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Warum vielerorts die Hundesteuer im Kreis Forchheim angehoben wird

In manchen Gemeinden sorgt die Entsorgung der Hinterlassenschaften von Hunden für Diskussionen - 05.12.2020 08:54 Uhr

Die Freunde Max Braun und Carola Gasteiger gehen mit ihren Hunden in Egloffstein Gassi, dem fünfjährigen Pako (li) und der zweijährigen Mika (re). Beide sind Therapiehunde, Pako ist auch ausgebildeter Lesehund.

04.12.2020 © Foto: Edgar Pfrogner


"Ja, sag amal . . . kommst du her?! Zefix!", ruft Carola Gasteiger ihrem Paco zu. "Wenn ich schimpfe, nenne ich ihn Zefix", erzählt sie lachend. Kurz bevor sie an die Straße kommt, wird sie ernst, ihre Stimme fest und laut. "Vorher waren wir in der Natur, mit dem Schimpfen erinnere ich ihn, dass nun die Straße kommt, er aufpassen und bei mir bleiben soll", erklärt sie. Er hört auf ihr Kommando. "Ich will nur die vielleicht fünf Prozent Restrisiko ausschließen, damit nichts passiert."

Paco, fünfeinhalb Jahre alt, war in Rumänien ein Straßenhund und hat wohl auch Schlimmes erlebt. "Er hat Angst vor Männern. Ich weiß nicht genau, was er erlebt hat, aber in bestimmten Situationen bekommt er große Angst", erzählt die 40-Jährige.

Im Pflegeheim im Einsatz

Dabei nimmt Paco anderen Menschen die Angst und schenkt Lebensfreude: Als ausgebildeter Therapie- und Lesehund ist er in Pflegeheimen im Landkreis im Einsatz – nur aktuell lässt dies die Corona-Lage nicht zu. "Da gibt es ganz, ganz emotionale Momente", erzählt die Egloffsteinerin. Eine Demenzpatientin habe sich zunächst nicht so getraut. "Später hat sie Vertrauen zu Paco gefasst, sich total über ihn gefreut und er lag bei ihr auf dem Bett", erinnert sie sich. "Wo ich vorher gelebt habe, habe ich 75 Euro für den ersten und 150 Euro für den zweiten Hund bezahlt. Hier zahle ich für Paco 45 Euro Hundesteuer, das ist total okay", sagt sie.

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Die Hundesteuer ist eine örtliche Aufwandsteuer. Jede Gemeinde entscheidet selbst, ob sie das Halten von Hunden besteuert. Mit dem Betrag besteuert sie den Aufwand, der entsteht. So steht es in der Mustersatzung für die Erhebung einer Hundesteuer. Diese hat die bayerische Regierung im August 2020 überarbeitet.

Nun wird in einigen Orten die bisherige Satzung überarbeitet, jüngst zum Beispiel in Hausen (wir berichteten). Bislang hatte die Gemeinde bei Änderung der Berechnungsgrundlage – wenn der Hund zum Beispiel während des Jahres verstarb – den gezahlten Steuerbetrag anteilig nach Monaten an den Besitzer zurückgezahlt. Das habe der Verwaltung unverhältnismäßig hohen Aufwand bereitet, hieß es im Gemeinderat. Das wurde nun geändert. Auch, was man unter Kampfhunden versteht, wurde in der Satzung angepasst.

Carola Gasteiger und Paco sind mit Max Braun aus Egloffstein und Hündin Mika unterwegs. "Hunde gehören einfach zur Familie", sagt der 32-Jährige. Ein bisschen seien sie auch wie ein Kind: "Man pflegt sie, wenn sie krank sind, sie brauchen Aufmerksamkeit und bringen einen jeden Tag zum Lachen."

Bürger leeren Mülleimer selbst

In Egloffstein ist die Satzung 2006 zur Anhebung der Steuer zuletzt geändert worden. Aktuell liegt sie bei 45 Euro für den Erst-, 75 Euro für den Zweithund. 194 Vierbeiner sind gemeldet, was Steuereinnahmen von jährlich 8800 Euro entspricht. "Die Hinterlassenschaften sind oft Thema, da entsteht Kommunen Mehr-Aufwand", so Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU). Derzeit sei nicht geplant, die Steuer anzuheben. In Affalterthal, wo viele Hunde leben, haben sich Bürger der Thematik selbst angenommen.

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"Bürgerinnen und Bürger haben Abfallkörbe aufgestellt, bestücken und leeren sie", berichtet Förtsch. Nur vereinzelt gebe es Nachfragen nach Abfalleimern. "Viele entsorgen die Tüten über den Haus- und Restmüll." Förtsch ist selbst Hundebesitzer: "Er ist der beste Kumpel des Menschen, er schenkt Menschen so viel."

Mit 50 Euro "relativ günstig"

In Neunkirchen sind 452 Hunde gemeldet. "Die Hundesteuer anzuheben ist angedacht, wahrscheinlich noch nicht nächstes Jahr. Das Thema ist auf der Prioritätenliste nicht ganz oben", sagt Bürgermeister Martin Walz (CSU). Sie beträgt 50 Euro für den Ersthund. "Wir sind relativ günstig." Kotbeutel und Mülleimer sind je an den Ortsausgängen aufgestellt. "Handlungsbedarf haben wir, weil einige wenige es nicht schaffen, den Kot richtig zu entsorgen. Manchmal liegt der volle Beutel genau neben einem Mülleimer." Walz betont, dass es sich dabei um eine Minderheit handelt. "Es gibt viele vernünftige Besitzer. Es sind einige wenige und die machen halt echt viel Ärger."

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Für großes Erstaunen hat beim Gassigehen in Egloffstein mal eine besondere Begegnung gesorgt: "An einer Böschung ist plötzlich ein Reh aufgetaucht und hat einen Satz über Paco drüber gemacht. Er ist so erschrocken, dass er sich sprichwörtlich in die Hose gemacht, nämlich angepinkelt hat", erinnert sich Carola Gasteiger.

15 Dog-Stations

In Ebermannstadt sind 402 Hunde gemeldet, Tendenz steigend. Im Stadtrat wurde eine Erhöhung der Steuer beschlossen (wir berichteten): Von 50 auf 60 Euro für den Erst-, 100 auf 120 Euro für den Zweithund. Seit der letzten Erhöhung 2011 habe der Aufwand zugenommen, betont Kämmerer Wolfgang Krippel: Es gibt 15 Dog-Stations, Stückkosten 425 Euro. Die Anschaffung der Kotbeutel koste pro Jahr 1050 Euro, die Entsorgungskosten machen 900 Euro aus. 430 Arbeitsstunden werden für den zeitlichen Aufwand der Bauhofmitarbeiter angesetzt, 90 Stunden Verwaltungsaufwand allein für das An- und Abmelden der Vierbeiner, was 30 000 Euro Personaleinsatz entspricht.

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In Eggolsheim wird die Hundesteuer laut Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) demnächst auf dem Prüfstand stehen. Die Zahl der Hunde in den zwölf Ortschaften steige. "Wir haben letztes Jahr über 20 Abfallbehälter neu aufgestellt", sagt er. Zuvor war eine Diskussion bezüglich der Entsorgung im Gemeinderat geführt worden. "Voraussichtlich im Frühjahr beschäftigen wir uns mit der Hundesteuer", so Schwarzmann.

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