Donnerstag, 17.10.2019

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Neue Piastenbrücke in Forchheim: Es bleibt eng

Die Bahn ändert ihre Pläne nicht mehr. 1,75 Meter bleiben für Fußgänger - 22.09.2019 12:00 Uhr

Auf der Piastenbrücke herrscht Überholverbot. Hielten sich die Autofahrer daran, könnten auch Radler sicherer die Fahrbahn benutzen. © Foto: Roland Huber


  In einer Sondersitzung des Stadtrates machten zwei Vertreter der Deutschen Bahn deutlich, warum sie jetzt nichts mehr an ihren Plänen ändern können und wollen — und warum die Stadt für die gewünschten Verbesserungen selbst aufkommen müsste. Was diese aber weder will noch kann.

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) sagte, er habe sich nach einschlägigen Diskussionen im Stadtrat in der Pflicht gesehen, "auszuloten, was denn möglich sei". Im Januar und im Juni diesen Jahres hatte der Stadtrat bereits Änderungswünsche beschlossen: Der so genannte "Abkommenschutz", also die Barriere zwischen Fahrbahn und Gehweg, die verhindern soll, dass ein Fahrzeug bei einem Unfall auf die Gleise fällt, wird nun in Stahl und nicht in Beton ausgeführt. Dadurch erhalten die Fußgänger auf dem Gehweg etwas mehr Platz. Der Weg auf beiden Seiten wird nun 1,75 Meter breit, die Breite der Farbahn wurde von 7,50 auf sieben Meter verringert. Die Mehrkosten trägt die Stadt. Einen separaten Radweg gibt es nicht, weder auf der Fahrbahn noch auf dem Gehweg.

Allein diese Umplanung von Beton zu Stahl und zur schmaleren Fahrbahn, so die Bahnvertreter, hat zu einer Verzögerung von sechs Monaten geführt. Nach derzeitigem Stand werden die Arbeiten im Oktober 2019 ausgeschrieben, im Februar 2020 vergeben, im Juli beginnt der Abriss (Sperrung ab Annafest) und im Oktober 2021 wird der Neubau für den Verkehr freigegeben. Fußgänger und Rettungsfahrzeuge können schon während des Annafestes 2021 die Brücke nutzen. Wenn die Stadt eine breitere Brücke mit mehr Platz für Radler und Fußgänger haben wolle, dann müsse sie dieses Bauwerk in Eigenregie errichten und die Mehrkosten von — sehr grob geschätzt — 2,75 Millionen Euro auch selbst bezahlen. Außerdem würde dies eine Bauzeit (mit Sperrung) bis 2025 bedeuten. Bisher ist die Stadt mit einer Selbstbeteiligung in Höhe von einer guten halben Million Euro dabei.

Ein Bahnvertreter erklärte, was Sache ist: "Wir arbeiten im Auftrag des Bundes und sind auf die Terminpläne angewiesen." Forchheim ist nur ein winziger Teil auf der Strecke Berlin-München. Abriss und Neubau der Piastenbrücke sind im Gesamtzusammenhang eingetaktet: "Ihre Wünsche", sagte der DB-Mann den Stadträten, "gehen deutlich über das hinaus, was wir zu bauen haben." Und was die DB zu bauen hat, liegt seit Januar 2016 als gültiger Planfeststellungsbeschluss vor. Dieser Beschluss schafft Baurecht. Am 29. Oktober 2015 hatte der Stadtrat einstimmig den Plänen zugestimmt, das belegt das Protokoll der damaligen Sitzung.

Bauamtsleiter René Franz meinte trotzdem, die Bahn habe im Rahmen des "Modal Split" (unterschiedliche Verkehrsteilnehmer) die Interessen aller zu berücksichtigen, vom Auto bis zum Fahrrad und Fußgänger. Dafür kämpfe die Stadt, indem sie auf beiden Brückenseiten einen drei Meter breiten Geh- und Radweg fordere. In eigener Bauträgerschaft könne dies die Stadt allerdings nicht, während der Brückenbau für die DB doch zum "Kerngeschäft" gehöre.

Die Stadträte, die sich zu Wort meldeten, nahmen die Situation teilweise zum Anlass für erneute grundsätzliche Kritik an der Deutschen Bahn, wie Udo Schönfelder (CSU) oder Manfred Hümmer (FW). Der CSU-Sprecher fühlte sich an die Zeit von 1840 mit der "Königlich-privilegierten Bahn" erinnert. Hümmer holte weit aus und warf der DB die teils schon Jahre zurückliegende Lärmbelastung während der Bauarbeiten auf Höhe Kersbach noch einmal vor. Eine Bauzeit bis 2025 an der Piastenbrücke, "ein Eingriff am offenen Herzen" des städtischen Verkehrs, sei unvorstellbar.

Darin waren sich alle einig. Thomas Werner (CSU) allerdings stimmte in das allgemeine Lamento nicht ein: "Die Erkenntnis von Herrn Franz, dass wir eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer brauchen, kommt sechs Jahre zu spät." Diese Forderungen hätten im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens erhoben werden müssen. Damals aber habe die Stadtverwaltung argumentiert, das sei zu teuer und technisch nicht machbar.

Der Stadtrat, meinte auch Albert Dorn (FW, damals SPD), "scheint damals geschlafen zu haben". Reinhold Otzelberger (CSU, damals SPD) sagte, die tatsächlich zu erwartenden Mehrkosten in Höhe von drei, "wahrscheinlich sogar vier Millionen können wir viel besser für die Verbesserung des Radverkehrs in der Stadt einsetzen". So sah dies auch Annette Prechtel (FGL): "Wir kommen zu spät." Jetzt komme es darauf an, "selber dafür zu sorgen, das Radfahren in der Stadt zu verbessern". Gelegenheit dazu bietet, so Lisa Hoffmann (damals wie heute SPD), das beauftragte Verkehrskonzept: "Da müssen wir unser Augenmerk auf Fußgänger und Radler legen."

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