Dienstag, 27.10.2020

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Forstwirtschaft in Bayern hat mit Personalmangel zu kämpfen

Trockenheit, Schädlinge, kaum Einnahmen: Waldbesitzer in Franken erschöpft - 16.10.2020 05:57 Uhr

Ein Waldarbeiter macht in einem sturmgeschädigten Areal Holz. Die Arbeit im Forst ist anstrengend und nicht gerade ungefährlich. Weil sie aktuell meist auch ein Draufzahlgeschäft ist, verlieren viele Waldbesitzer das Interesse an der Bewirtschaftung.

© Andreas Arnold/doa


Und weil der Holzverkauf derzeit ein Draufzahlgeschäft ist, überlassen viele Eigentümer ihre Waldflächen weitgehend sich selber.

In den Sommermonaten werkelt Ralf Straußberger frühmorgens gerne noch zwei oder drei Stunden im Forst, bevor er zu seiner Arbeitsstelle nach Nürnberg weiterfährt. Unter anderem lichtet der Waldreferent des Bund Naturschutz in Bayern (BN) immer wieder das Brombeergestrüpp aus, das den frisch gepflanzten Buchen das Licht zum Wachsen nimmt.

"Das macht schon Arbeit. Ich kann gar nicht genau sagen, wie viele Stunden ich da schon investiert habe", sagt Straußberger, der seit 2011 zusammen mit über 30 anderen Waldbesitzern das bislang größte Waldumbauprojekt in bayerischen Privatwäldern betreibt. Unter anderem pflanzten die Initiatoren auf 60 Hektar über 200.000 Rotbuchen, damit auf diesen Flächen im nördlichen Landkreis Roth ein an den Klimawandel angepasster Mischwald entsteht.


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Die Früchte dieser Arbeit werden allerdings erst in einigen Jahrzehnten "reif" sein. "Wer heute einen Baum pflanzt, tut dies nicht für sich, sondern für seine Nachkommen", heißt es bei Waldbesitzern, die auch gerne von einem Generationenvertrag sprechen. Man erntet nicht, was man selber sät, sondern was die Großeltern gesät haben.

Zu viel zusammengekommen

Dieser Generationenvertrag funktioniert allerdings oft nicht mehr, weil in den vergangenen Jahren einfach zu viel zusammengekommen ist: Trockenheit und verheerende Stürme wie zuletzt die Orkane Friederike im Januar 2018 und Sabine nur zwei Jahre später, Schädlinge und nun auch der durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zusammengebrochene Holzmarkt.

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"Man zahlt jahrzehntelang Geld und Arbeitskraft ein und schreibt trotzdem rote Zahlen, weil aktuell selbst die dicksten Bäume ein Verlustgeschäft bedeuten", beschreibt Ralf Straußberger das Dilemma. Auch beim Verkauf von Brennholz und Hackschnitzel zahlen die Anbieter derzeit drauf, da zu viel Holz auf dem Markt ist. "Außerdem ist angesichts der milden Winter in den vergangenen Jahren auch die Nachfrage gesunken. Da sind die Preise extrem nach unten gegangen", berichtet Hans Stromberger, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Heideck/Schwabach.

Die Folge: Zahlreiche Waldbesitzer verlieren das Interesse an der Bewirtschaftung, weil sie auch langfristig keine Perspektive mehr sehen.

Bayern ist Waldbesitzer-Land

"Viele unserer Mitglieder sind körperlich und mental an ihre Grenzen gekommen, weil der Arbeitsaufwand immer höher geworden ist. Und nur aus altruistischen Motiven, weil ein intakter Wald gut fürs Klima und die Umwelt ist, wollen sie sich dann doch nicht abrackern", sagt Hans Ludwig Körner, Sprecher des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, der die Interessen von etwa 160.000 privaten Eigentümern im Freistaat vertritt.

Das ist ein gewaltiges Problem, denn Bayern ist ein Volk von Waldbesitzern. Über 700.000 Bürger im Freistaat nennen irgendwo ein Stück Wald ihr eigen, das oft seit Generationen weitervererbt wurde. Etwa eineinhalb Millionen Hektar – mehr als die Hälfte der Waldfläche im flächenmäßig größten Bundesland Deutschlands – sind in Privatbesitz.

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Im Durchschnitt verfügt ein privater Waldbesitzer allerdings nur über eine Fläche von 2,3 Hektar, und die lassen sich oft nur schwer effizient bewirtschaften. Der Einsatz von zeitsparenden Maschinen rechnet sich da in den meisten Fällen nicht.

Borkenkäfer macht viel zusätzliche Arbeit

Viele Menschen hängen dennoch an ihrem Wald und haben laut Ralf Straußberger auch viel für den Naturschutz übrig. Manche Eigentümer überlassen ihre Waldflächen deshalb weitgehend ihrem Schicksal, was nach Ansicht von Hans Stromberger allerdings auch nicht immer der richtige Weg ist – etwa wenn sich der Borkenkäfer in einem Gebiet eingenistet hat. Dann muss das befallene Holz schnell aus dem Wald heraus, bevor die nächste Käfer-Generation ausfliegt und weitere Gebiete befällt.


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"Die Waldbesitzer sind aber teilweise nicht mehr in der Lage das zu schaffen", warnt Angelika Wachenroth, Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg. Sie fordert daher, dass die staatlichen Forstdienststellen, die in Franken alle "hoffnungslos überlastet" seien, mit dem Personal aus dem weniger betroffenen Südbayern aufgestockt werden. Diese Fachkräfte sollen dabei helfen, das Schadholz zu beseitigen, die betroffenen Waldbesitzer zu beraten und bei der Wiederaufforstung zu unterstützen.

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Oft gibt es auch das Problem, dass viele Waldbesitzer gar nicht mehr hier wohnen und teilweise sogar vergessen haben, dass ihnen irgendwo in unserer Region ein Stück Wald gehört. Doch Eigentum verpflichtet bekanntlich, und wenn sie bei Borkenkäfer-Befall nicht innerhalb der gesetzten Frist tätig werden, beauftragen die zuständigen Behörden ein Spezialunternehmen und stellen die Kosten den Besitzern in Rechnung.

Bundesweit fehlen etwa 10.000 Fachkräfte

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Angesichts der vielfältigen Probleme fordern Naturschützer generell mehr Finanzmittel für mehr Forstpersonal – auch um den Wald durch die Pflanzung von hitzeresistenteren Baumarten auf den Klimawandel vorzubereiten. Bundesweit fehlen nach einer Schätzung des Bundes Deutscher Forstleute (BDF ) etwa 10.000 Fachkräfte in der Forstwirtschaft.

"Nicht wegen eines Fachkräftemangels, sondern weil die Bundesländer die Stellen schlicht und einfach eingespart haben", kritisiert BDF-Vorsitzender Ulrich Dohle. Wie da zum Beispiel das 30-Millionen-Bäume-Programm der Bayerischen Staatsforsten für mehr Klimaschutz zügig umgesetzt werden soll, ist vielen Fachleuten ein Rätsel.


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