Tracht ist Pracht: Schick mit Mieder, Schürze und Auszier

25.9.2017, 10:00 Uhr
Dass Tracht keineswegs verstaubt daher kommen muss, bewiesen Sandra Müller und Theresa Emmerling.

Dass Tracht keineswegs verstaubt daher kommen muss, bewiesen Sandra Müller und Theresa Emmerling.

Auf dem kleinen Markt im Inneren hat Heide Oettner aus Nürnberg, etwas versteckt in einer Ecke des "Kaisersaales", echte Schätze zu bieten. Keine nachgemachten oder auf alt getrimmten Stücke, sondern "originale Perlentaschen aus der Biedermaierzeit und Leinen, das über 100 Jahre alt ist".

Die gestifteten und gefädelten Bündchen der Hemden sind so nur noch ganz selten zu sehen. Damit sticht sie als "Traditionalistin" etwas aus der Menge heraus, in der neue Impulse wie der Trachtenpunk mit neuen Stoffen in alten Schnitten das Bild beherrschen.

Für die passende Flechtfrisuren sorgten Azubis von „Meininghaus“.

Für die passende Flechtfrisuren sorgten Azubis von „Meininghaus“.

Derweil erklärt Bernd Zeisberger als Waldfenster in der Rhön einer Besucherin, wie man ein Wickelstirnband anlegt, das ein wenig an einen Turban erinnert. Der Blick der Männer fällt indes eher auf Schaufelhüte oder Dreispitze. Eine reine Frauenrunde hat sich bei Dagmar Rosenbauer (Kunreuth) eingefunden, um Haarblümchen zu zwirbeln - und ins Gespräch zu kommen. Mittels flinker Finger kommt der zarte Bouillon-Draht rasch in Form. Später fädeln sie noch kleine Glasperlen auf, die den Blütenblättern den letzten Schliff geben sollen.

Die Flechtfrisuren, die später das Kleinod halten sollen, erweckt wenige Meter entfernt Antje Deisenberger zum Leben. Mit Auszubildenden der Friseurakademie Meininghaus ist sie pausenlos über die Köpfe der Besucher gebeugt.

Die hohe Kunst der Knopfherstellung zelebriert Sandra-Janine Müller im Gewölbekeller. Schon beim Zusehen dreht sich einem alles, so handwerklich diffizil ist es, ein rundes Holzplättchen mit Garnen so zu umwickeln, dass nach über einer Stunde ein Zierknopf mit farbigem Muster entstanden ist. Eine Kunst, keine Bastelei.

Als die Modenschau im Innenhof beginnt, hat die Sonne ein Einsehen. So können Walther Appelt (Marloffstein) und Birgit Jauernig (Hallstadt) die neuesten Kreationen fränkischer Trachtenschneider vorstellen. Dabei kommt zur Freude der Franken auch heraus, dass die erste Lederhose um 1770 in Würzburg und nicht in Oberbayern nachgewiesen ist.

Susanne Hinz (Erlangen) hat die Hosenträger, die bei fränkischen Männertrachten zu Unrecht unter der Weste verschwinden, mit reizvoller Stickerei neu gestaltet. Damit "die Strapse des Mannes" mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Als am Ende des Tages das Bamberger Quartett "Boxgalopp" zu den Instrumenten greift, da hält es weder Edwin Dippacher aus Heroldsbach, der als Kreisrat den Rundtanz beherrscht, noch die städtische Kulturreferentin Katja Browarzik auf den Stühlen. Und ob das nun "ein Dreher oder wildes Herumgezappel" ist, das interessiert David Saam am Akkordeon nicht. Die Bühne bebt - die Tracht sie lebt.

 

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