Versteckt in der Fränkischen: Weltmarktführer aus dem Kreis Forchheim

18.1.2020, 17:52 Uhr
In Moggast hat die Firma Messtechnik EMCC Rasek ihren Sitz. Hier Chefin Nathalia A. Rasek-Abach und Mitarbeiter Benjamin Wolf.

In Moggast hat die Firma Messtechnik EMCC Rasek ihren Sitz. Hier Chefin Nathalia A. Rasek-Abach und Mitarbeiter Benjamin Wolf. © Foto: Roland Huber

Kaum jemand weiß oder ahnt, dass im Landkreis Forchheim vier so genannte Hidden Champions, also Weltmarktführer in ihrer Branche, angesiedelt sind. In Oberfranken sind es nach Angaben der IHK für Oberfranken Bayreuth insgesamt sogar 74.

Wie blicken diese Firmen in die Zukunft? Wie sind diese in Sachen Wirtschaft 4.0 aufgestellt und den Anforderungen der Digitalisierung gewachsen? Wir haben zwei dieser Firmen besucht und wollten wissen, wie sie die Herausforderungen der Zukunft jeweils zu stemmen versuchen.

Versteckt in der Fränkischen

Wahrlich versteckt liegen die Labore und Testhallen der Firma EMCC Rasek im schönen Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz. Thema von EMCC ist vereinfacht gesagt: Wie beeinflussen elektromagnetische Strahlungen elektrische Kleingeräte oder große Fahrzeuge und Flugzeuge? Wie verhält es sich mit der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV)?

An den beiden Standorten in Moggast und Unterleinleiter wird in den teilweise riesigen Prüfkammern und Laboren sowie einem Freifeldmessplatz in Unterleinleiter vor Ort getestet, ob bei Typen wie dem Airbus A380, der Boeing 787, bei Kampfflugzeugen und Helikoptern, an Panzern und Kranwagen getestet, ob sie auch bei starker elektromagnetischer Strahlung oder Blitzschlag noch funktionieren und wie viel dieser Strahlung sie selber abgeben.

Viele Test-Aufträge kommen aus dem militärischen Bereich, 70 Prozent davon aus dem Ausland, sagt Nathalia A. Rašek-Abach, die das Unternehmen mit ihrer Mutter Eva Rašek und ihrem Mann Ingenieur Andreas Abach leitet. Insgesamt 80 Mitarbeiter hat das Unternehmen an den beiden Standorten.

Schnelles Internet fehlt

"Die Umstände für ein einwandfrei funktionierendes, digitalisiertes Doing Business sind eher dürftig", sagt Nathalia A. Rašek-Abach. LTE funktioniere in Moggast nicht, schnelles Internet sei dürftig, man benötige Geduld, bis etwa ein Pdf-Anhang vom PC oder Tablet heruntergeladen ist. Vom Standort Unterleinleiter zum Standort Moggast gebe es eine Standleitung, was natürlich auf Eigenkosten laufe.

Die Politik habe nach Ansicht der Firmenchefin den Anschluss verpasst, ein umfassender Breitbandausbau hätte früher starten müssen. "Die Politik ist teilweise zu langsam und kompliziert", sagt sie.

EMCC sei stark von Politik und Entscheidungen der EU abhängig, falle in Brüssel eine wichtige, für EMCC relevante Entscheidung oder gebe es eine neue Richtlinie, dauere es lange, bis diese dann in Deutschland umgesetzt werde. Dann heißt es wieder – Warten.

Motivierte und lernbereite Mitarbeiter

Aber Vorteil der EMCC Standorte in der fränkischen Schweiz ist: "Hier gibt es keine Industrie, keine Hochspannungsleitung – also fast nichts, was unsere Messungen und Tests stören kann."

Wenig Probleme hat Nathalia A. Rašek-Abach mit dem Thema Mitarbeitersuche und Personalfindung: "Einen Fachkräftemangel gab es eigentlich schon immer, gerade in unserem Bereich, da mein Vater als Pionier die Labore ja aus dem Nichts in einer damals noch jungen, unbekannten Branche aufgebaut hat."

Gabriele Hohenner ist seit 2017 Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth.

Gabriele Hohenner ist seit 2017 Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth. © Foto: Beke Maisch

EMCC habe aber Glück, sagt Nathalia A. Rašek-Abach: "Wir haben hoch motivierte und lernbereite Mitarbeiter wie Ingenieure, Physiker und Techniker bis hin zu Kaufleuten mit vielen anderen Schwerpunkten, die auf dem Land abseits der Ballungszentren leben möchten, Familien gründen, Häuser zu günstigen Bedingungen bauen wollen."

Ganz wichtig für die Firmenchefin ist ihre Strategie: "Unsere Strategie war immer, wir wachsen aus uns selbst. Wir sind unabhängig, gehören niemandem, sind privat. Und das soll auch so bleiben."

Kunden in Ägypten oder Dubai

Auf der Besuchsliste stand als Station Nummer zwei die Forchheimer Firma. Die Kundenliste der Firma AdPoS (Advanced Power Systems) ist lang: Sie sitzen in Deutschland, aber auch Ägypten, Vietnam, Surinam, Sudan oder Dubai und vielen weiteren Ländern.

Die AdPoS GmbH entwickelt und produziert USV-Anlagen für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und Spannungsschutz. "Vom einzelnen PC bis hin zu Großrechenzentren bieten wir mit unseren Anlagen einen permanenten Stromfluss ohne Unterbrechung – falls mal irgendwo der Strom ausfällt oder unterbrochen wird", sagt Geschäftsführerin Alexandra Pförtner. Vor allem in Fabriken oder Krankenhäusern seien ihre Geräte gefragt und schlichtweg lebensnotwendig.

Es gibt nie die Standardlösung

"Unsere Arbeit beginnt bei der kundenspezifischen Planung, das heißt, es gibt keine Standardlösung für alle Kunden. Streng genommen fallen wir nicht unter den Bereich Wirtschaft 4.0, bei dem alle Produktionsabläufe wiederholt digitalisiert ablaufen können. Jedes Geschäft gleicht fast einer Maßanfertigung."

In der Firma in Forchheim arbeiten im Moment 15 Mitarbeiter. "Wir arbeiten eng mit unseren Vertriebspartnern zusammen, ob In- oder Ausland. Diese werden vertrieblich und auch technisch von uns geschult und übernehmen die Vermarktung und Installation unserer Geräte."

Insgesamt ziemlich entspannt

Zukünftigen Herausforderungen sieht Alexandra Pförtner, die den Betrieb zusammen mit ihrem Ehemann, Geschäftsführer Günter Pförtner, leitet und das Unternehmen im Juli 2019 vom Gründer, ihrem Vater Walter Sacher übernommen hat, im Großen und Ganzen entspannt entgegen: "Wir erhalten von unseren Partnern zusammen Feedback aus dem Markt, wir wissen schnell, was gebraucht wird.

Durch die enge Bindung zu unseren Anlagebauern in den Fabriken haben wir genügend Zeit, auf entsprechende Anforderungen kurzfristig zu reagieren. Auch Pilotprojekte wie das BOSnet-Projekt für die Polizei in Brandenburg konnten durch unsere lang gewachsenen Netzwerke realisiert werden. Bei diesem Projekt wurde die Energiequelle Batterie durch die eine leistungsstarke Brennstoffzelle abgelöst – ein Novum", erklärt die Chefin.

Problem: Personalmangel

Die Strategie von AdPoS ist also: Schnelle, maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden finden, After Sales Services anbieten und Neuerungen wagen. Einziges und größtes Problem ist der Personalmangel. "Ich denke, unsere Branche ist eine von vielen mit großem Fachkräftemangel," sagt sie. Ihr Tipp: Wer jetzt die Schulbank drückt und nicht schlüssig ist, was er werden möchte - in der Elektrobranche macht er auf jeden Fall keinen Fehler, da sich hier ein wichtiger und krisenfester Zukunftsmarkt langfristig entwickeln werde.

Viele Herausforderungen warten auf die Unternehmen in der Region Forchheim. Eine davon ist die Digitalisierung. Wie die Firmen damit umgehen, entscheiden über die Arbeitsplätze von Morgen.

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