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"Null Bock" auf Mobilfunkmast: Erst stummer Protest, jetzt Bürgerinitiative geplant in Leutenbach

Leutenbachs Gemeinderat spricht sich gegen einen Bau aus - Unzufrieden mit Telekom - 19.06.2020 13:03 Uhr

Leutenbacher protestierten stumm unmittelbar vor der Gemeinderatssitzung und wurden vom Bürgermeister und dem Gemeinderat gehört, wie die später getroffene Entscheidung zeigte.

19.06.2020 © Foto: Rolf Riedel


Die Leutenbacher verstehen, dass ein zuverlässiger Mobilfunk für sie und ihre Entwicklung wichtig ist. Aber einen 34 Meter hohen Turm mitten in ihrem Tal wollen sie nicht. Auch Bürgermeister Florian Kraft (FW) kennt das Thema um den Mobilfunkmast schon seit einigen Jahren. Mehrere Standortangebote, die sich viel besser ins Umfeld optisch einfügen lassen würden, seien von der Telekom ohne die Angabe von Gründen abgelehnt worden. Deshalb haben nun die Bürger mobil gemacht und am letzten Sonntag eine erste Info-Versammlung veranstaltet. Zwischen 40 und 50 Personen, schätzt Andreas Weig aus Dietzhof, haben daran teilgenommen haben. 

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Stummer Protest

Nun hatten sie einen stummen Protest vor der Gemeinderatssitzung angemeldet, um die Gemeinderäte noch einmal für das heikle Thema zu sensibilisieren, wie es hieß, denn der Bauantrag des Masten stand als Punkt drei auf der Tagesordnung. Knapp 40 Bürger wollten unmittelbar vor der Sitzung mit ihrem schweigenden Protest ein Zeichen gegen das Vorhaben setzen.

Sie wollen damit auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zuvorkommen, der mehr als eine Milliarde Euro ausgeben will, um noch vorhandene Mobilfunklöcher zu stopfen. Bis zu 5000 Mobilfunkstandorte sollen über eine neue staatliche "Mobilfunkstrukturgesellschaft" mit mindestens 4G-Empfang versorgt werden. Zudem sollen die Genehmigungszeiten für den Bau neuer Masten von derzeit im Schnitt 18 Monaten auf drei Monate gesenkt werden. Zwar verfügt mittlerweile der größte Teil der Haushalte in Deutschland über schnelles 4G-Internet (LTE), aber es gibt immer noch eine ganze Menge weißer Flecken.

Wer viel surft und telefoniert, dem ist dieses Problem bekannt. Gerade in der Fränkischen Schweiz gibt es viele so genannte weiße Flecken, wie die NN-Aktion "Achtung, Funkloch" ergeben hat. Dass es regional starke Unterschiede gibt, zeigt unsere interaktive Karte:

Wenn Sie die Karte nicht sehen, klicken Sie bitte hier.

 

Alternativen ins Spiel gebracht

Leutenbach hatte den bereits bestehenden Funkturm in Richtung St. Moritz ins Gespräch gebracht, aber auch dieses Angebot lehnte die Telekom ab, heißt es. Jetzt hat die Telekom ein Grundstück in Dietzhof, etwa 200 Meter nordöstlich vom Sportplatz gelegen, zur Verfügung. Auf diesem Grundstück will sie einen Schleuderbetonmast mit einer Höhe von 28 Metern errichten. Oben aufgesetzt wird dann die Richtfunkanlage in Höhe von sechs Metern. Andreas Weig betont, dass den Bürgern durchaus bekannt ist, dass es sich um ein privilegiertes Vorhaben handelt, das der Gemeinderat demnach nicht einfach verhindern kann. Aber eine Ablehnung durch den Gemeinderat könnte zumindest das Zeitfenster für weitere Verhandlungen vergrößern, so die Hoffnung. Dabei wollen die Leutenbacher den Funkturm nicht verhindern, sie hätten gar nichts dagegen, wenn er weiter in den Hang hinein gestellt werde, so Andreas Weig stellvertretend für die Leutenbacher Kritiker. Aber das wolle die Telekom nicht.

Bürgermeister Kraft stellte sich vor Beginn der Gemeinderatssitzung den Bürgern und versicherte, dass die auf der Tagesordnung stehende Entscheidung über den Bauantrag vom Gemeinderat sicher abgelehnt werden wird.

Zu Sitzungsbeginn stellte er den Antrag, den Punkt nach vorne zu setzen. Die Zustimmung für die Verlegung war sicher. Der Bürgermeister trug noch einmal den Sachstand vor und erläuterte den Bauantrag. Der Antrag wurde ohne Diskussion einstimmig abgelehnt.

Danach informierte Bürgermeister Kraft, dass sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau des Masten gründen wolle und wies auf die Einladung zu der Gründungsversammlung hin. Sie findet am Freitag, 26. Juni, 19 Uhr, statt und zwar rund 250 Meter oberhalb des Sportheimes. Dort, wo der geplante Standort des Masten ist.

ROLF RIEDEL

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