Müll und Fäkalien

Müll, Fäkalien, Scherben: Den Bauern reichts

9.5.2021, 17:50 Uhr
Thomas Schütz mit seinen Kindern Elena, Leon und Jonathan (v.li.) beim Füttern der 50 Kühe des Bauernhofs.

Thomas Schütz mit seinen Kindern Elena, Leon und Jonathan (v.li.) beim Füttern der 50 Kühe des Bauernhofs. © Foto: privat

Manchmal hat er das Gefühl, das Verhalten sei eine Trotzreaktion auf das schlechte Image der Landwirte. Seine Situation spiegelt die von vielen anderen Landwirten derzeit wider: "Täglich rufen mehrere Berufskollegen an und bitten, bei der Bevölkerung um Rücksicht zu appellieren", sagt Hermann Greif, Oberfrankens Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und Kreisobmann beim Pressegespräch bei Thomas Schütz.

"Jeder möchte aus der Enge heraus. Das verstehen wir", meint Greif. Schließlich habe man mit der Fränkischen Schweiz das schönste Stück Natur. Auch er genieße wie jeder andere den Blick in die Landschaft, sonst würden er und seine Kollegen keine Landwirtschaft betreiben. Alles wäre problemlos, wenn wie bei allen schönen Dingen nicht die wenigen Ausnahmen wären.

Menschen etwa, die sich an die Regeln nicht halten und weder Rücksicht noch Respekt vor der Natur zeigen. Deshalb appellieren die Landwirte an die Wanderer und Spaziergänger, doch Umsicht und Vorsicht walten zu lassen. Thomas Schütz sammelte erst diese Tage wieder Weinflaschen und Pappgeschirr samt einer Plastiktüte aus der Wiese. Ein Picknick im Freien sei sicher romantisch, "wenn die Leute wieder alles mitnehmen, ist es kein Problem", sagt Schütz. Das sehen auch Kreisbäuerin Rosi Kraus und Hermann Greif so.

Wildtiere haben ein Problem

"Bei allem Verständnis, aber man darf nicht für ,Rettet die Bienen‘ abstimmen und dann so handeln. In den Wiesen sind Vogelnester und Wildtiere, die dann ein großes Problem haben", sagt Greif und bittet alle Wanderer, sich an ihre gute Stube zu erinnern. Doch stattdessen würden sich die Leute Essen aus den Schnellrestaurants und noch einen Kaffee "To Go" holen und wenn Becher und Tüte geleert sind, werde das Autofenster heruntergelassen und die Tüte mit einem schwungvollen Wurf in die Felder entsorgt. Ist die Wiese hoch genug und der Bauer übersieht das, ist er machtlos und die Tiere haben das große Leid zu tragen.


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"Wenn wir diesen Müll übermähen, haben wir die Splitter oder Taschentücher im Futter", sagt Schütz. Zwar haben die Häcksler einen Metalldetektor. "Die Kette bleibt dann stehen. Aber Glas erkennt er nicht und der Landwirt hört das nicht. Die Kuh frisst die Splitter mit, diese verursachen innere Verletzungen und das Tier geht elendig kaputt", erklärt Greif.

Auch der regionale Bauernverbandspräsident hat Felder am Rand der Hauptverkehrsstraßen. Zerkleinertes Metall, Glas und anderer Müll könne nicht komplett mit der Hand herausgesucht werden, also werde der gesamte Grashaufen als Müll beiseite gelegt.

Dass Corona das Problem noch befeuert, liegt auf der Hand: Nicht, weil alle die Fränkische Schweiz als begehrtes Ausflugsziel entdeckt haben, sondern weil die Wirtschaften geschlossen sind: "Dann wäre das nur noch zu einem Fünftel problematisch", sagt Greif.

Mobile Toiletten als Lösung?

Nach dem Essen oder dem Kaffee haben die Touristen ihre menschlichen Bedürfnisse sonst in der Wirtschaft erledigt, bevor sie in der Natur ihren Wanderweg fortsetzten. "Wir bitten deshalb auch die Gemeinden, in dieser Zeit mitzuhelfen", betont Rosi Kraus. Dass nicht einfach eine Fläche als Parkplatz für die Wanderer ausgewiesen werden kann, weiß die Kreisbäuerin. Vor allem können die Landwirte nicht einfach Flächen zur Verfügung stellen.

Doch für Festivitäten angeschaffte Toiletten könnten aufgestellt werden. Eine mobile Toilette, damit die Wanderer ihre Notdurft nicht in Futtersilos oder blühenden Wiesen hinterlassen müssen. "Wir wollen keine Verbote aussprechen", sagt Kraus. Denn eigentlich besteht das Recht, sich in der Natur frei zu bewegen (siehe Infokasten). Doch "während der Vegetation ist das nicht erlaubt. In der Zeit sollte man es tunlichst vermeiden, auf Feldern und Wiesen zu laufen", sagt Greif. Und natürlich ebenso wenig darin parken. Dass dies eher aus Gedankenlosigkeit geschieht, weiß Schütz. Die Parker darauf angesprochen, dass er so mit seinen landwirtschaftlichen Maschinen nicht mehr aufs Feld kommt, führt meist zur Behebung des Missstandes.

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