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Wässerwiesen im Kreis Forchheim sind jetzt Kulturerbe

Taditionelle Wässerung erhält Eintrag in die Verzeichnisse des Freistaats - 26.04.2020 17:00 Uhr

Fortan sind sie Kulturerbe: Die bis ins Mittelalter zurückdatierbaren Wässerwiesen im Landkreis Forchheim. © Landratsamt Forchheim


Im vergangenen Jahr erarbeitete eine Gemeinschaft aus Wässerorganisationen in Schwabach, Nürnberg und im Landkreis Forchheim sowie der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf den Bewerbungsantrag für eine Eintragung in die Verzeichnisse des immateriellen Kulturerbes.

Am 31. März hat nun der Bayerische Ministerrat entschieden, dass die „Wässerwiesen in Franken“ in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen werden.

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Gleichzeitig schlug er eine Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis vor. Eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung spielte das positive Gutachten eines unabhängigen Expertengremiums, das auf Grundlage der Kriterien des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes alle eingereichten Bewerbungen beurteilt.

Tradition aus dem Mittelalter

Die seit dem Mittelalter belegte, meist genossenschaftlich organisierte Wiesenbewässerung diente (und dient) der Ertragssteigerung bei Gras und Heu auf den sandigen, wasserdurchlässigen und oft nährstoffarmen Böden der vergleichsweise niederschlagsarmen Region zwischen Schwabach/Roth im Süden und dem Raum Forchheim mit dem unteren Wiesenttal im Norden.

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Über Grabensysteme und Wehre gelangt das Wasser aus den Fließgewässern auf die Wiesen, teilweise werden von der Strömung angetriebene Wasserschöpfräder (seit dem Kanalbau: Pumpen) eingesetzt. Wässerwiesen zeichnen sich durch eine sehr hohe Biodiversität aus und erfüllen wichtige Funktionen, für das Stadtklima ebenso wie für die Kulturlandschaft.

In der modernen, zunehmend industriellen Landwirtschaft ist jedoch diese arbeitsintensive alte Kulturform zunehmend von Auflassung bedroht. Trotzdem gehört das Gebiet der Flusstäler der Rednitz, Regnitz und Wiesent europaweit zu den noch am besten erhaltenen Bewässerungssystemen.

Um dieses Kulturerbe im Landkreis Forchheim zu schützen, zu entwickeln und nachhaltig zu erhalten, ist bereits vor drei Jahren das „Wässerwiesen-Projekt“ ins Leben gerufen worden. Es berät und unterstützt die in Wässergenossenschaften organisierten Landwirte als wesentliche Akteure bei der Instandsetzung und -haltung und der umweltschonenden Bewirtschaftung der Bewässerungssysteme im Wiesenttal.

Und eben diese Akteure meint wohl auch der bayerische Finanzminister Albert Füracker, wenn er die Aufnahme in die Landesliste als „ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für den persönlichen Einsatz in Zusammenhang mit dem Erhalt und der Weitergabe von Traditionen“ bezeichnet.

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