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Montag, 20.05.2019

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25 Jahre Stadt: Oberasbach feiert

Zeitzeugen erinnern sich an einen unspektakulären Festakt am 30. April 1994 - 24.04.2019 21:00 Uhr

Kein Jubiläum ohne die passenden Erinnerungsstücke: Rathausmitarbeiterin Acelya Özek präsentiert vor dem Rathaus Schirm und Tasche im Oberasbach-Look. © Hans-Joachim Winckler


Lange nachdenken muss Hermann Spies nicht: "Am Tag des Festakts war ich überhaupt nicht da", sagt der langjährige ehemalige Pfarrer von St. Johannes. Der heute 92-Jährige wanderte mit zwei Kollegen von der französisch-spanischen Grenze auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. In all den Jahrzehnten vorher sei es darum gegangen, erinnert sich der gebürtige Oberpfälzer, dass die Zirndorfer Nachbarn Oberasbach gerne eingemeindet hätten.

Spies war Mitte der 50er Jahre bis 1960 als Kaplan in der Bibertstadt tätig und betreute in dieser Zeit auch die "Filiale Kreutles". Der Kirchenmann weiß noch von einem Zirndorfer Kirchweihwagen zu erzählen, auf dem von "Oberzirnbach" die Rede war. Der langjährige Zirndorfer Bürgermeister Virgilio Röschlein habe ihn einmal gefragt, ob er das Vorhaben nicht mit "anschieben" könne. Doch Spies wusste aufgrund seiner Kontakte: "Das wird nicht einfach." Nicht nur die meisten Bürger, auch die Pfarrerkollegen in Oberasbach wollten eigenständig bleiben.

Als Kreutles zur eigenständigen Kirchengemeinde erhoben wurde, übernahm Hermann Spies dort 1965 seine erste Pfarrstelle und blieb bis 2001. Ein Jahr zuvor wurde er Ehrenbürger – und zwar der Stadt Oberasbach. "Eine Fleiß-Anerkennung" sei das gewesen, sagt er, wobei ein Pfarrer allein nicht viel habe ausrichten können, sondern auf Unterstützung angewiesen war. Und auch wenn es manchmal zwischen dem Kirchenmann, dem sturen Oberpfälzer, und seinen Schäflein krachte, sagt Hermann Spies heute: "Die Oberasbacher haben zusammengehalten."

Manfred Gruber hatte die Feierlichkeiten quasi im eigenen Haus. Im Gebäude des heutigen Gymnasiums, seinerzeit das Schulzentrum Oberasbach, wo sich auch die Realschule befand, ging die Zeremonie im Pausensaal über die Bühne.

Der Höhepunkt: die Überreichung der Stadterhebungsurkunde durch den damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein an Bürgermeister Andreas Güllering am 30. April 1994.

Gruber, seinerzeit Realschuldirektor, hat an die Festivität keine große Erinnerung mehr. "Natürlich war die Aula voll besetzt", sagt er, "aber letztlich war es eine Feier, wie es viele gibt." Beruflich sei er als Schulleiter ohnehin immer mehr auf Fürth als auf Oberasbach fixiert gewesen, schließlich saß dort am Stresemannplatz das Landratsamt, der Sachaufwandsträger der Bildungseinrichtung.

Doch wie hat er die Diskussion und schließlich die Stadterhebung selbst als Bürger erlebt? Manfred Gruber war schon 1972 nach Oberasbach gezogen. Von drei Strömungen weiß er zu berichten. Die einen hatten großes Interesse daran, um Oberasbachs eigenständige Position zwischen den Kleinstädten Zirndorf und Stein zu behaupten. Andere wiederum befürchteten, in einer künftigen Stadt höhere Steuern bezahlen zu müssen. Und dann habe es noch die Zugezogenen gegeben, von denen vielen die Diskussion ziemlich egal war. Und was wurde anders nach dem 30. April 1994? "Eigentlich nichts", sagt Manfred Gruber. "Man war dann eben plötzlich Bürger einer Stadt."

Ein Umstand, der auch die Kulturbeflissenen umtrieb: Edith Klein und Ulla Drechsler spießten das Thema 1994 beim Herbstessen des Heimatvereins in einem Sketch noch einmal auf. "Wir haben uns das Maul zerissen", sagt Klein, ob der sparsamen Aktivitäten der Kommune.

Anscheinend sei Oberasbach sehr überraschend zur Stadt erhoben worden, spottete das Duo seinerzeit, zumal es im eigens aufgestellten Bierzelt, der "zusammenlegbaren Asbachhalle" keinen "anzigen Schnerpfl Stadtwurst" gegeben habe. Die würden die hiesigen Metzger jetzt aber ganz schnell kreieren – und zwar achteckig, in Form des Rathauses. Und noch heute findet Edith Klein, aktuell Vorsitzende des Heimatvereins, wenn sie an die Feierlichkeiten zurückdenkt: "Wer Stadt wird, hätte schon etwas mehr tun müssen."

Richtig frustriert über die damalige Entwicklung war seinerzeit Elfi Altmann. Seit 1976 wohnte sie in Altenberg, fühlte sich "in der ländlichen Gegend" wohl und gut aufgehoben. "Ich wäre gerne Dorf geblieben", beschreibt sie ihre damalige Gemütslage. Stadt, das passte ihrer Meinung nach einfach nicht, zumal Oberasbach auch kein Zentrum aufzuweisen hatte.

Heute sieht die SPD-Kommunalpolitikerin das ganz anders. Das Areal mit dem neuen Multifunktionsplatz am Rathaus hat sich gemausert, das Wohlbefinden ist ohnehin geblieben. "Ich stehe zur Stadt Oberasbach", sagt Elfi Altmann. "Und ich bin froh, dass ich hier leben darf."

Das Programm zum Stadtfest:

Samstag, 27. April:

14 Uhr: Eröffnung durch Bürgermeisterin Birgit Huber, Landrat Matthias Dießl und die Vertreter der Partnerstädte. Anschneiden der Geburtstagstorte mit Jubiläumslogo im Festzelt auf dem neuen Rathausplatz. 15 Uhr: TSV Altenberg (Flower Girls, Crazy Girls, Little Sisters) – 15.30 Uhr: Philippine Culture Club – 16 Uhr: Improtheatershow "Volle Möhre! – 16.30 Uhr: Volkslieder-Flash-Mop – 17.30 Uhr: KG Blau-Rot Unterasbach – 18 Uhr: Nancy`s Move Academy – 18.30 Uhr: Tanzsportabteilung der DJK Oberasbach – 19 Uhr: Die wilden Antikörper – 20 Uhr: Konzert der Troglauer im Festzelt.

 

Sonntag, 28. April:

10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst im Festzelt – 11 Uhr: Weißwurst-Frühschoppen mit Wheesh (Celtic Folk Rock) im Festzelt – 13 Uhr: KG Blau-Rot Unterasbach – 13.15 Uhr: Nancy`s Move Academy – 14 Uhr: Alphorngruppe Regnitztal – 14.30 Uhr: Blaskapelle Oberasbach – 15.30 Uhr: Philippine Culture Club – 16 Uhr: Musik Duo Goitia-Peñalba – 17 Uhr: Konzert der Moonlights im Festzelt. 

Gwendolyn Kuhn

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