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Trotz Lockdown: Forchheimer Modeladen hat geöffnet

Gewerbetreibende in ganz Deutschland wollen auf ihre prekäre Lage hinweisen - 11.01.2021 16:25 Uhr

Die Polizei verschaffte sich vor Ort in der Forchheimer Apothekenstraße ein Bild der Lage. Nach einer Debatte mit den Ladeninhabern wurde „Christines Damenmode“ wieder geschlossen.

11.01.2021 © Foto: Martin Regner


"Durch den Lockdown stehen wir an der Wand", erklärt André Sareng auf telefonische Nachfrage dazu. Mit der Aktion wolle man "ein Zeichen setzen" und aufzeigen, wie ernst die Situation für den Einzelhandel ist. Damit reihen sich die Sarengs mit ihrem Laden "Christines Damenmode" ein in eine bundesweite Initiative von protestierenden Gewerbetreibenden, die unter dem Titel "Wir machen auf" ihre Geschäfte und Lokale am Montag für den Kundenverkehr öffnen wollten. Organisiert wurde die Aktion über die Sozialen Medien.

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Und tatsächlich steht Christine Sareng am Montag um 10 Uhr in ihrem Geschäft, die Ladentür ist aufgesperrt, das Licht brennt. Im Laden versammelt sich ein kleines Grüppchen von fünf bis sechs Personen. Manche der Anwesenden tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung, manche nicht. Das Grüppchen steht eng beisammen und man unterhält sich, der corona-konforme Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Personen wird nicht gehalten.

Debatte auf der Straße

Die NN-Redaktion entschließt sich, zu Recherchezwecken bei der Polizei nachzufragen, ob die Aktion im Modeladen regelkonform ist oder nicht. "Wir schicken jemanden vorbei", antwortet der Polizist am anderen Ende der Telefonleitung. Tatsächlich ist wenige Minuten später eine Polizeistreife vor Ort. Auf der Straße vor der Ladentür wird lebhaft debattiert, ob das Geschäft geöffnet bleiben darf oder wieder geschlossen werden soll.

"Wir müssen das jetzt mit dem Landratsamt klären", sagt einer der beiden Beamten im Gespräch zu den Ladeninhabern. Auf die Frage von Christine Sareng, warum die Beamten gekommen sind, erklärt der Polizist, die Presse habe die Polizei verständigt "und ich finde das auch widerlich, dass wir vorgeschickt werden, damit die Presse was zum Berichten hat." Man habe Verständnis für die Nöte der Einzelhändler aber die Vorschriften müssten eingehalten werden: "Wir von der Polizei sitzen da zwischen allen Stühlen".

Auf Nachfrage der NN-Redaktion meint ein Sprecher der Forchheimer Polizei, die Formulierung "widerlich" sei unglücklich gewählt. Näheres müsse man nun zunächst polizeiintern mit den beiden Streifenbeamten besprechen, die vor Ort waren. Der Laden der Sarengs sei noch am Montagvormittag wieder geschlossen worden, Details dazu wisse das Ordnungsamt des Landratsamts, von dem ein Vertreter ebenfalls vor Ort gewesen sei: "Die Polizei leistet in solchen Fällen nur Amts- und Vollzugshilfe."

Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt, bestätigt auf Nachfrage, dass das Geschäft in der Apothekenstraße aufgrund der geltenden Vorschriften wieder schließen musste. Welche Angebote von Gewerbetreibenden den Corona-Regeln entsprechen und welche nicht, müsse im Zweifel immer im Einzelfall entschieden werden, so Strehl weiter: "Dabei orientieren wir uns an den Vorgaben des Bayerischen Innenministeriums und des Bayerischen Gesundheitsministeriums."

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MARTIN REGNER E-Mail

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