Umweltverschmutzung

Achtlose Hundebesitzer: 170 Kotbeutel verschmutzten Burgfarrnbach

15.5.2021, 10:00 Uhr
Zwar verpacken manche Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihres Tieres in den dafür vorgesehenen Tüten, entsorgen diese dann aber in der Landschaft.

Zwar verpacken manche Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihres Tieres in den dafür vorgesehenen Tüten, entsorgen diese dann aber in der Landschaft. © Archivfoto: Thomas Scherer

Es war eine schockierende Entdeckung, die eine FN-Leserin kürzlich beim alten Mühlbach im Burgfarrnbach machte. Beim Gassigehen fielen ihr einige achtlos weggeworfene Hundekotbeutel in der Landschaft auf. Weil sie auch gerne Kräuter sammelt, selbstredend abseits von solchen Verschmutzungen, nahm sie sich vor, den Unrat bald zu beseitigen. Ausgerüstet mit Zange und Beutel machte sie sich also ans Werk. Nachdem sie etwa 20 der roten, teils schon von der Sonne ausgeblichenen, Beutel aufgesammelt hatte, riss ihre mitgebrachte Tüte.

Weil sie aber noch viele weitere Hundekotbeutel entdeckt hatte, lief sie das Gebiet ab und musste feststellen, dass sie erst einen Bruchteil des ganzen Ausmaßes aufgesammelt hatte. Nahe des Abflussrohrs des Mühlbachs fand sich ein ganzer Haufen der unappetitlichen Tüten. Sagenhafte 170 von ihnen kamen am Ende ihrer Sammelaktion zusammen; sie füllten einen ganzen großen Altkleidersack und landeten schließlich in der Restmülltonne der fleißigen Sammlerin. Fotos der Funde schickte sie zur Dokumentation auch an die Redaktion.

Was die Frau entdeckt hat, war sicherlich ein besonders grausiger Sonderfall, doch auch anderswo finden sich die dünnen Plastiksäckchen in der Natur, die die Hundehalter für die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner aus Spendern an vielen Stellen in der Stadt oder an Spazierwegen entnehmen. Davon kann auch Wolfgang Eberlein ein Lied singen. Der Landwirt bearbeitet Felder und Wiesen in Banderbach, Zirndorf und Altenberg. Immer öfter stellt er fest, dass Menschen und Hunde regelrechte Trampelpfade durch die bewirtschafteten Flächen anlegen, die Tiere tiefe Löcher graben und ihre Besitzer entweder den Hundekot liegenlassen oder ihn in Beutel verpacken und diese dann in die Landschaft werfen.

Ein echtes Problem seien die Hundehaufen, sagt Eberlein, denn: Das Gras auf seinen Wiesen verarbeitet der Landwirt zu Heu oder Silage. Damit füttert er sein Milchvieh oder verkauft das Futter an Kollegen oder Pferdehalter. Ist das Heu stark mit Hundekot kontaminiert, kann es vorkommen, dass die Tiere es nicht fressen; im schlimmsten Fall erkranken sie an Parasiten oder wegen der Plastikfetzen, die sie aufnehmen. Damit es nicht so weit kommt, fischt Eberlein oft noch kurz vor der Fütterung Unrat heraus. Selbst scharfkantige Dosen hat er dabei schon entdeckt.


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Um die Hundebesitzer auf das Betretungsverbot seiner Wiesen und Felder von März bis Oktober aufmerksam zu machen, hat er bereits Schilder aufgestellt. Sie fielen allerdings bald dem Vandalismus zum Opfer. Wenn es um Hundehaufen geht, spricht er auch immer wieder die Halter an. "Ich habe dann oft das Gefühl, sie wissen gar nicht, was der Kot in den Feldern anrichtet", sagt Eberlein und hofft, dass sie künftig etwas umsichtiger sind.

Dieser Hoffnung schließt sich Thomas Rieß an. Auch der Zirndorfer Ordnungsamtsleiter weiß, dass Hundekot ein immer wiederkehrendes Problem ist – selbst wenn im Stadtgebiet mittlerweile 31 Tütenspender mit Abfallbehältern stehen. Auch entlang frequentierter Laufstrecken, etwa an der Kneippallee, finden sich solche Automaten.

Sie würden recht gut angenommen, sagt Rieß, was wohl vermutlich daran liegt, dass auch Passanten die Kontrolle übernehmen und uneinsichtige Hundehalter ansprechen. Anders sieht es in der Natur aus. Dort fehlen oft die Beobachter, und "wenn der Hund 100 Meter weit in ein Feld rennt und dort sein Geschäft macht, kümmert das den Halter nicht mehr", glaubt Rieß.


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Schwarze Schafe unter Hundebesitzern gibt es freilich auch in der Stadt. Jürgen Tölk, Chef des dortigen Ordnungsamts, bekommt immer wieder Rückmeldungen über besonders verschmutzte Gehwege, vor allem in der Südstadt rund um das dortige Ämtergebäude. Dass jeder Besitzer dazu angehalten ist, die Hinterlassenschaften seines Tiers fachgerecht zu entsorgen, kümmert offensichtlich nicht alle Betroffenen.

Dass gefüllte Hundekotbeutel in der Landschaft landen, ist in Fürth keine Seltenheit. Den Fund der 170 Tüten in Burgfarrnbach hält Tölk jedoch für einen "dramatischen" Einzelfall. Besonders unschön ist dabei freilich, dass neben dem tierischen Unrat auch noch Plastik die Umwelt verschmutzt. Dabei, so der Ordnungsamtschef, sei es ja eigentlich kein Problem, die bereits verpackten Hinterlassenschaften anschließend in einen Mülleimer zu werfen.

Er ist der Meinung, dass die rund 50 Stationen mit den Beuteln, die im Stadtgebiet und den Vororten stehen, eine gute Investition sind. "Das hilft denjenigen, die das Geschäft ihres Hundes entsorgen wollen, aber ihren Beutel vergessen haben." Im besten Fall landet dieser dann dort, wo er hingehört: im Abfall.

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