Tödlicher Flugzeugabsturz in fränkischem Kindergarten: Schockstarre in Ebermannstadt

17.3.2021, 16:03 Uhr
Hier wird für längere Zeit kein Kind mehr spielen: Die Unfallstelle auf dem Außengelände des integrativen Kindergartens an der Burg Feuerstein. Die Cessna schlug hier am frühen Dienstagabend auf dem Boden auf, der 64-jährige Pilot erlag noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen. Weil aus dem Wrack Treibstoff auslief, bleibt der Außenspielbereich vorerst gesperrt.

Hier wird für längere Zeit kein Kind mehr spielen: Die Unfallstelle auf dem Außengelände des integrativen Kindergartens an der Burg Feuerstein. Die Cessna schlug hier am frühen Dienstagabend auf dem Boden auf, der 64-jährige Pilot erlag noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen. Weil aus dem Wrack Treibstoff auslief, bleibt der Außenspielbereich vorerst gesperrt. © Foto: Eduard Weigert

Es ist Mittwochmorgen, der Himmel klar und blau, auf den oberen Hängen des Feuersteins liegt noch ein dünner Schneeteppich – Überbleibsel eines örtlichen Sturms. Vor knapp 16 Stunden hat hier ein Mann sein Leben verloren.

Der 64-jährige Pilot eines einmotorigen Kleinflugzeuges stürzte am Dienstagabend mit seiner Maschine auf das Gelände des integrativen Kindergartens neben der Burg Feuerstein. Er erlag noch im Wrack seinen Verletzungen. Kripo, Staatsanwaltschaft und ein Sachverständiger der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermitteln zur Stunde noch, wie es zu dem tödlichen Unglück kommen konnte.

Nichts rührt sich

Knapp 2,5 Kilometer Luftlinie westlich des Absturzortes war der 64-Jährige nachmittags in seiner privaten Cessna vom Flugplatz Feuerstein gestartet. Am Morgen danach rührt sich auf der Start- und Landebahn nichts, der Ort scheint, wie der gesamte Berg, in Schockstarre zu verharren. Alle für heute angesetzten Flüge sind abgesagt.

Im Tower sucht Tanja Adamski nach Worten. "Wir sind alle schockiert. Es ist schwer zu begreifen. Es muss sich jetzt erst mal alles setzen." Ihre Stimme ist ruhig und klar, doch aus den Augen über ihrer Schutzmaske sprechen Fassungslosigkeit und Trauer: Die Betriebsleiterin des Flugplatzes hatte vor seinem Abflug noch mit dem Piloten geplaudert, "wir sind hier an diesem Tisch gesessen". Eine Stunde später war er tot.

Insgesamt 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, vom Technischen Hilfswerk und der Polizei waren am Dienstagabend vor Ort. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt, die Ermittlungen laufen. Mehr Bilder auf www.nordbayern.de/forchheim.

Insgesamt 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, vom Technischen Hilfswerk und der Polizei waren am Dienstagabend vor Ort. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt, die Ermittlungen laufen. Mehr Bilder auf www.nordbayern.de/forchheim. © Foto: NEWS5 / Merzbach

Sie beschreibt den Verstorbenen als erfahrenen Piloten mit eigenem Motor- und Segelflugzeug. Als einen Ortsansässigen, der sich für den Flugplatz und die Flugschule, als deren Mit-Geschäftsführer und -Vorstand, sehr engagiert habe. Der seit 40 Jahren geflogen sei – "und das regelmäßig zwei, drei Mal die Woche". Die Gegend, ihre Gegebenheiten: Er habe sie gekannt "wie seine Westentasche". Auch im Winter sei er geflogen, "er hatte also keine Trainingslücke, die so oft im Frühjahr auftritt, weil über den Winter weniger geflogen wird".

Im Kita-Garten abgestürzt

Auch keinerlei Flugfehler des 64-Jährigen habe es in der jüngeren Vergangenheit gegeben, so Adamski. Darum ist sie ratlos, wie es zu der tödlichen Bruchlandung am Kindergarten kommen konnte. "Wir vermeiden selbstverständlich das Überfliegen von bewohntem Gebiet", sagt sie. Die Unfallstelle befinde sich außerhalb der vom Tower festgelegten An- und Abflugrouten, der Pilot müsse folglich von der Regel-Anflugsroute abgekommen sein.

Zum Startzeitpunkt sei das Wetter einwandfrei gewesen, "es war nicht superschön, aber man konnte problemlos fliegen". Schauer könnten sich in solchen Höhenlagen zwar relativ schnell entwickeln, erklärt Adamski. "Es mag sein, dass der Schnee mit eine Rolle gespielt hat. Aber die Ermittlungen laufen ja noch, bis dahin ist alles Spekulation."

Inzwischen der vierte Vorfall

Das Unglück von Dienstag ist der inzwischen vierte Vorfall binnen weniger Wochen, der sich auf dem Feuerstein ereignet hat: Wie berichtet, landete Ende Februar eine Cessna mit eingefahrenem Fahrwerk auf dem Flugplatz. Wenige Tage später blieb ein Segelflugzeug in den Baumkronen hängen. Und Anfang März knickte das Fahrwerk eines Ultraleichtflugzeugs beim Landen ein. In allen drei Fällen wurde die Maschine stark beschädigt, aber niemand verletzt. Dass es so viele Unfälle in so kurzer Zeit gibt nennt Adamski einen "unglücklichen Zufall". Im Fall des Ultraleichtflugzeugs habe es sich um einen Materialfehler gehandelt, beim Segelflieger und dem nicht ausgefahrenen Cessna-Fahrwerk "vermutlich um Pilotenfehler". Die Betriebsleiterin betont: "Diese Unfälle hätten auf jedem anderen Flugplatz geschehen können."

Im Schockzustand befindet man sich auch auf dem Flugplatz Burg Feuerstein. Am Mittwoch wurden alle geplante Flüge gestrichen.

Im Schockzustand befindet man sich auch auf dem Flugplatz Burg Feuerstein. Am Mittwoch wurden alle geplante Flüge gestrichen. © Foto: Eduard Weigert

Beim Landeanflug aus westlicher Richtung gibt es auf dem Feuerstein die Besonderheit, dass sich bei starkem Ostwind am steilen Hang ein "Lee" entwickelt, erklärt Adamski. "Dann fällt sozusagen der Wind am Hang hinten herunter." Ein bekanntes Phänomen, das es bei vielen auf Anhöhen gelegenen Flugplätzen gebe. "Jeder unserer Piloten weiß das und richtet sich darauf ein." Der Feuerstein sei insofern nicht gefährlicher oder ungefährlicher als andere vergleichbaren Flugplätze. Auch die Polizei sieht derzeit keine Zusammenhänge zwischen den Unfällen.

"Wir Flieger sind alle Sicherheitsfanatiker", sagt Adamski. "Aber man darf nie vergessen, dass immer ein Restrisiko bleibt." Denn: "Fliegen ist nicht Schachspielen. Wir bewegen uns da als Menschen in einem Element, das nicht zu uns gehört."

"Wir sind alle geschockt"

Die Scherben, zumindest die sichtbaren, sind zusammengekehrt. Doch die Stimmung im integrativen Kindergarten neben der Burg ist alles andere als aufgeräumt. Wie auf dem Flugplatz herrscht hier heute kein "Normalbetrieb", die 18 Kiga-Kinder müssen mindestens für die Restwoche zu Hause bleiben – zwei Wochen, nachdem man im Zuge der Corona-Lockerungen endlich wieder öffnen konnte. Als die Cessna durch die Bäume brach und auf dem Spielgelände direkt neben dem Kita-Bau einschlug, ist auch ein Fenster im größten Raum des Kindergartens zerschellt. Ob durch Trümmerteile oder Äste? Einrichtungsleiterin Christine Förtschlanger kann es nicht sagen. "Wir sind alle geschockt."

Winzig kleine Splitter haben sich im ganzen Raum verteilt, auf und in den Möbeln, Kissen, Teppichen, Sofas. "Vieles werden wir wohl wegwerfen müssen", sagt Förtschlanger. Sie weiß: Das Unglück hätte noch gravierende Ausmaße annehmen können, hätten sich zum Absturzzeitpunkt (gegen 17.30 Uhr ) Menschen im Gebäude oder auf dem Kiga-Spielplatz aufgehalten. Doch die Kinder waren bereits abgeholt und die Dienstags-Besprechung des vierköpfigen Betreuer-Teams war bis 16 Uhr beendet.

Den Außenbereich werden die Kinder über längere Zeit nicht nutzen können, nicht nur weil Zaun und Spielgeräte demoliert wurden: "Der Boden, die Hackschnitzel, der Sandkasten, alles ist kontaminiert durch das ausgelaufene Kerosin und muss komplett abgegraben werden", sagt die Leiterin. Die Sanierung wird aufwändig und teuer. Kiga-Träger ist ein privater Verein mit 50 Mitgliedern. Förtschlanger: "Unser Budget ist ohnehin knapp genug. Auf solche tragischen Unglücke sind wir nicht vorbereitet. Wir sind jetzt für jede Art von Spende dankbar."

Kontakt zum integrativen Kindergarten Feuerstein unter Telefon (0 91 94) 54 92 oder integrativer-kiga@t-online.de

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