich wären im Frühjahr die ersten Turniertage angestanden. Jetzt warte man die Pfingstferien ab, um dann zu überlegen, ob vor den Sommerferien vielleicht die ein oder andere Trainingseinheit geplant werden kann. „Ich mache das Training echt gerne, aber wenn ich als ehrenamtlicher Betreuer ganz genau darauf achten muss, dass die Kinder Abstand halten, vielleicht sogar einen Mundschutz tragen, dann geht der Spaß verloren“, so Andreas Ledig.

Die Trainer haben den Bambinis per WhatsApp Tipps geschickt, wie die Kinder zuhause trainieren können. Dennoch geht bei den Knirpsen, die seit einem Jahr trainieren, viel verloren. „Ben hat das Interesse allgemein etwas verloren, weil neben dem Training der ganze Fußball fehlt“, sagt Ledig. Sonst habe der Sechsjährige morgens auf Papas Handy geguckt, wie die Bundesligavereine gespielt haben. Immerhin spielt der „Glubb“ seit dem vergangenen Wochenende wieder und der Fußball kehrt somit wenigstens auf dem Bildschirm wieder zurück.

Annika Falk-Claußen

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