Virenfreie Luft im Klassenzimmer? So steht es um Luftreiniger im Kreis Forchheim

Jana Schneeberg
Jana Schneeberg

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7.2.2021, 07:58 Uhr
Luftreinigungsgeräte, die etwa so groß sind wie ein Kühlschrank, wurden an die Forchheimer Grundschulen ausgeliefert. In einem Klassenzimmer der Anna-Grundschule, in dem gerade die Notbetreuung stattfindet, soll das Gerät für virenfreie Luft sorgen.

© Foto: Stefan Hippel Luftreinigungsgeräte, die etwa so groß sind wie ein Kühlschrank, wurden an die Forchheimer Grundschulen ausgeliefert. In einem Klassenzimmer der Anna-Grundschule, in dem gerade die Notbetreuung stattfindet, soll das Gerät für virenfreie Luft sorgen.

50 Millionen Euro hat die bayerische Staatsregierung zur Verfügung gestellt, damit die Träger von Kitas und Schulen die Räume, in denen Kinder lernen und spielen, mit speziellen Raumlüftern ausstatten können. Ziel ist es, potenzielle Coronaviren aus der Luft zu filtern und damit das Infektionsrisiko in den geschlossenen Räumen zu senken.


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Die Stadt Forchheim hat dabei einen großen Wurf gemacht und für alle ihre Grundschulen insgesamt 84 Lüfter angeschafft. "Die Anzahl bemisst sich dabei nicht auf die Klassenräume, sondern auf die Anzahl der Klassen", erklärt die Stadt als Antwort auf eine NN-Anfrage. Zusätzlich wurden 133 CO2-Ampeln gekauft, die nun in jedem Klassenzimmer montiert werden.

Halb so viel Aerosol

In der letzten Januarwoche wurden die Geräte geliefert. Dabei soll die Technik die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln nicht ersetzen, sondern ergänzen. Wird Präsenzunterricht wieder möglich, soll der Praxiseinsatz ungefähr so aussehen: Der etwa Kühlschrank große, mobile Raumlüfter wird nach Herstellervorgaben entweder in der Mitte des Raumes oder am hinteren Ende positioniert und saugt hier die Raumluft an.

Diese durchläuft im Inneren fünf Filter, darunter einen so genannten Hocheffizienzfilter Hepa H-14. Dieser und ein Erhitzen der Luft im Gerät auf über 70 Grad soll dafür sorgen, dass Viren inaktiv werden und das Infektionsrisiko sinkt. Der Hersteller wirbt mit einer Halbierung der Aerosolkonzentration im Raum in drei bis 15 Minuten.

Parallel dazu ist die CO2-Ampel im Einsatz. "Es wurde von der Stadtverwaltung ein Modell mit einer großen LED-Anzeige ausgewählt, die wie bei einer Verkehrsampel in den Farben Grün-Orange-Rot leuchtet und auf diese Weise die Schwellwerte der CO2-Konzentration im Klassenzimmer optisch gut erkennbar signalisiert", heißt es in der Erklärung der Stadt. Springt die Ampel auf Gelb, signalisiert das der Lehrkraft, dass es Zeit fürs Lüften ist.

Ziel: Normalen Präsenzunterricht zu ermöglichen

Ziel ist es, mit Hilfe dieser Gesamtmaßnahmen einen relativ normalen Präsenzunterricht zu ermöglichen. Die Stadtverwaltung hatte sich beim Bestellen der Raumlüfter Ende 2020 erhofft, dass sich mit deren Anschaffung der Wechsel in den Distanzunterricht vielleicht vermeiden ließe. Aus diesem Grund und weil er das Fensterlüften im Winter auf Dauer als nicht tragbar gesehen habe, hat sich Oberbürgermeister Uwe Kirschstein um diese Lösung bemüht. Insgesamt beläuft sich die Investition auf 260 000 Euro.Damit ist die Stadt deutlich über die zu der Zeit geltenden Förderrichtlinien hinaus gegangen. Inzwischen seien die Förderanträge jedoch gestellt.

Die CO2-Ampel steht auf grün: Das bedeutet, das Klassenzimmer muss noch nicht gelüftet werden. Springt sie auf Gelb, dann heißt es: Fenster auf.

Die CO2-Ampel steht auf grün: Das bedeutet, das Klassenzimmer muss noch nicht gelüftet werden. Springt sie auf Gelb, dann heißt es: Fenster auf. © Foto: Stefan Hippel

Das Infektionsgeschehen hat die anfänglichen Pläne der Stadt überholt. Dennoch ist der OB überzeugt, dass sich ein positiver Effekt beim Rückkehr in den (eventuell geteilten) Präsenzunterricht einstellen wird. Sein Wunsch: Die Staatsregierung sollte bei weiteren Entscheidungen über Distanzunterricht auch berücksichtigen, wie die Schulen vor Ort ausgestattet sind. "Die Bemühungen der Kommunen, ihre Schulen, für die sie verantwortlich sind, bestmöglich auszustatten, sollte auch gewürdigt und gehört werden", findet er.

Nur wenige haben im Rahmen des Förderprogramms Raumlüfter bestellt

Mit dieser Herangehensweise hebt sich die Stadt Forchheim von anderen Kommunen im Landkreis ab. Nur wenige haben bis jetzt im Rahmen des Förderprogramms Raumlüfter für die Schulen und Kitas in ihrer Trägerschaft bestellt. Der Schulverband Dormitz und Hetzles hat insgesamt 20 Geräte für die beiden Schulhäuser bestellt. In Effeltrich wurden fünf Lüfter geordert.

Andere Gemeinden beließen es bei der Anschaffung von CO2-Messgeräten. "Die CO2-Ampeln halten wir für sinnvoll, weil sie einen Anhaltspunkt dafür geben, wann gelüftet werden muss", erklärt zum Beispiel Andreas Kirchner, Geschäftsstellenleiter der Stadt Ebermannstadt. In Sachen Lüftungsgeräte hingegen habe man sich mit der Schulleitung der Grund- und Mittelschule ausgetauscht und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Klassenzimmer über ausreichende Lüftungsmöglichkeiten verfügen.

Fördermittel nicht garantiert

So ähnlich lief es auch in Gräfenberg, Hallerndorf und Igensdorf. "Es lag auch daran, dass sich in der ersten Runde die Fördermittel nur auf die wenig lüftbaren Räume bezogen hat", erläutert der Igensdorfer Geschäftsleiter Michael Pfundt. Nun sei die zweite Runde nur mit finanziellen Restmitteln der ersten ausgestattet und funktioniere nach dem Windhund-Prinzip: "Da gibt es keine Garantie, dass man die Fördermittel dann auch tatsächlich erhält."

Die Gemeinde Hausen geht in Sachen Lüftung einen nochmals anderen Weg. Neben den CO2- Ampeln soll in jedem Klassenzimmer eine selbstgebaute Abluftanlage nach einer Idee des Max Planck-Instituts installiert werden. Die Forscher haben mit Baumarkt-Materialien ein Abluftsystem entwickelt, mit dessen Hilfe 90 Prozent der Aerosol-Partikel entfernt werden können. Mit Hilfe der Mitarbeiter des Bauhofs und einem finanziellen Einsatz von 5000 Euro sollen alle Klassenzimmer der Hausener Grundschule damit ausgestattet werden.

Nur dort, wo schwer gelüftet werden kann

300 CO2-Warngeräte und acht Luftreiniger hat der Landkreis Forchheim als Träger der weiterführenden Schulen angeschafft. "Dass es nur so wenige Geräte sind, liegt an den Förderrichtlinien, sowie an der bereits vorhandenen Ausstattung der landkreiseigenen Schulen", erklärt Hochbauamtsleiter Walter Neuner. So kommen die Lüfter nur dort zum Einsatz, wo Räume schwer gelüftet werden können. "Einer an der Realschule Ebermannstadt, einer am Ehrenbürg- und zwei am Herder-Gymnasium, drei am Berufsschulzentrum und einer an der Pestalozzischule", zählt er auf.

Er verweist darauf, dass der Landkreis mit seinem Schulsanierungsprogramm bei den generalsanierten Häusern Raumlüftungsanlagen eingebaut habe. "Die ziehen Frischluft vom Dach ab und leiten sie in die Klassenzimmer." Die Anlagen seien für eine Belegung von 25 Schülern ausgelegt. "Wenn beim geteilten Unterricht das Klassenzimmer mit vielleicht 15 Schülern belegt ist, reicht die Frischluftzufuhr definitiv aus", ist er überzeugt.

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