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Sonntag, 22.09.2019

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Segelflieger: Starts in Sigritzau und am Walberla

In den 1950er Jahren fand Flugbetrieb der Segelflieger im heutigen Wasserschutzgebiet Zweng statt - 31.08.2019 07:00 Uhr

Das undatierte Foto zeigt Aktive des Luftsportclubs Forchheim, wie sie ein zusammengelegtes Segelflugzeug mit Hilfe eines Autos aufs Walberla transportieren. Von dort aus wurde auch gestartet. © Archivfoto: Luftsportclub Forchheim


Die Geschichte wurde schon oft erzählt, auch in den Nordbayerischen Nachrichten. Was sie mit Sigritzau zu tun hat, das wissen nur noch die älteren Forchheimer: In den 1950er Jahren betrieb der Luftsportclub (LSC) Forchheim nördlich von Sigritzau eine Start- und Landebahn für Segelflieger.

Sie strebten in die Luft

Es handelte sich um Enthusiasten des Segelsports. 1952, zwei Jahre nach Gründung, gingen sie in die Luft. Der Sportfliegerclub Nürnberg hatte "in der Sigritzau bei Forchheim" schon 1951 seinen Flugbetrieb aufgenommen, wie aus dessen Chronik hervorgeht. Nun strebten auch die Forchheimer nach oben, die Hofmann-Brüder und andere Flieger. Georg Bergmann leitete die so genannte "Werkstatt". Sie befand sich im Keller des Gasthauses Schwane. Hier sägten, hämmerten, leimten und schraubten die Bastler nahezu an jedem Winterabend ihre Flugzeuge zusammen, zum Beispiel einen viersitzigen "Specht". Andere Typen waren der "Baby", der "Schulgleiter", der "Spatz".

Markstück von Zigaretten und Bier abgezwackt

Fliegen ist teuer: "Da muss so manches Markstück von den Zigaretten, dem Bier und so weiter abgezwackt werden, um den Bau des neuen Flugzeugs zu finanzieren", schrieb im Januar 1954 die Lokalzeitung. Seit 1953 wurden Leistungsprüfungen geflogen. Penibel wurde festgehalten, wer wie lange wie hoch in der Luft geblieben und welche Strecke er geflogen ist: "Sepp Hofmann hielt sich 45, Rudi Friedrich 30 Minuten, beide auf Muster "Spatz", Toni Neubauer auf "Baby" 43 Minuten" (März 1954). Im März 1953 notierte das Lokalblatt: "Diesmal zeigten auch zwei Fliegerinnen ihr Können. Frl. Förtsch und Fluglehrerin Schreyer, beide Nürnberg, erreichten bei je 45 Minuten Flugzeit 1200 bzw. 950 Meter."

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1954 ist ein Forchheimer Segler am Walberla abgestürzt und tödlich verunglückt, erinnert sich Franz Dittrich, der in der Wiesentstraße aufgewachsen ist (wer noch mehr Erinnerungen oder Dokumente hat: bitte melden). Hunderte Zuschauer folgten den vielen Starts und Landungen, auch der heutige Stadtarchivar Rainer Kestler: "Als kleiner Junge bin ich öfters mit meinem Vater dort hinaus gelaufen. Das war für uns Kinder eine Schau."

Flieger auf den Namen "Stadt Forchheim" getauft

"Dort hinaus" heißt: Nördlich von Sigritzau, auf dem Gelände des Wasserschutzgebietes Zweng. Der LSC konnte nur bis Ende April seine Segler mit Hilfe einer motorbetriebenen Winde starten lassen. Danach forderte die Vegetation ihr Recht: Wurde das Gras zu hoch, wechselten die Segler aufs Walberla und auf den Feuerstein (deswegen war Hofmann im Mai 1957 von dort auf seinen Rekordflug gestartet und nicht von Sigritzau aus).

Der Segelflugsport genoss große Anerkennung: 1954 stand die "Taufe" des neuen LSC-Doppelsitzers an. Sie wurde feierlich auf dem Rathausplatz vollzogen. Oberbürgermeister Steinmetz taufte den Flieger auf den Namen "Stadt Forchheim". Auch das Forellen-Wappen zierte das Fluggerät. Stadtpfarrer Fiedler nahm die kirchliche Weihe vor. Der Flug in die Höhe, sagte Fiedler, sei Sinnbild für das "sursum corda" ("Hoch die Herzen") eines "ernsten sittlichen Strebens". Fotograf Heinz Brinke hielt die Szene im Bild fest. 

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