Ringer-Hochburg Kronengarten

Kevin Gudd
Kevin Gudd

Nordbayerische Nachrichten Forchheim und Ebermannstadt

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14.8.2014, 12:00 Uhr

© Foto: NN-Archiv

Die Spannung im alten Kronengarten, der Heimstätte des AC Bavaria, erreicht wenige Tage vor Heilig Abend im Jahr 1970 im letzten Kampf der Begegnung und gleichzeitig der Saison ihren Höhepunkt. Im Schwergewicht ringt der Forchheimer Manfred Bienert, wenige Jahre zuvor nordbayerischer Meister und bayerischer Vizemeister, gegen Okeitis, einen Koloss mit Bayernliga-Erfahrung in der Mannschaft von Johannis Nürnberg II.

Boden gutgemacht

Den ersten Durchgang verliert Bienert klar mit 0:6 und die Bavaria-Ringer fürchten um den Ertrag einer grandiosen Runde. Der Tabellenführer droht seinen zwischenzeitlichen 12:0-Vorsprung in den Kämpfen der schweren Klassen noch aus der Hand zu geben. Bienert muss seinem Kontrahenten schließlich den Sieg überlassen, macht im zweiten Durchgang aber genug Boden gut. Die Nürnberger erhalten für den 11:7-Sieg zwei Punkte, müssen sich in der Mannschaftswertung trotzdem mit 11:12 geschlagen geben. Die Forchheimer um Günter, Georg und Karl Hallmann, den Halbschwergewichtler Sentner, Ernst Hacker und seinen Zwillingsbruder Peter, dem erfolgreichsten Akteur im Team, beschenken sich zu Weihnachten mit dem Aufstieg in die Landesliga.

In den 1970er Jahren erlebten die Ringer, die nach der Gründung der Bavaria 1908 vor allem mit ihrem jährlichen Athletenball für Aufsehen sorgten und dort stets die lokalen Honorationen begrüßen durften, die sportlich wohl erfolgreichste Zeit ihrer Historie. Auch wenn sie direkt wieder in die Bezirksliga abstiegen, gehörte Forchheim neben Nürnberg, Röthenbach an der Pegnitz, Rehau oder Neumarkt zu den Hochburgen der Szene.

„Dabei hatten wir nie nationale Spitzenringer, dafür eine ausgeprägte Kameradschaft“, erinnert sich Norbert Kramperth, der von 1952 bis 1962 aktiv war und sieben Jahre die Kasse betreute. Sein Bruder Heinz stand dem Klub mehrere Jahre vor.

Bangen um Olympia

Ringen blieb aber in Deutschland und somit auch in Forchheim — im Gegensatz zu den osteuropäischen Ländern — „nur eine graue Maus“, so Norbert Kramperth: „Zu den Heimkämpfen kamen regelmäßig zwischen 150 und 200 Besucher, doch die komplizierten Regeln bei der Punktevergabe haben die wenigsten verstanden.“ 2013 wäre Ringen deshalb beinahe aus dem olympischen Programm gestrichen worden. Kramperth begrüßt die dadurch angestoßene Reformdebatte.

Derweil bemüht sich der dem altehrwürdigen Kronengarten mit über 2600 Mitgliedern längst entwachsene und mittlerweile größte Forchheimer Sportverein darum, nach vielen Jahren, in denen es keine Mannschaft mehr im Wettkampfbetrieb gibt, überhaupt wieder ein regelmäßiges Angebot für den Nachwuchs zu schaffen. Andere Disziplinen wie Kickboxen und Grappling haben der antiken Sportart Ringen etwas den Rang abgelaufen.

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