Alpaka-Wanderung mit Brotzeit in Vogtsreichenbach

9.1.2017, 16:00 Uhr
Alpaka-Wanderung mit Brotzeit in Vogtsreichenbach

© Foto: Budig

Freundlich recken die sieben Alpakas ihre Köpfe mit der lustigen Tolle. Die „kleinen Lamas“, die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammen, als neugierig zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Eine gewisse Aufmerksamkeit liegt den Herdentieren im Blut, ebenso wie eine angeborene Scheu: Ein Stücklein kommen sie dem Besucher entgegen, blicken ihn mit hübschen großen Augen an, dann weichen sie wieder zurück.

Gestreichelt wollen sie nicht werden – ihre Art der Annäherung ist das gegenseitige Nasestupsen. Fasst man sie dennoch an, greift man in eine traumhaft weiche, urkuschelige Wolle, deren Qualität der berühmten Kaschmirziege weit überlegen ist.

Die Wallache Gandalf, Polaris und Merlin sowie die Stuten Juanita, Esmeralda, Sarafina und Socke leben im Cadolzburger Ortsteil Vogtsreichenbach auf dem Reichertshof. Hinterm Familienhaus, in dem drei Generationen zusammenwohnen, erstrecken sich frühere Stallgebäude, dazu ein größerer Offenstall und eine riesige Weide für die Alpakas, die hier seit über einem Jahr zu Hause sind. Außerdem hat der Nebenerwerbslandwirt Georg Reichert ein schickes Holzhaus daneben gebaut, in dem Gäste bewirtet werden.

Seine Frau Anja, die sich „in die Tiere auf den ersten Blick verliebt hat“, ist eine praktisch veranlagte, tüchtige Jungbäuerin. Sie hat die in Deutschland bei Bad Tölz gezüchteten Tiere nicht nur ins Herz geschlossen, sondern auch etliche Lehrgänge und Fortbildungen besucht. Das Wissen gibt sie an Besucher weiter oder bei Kindergeburtstagen.

Über Mundpropaganda ist diese Freizeitveranstaltung schon recht bekannt geworden. Gruppen mit bis maximal zehn Menschen dürfen am Reichertshof mit den gehalfterten Tieren spazieren gehen: über hügelige Wiesen, durch Wälder und vorbei an Karpfenweihern. Diese Alpaka-Touren hat Anja Reichert monatelang geübt. Inzwischen lassen sich die Tiere auf junge und alte Spazierführer ein. Sie wissen: „Halfter an“ heißt Arbeitszeit.

Wie Pferde sind Alpakas Flucht- und Herdentiere. Die Stuten können im Gegensatz zu Hund oder Pferd ganzjährig gedeckt werden. Das Zusammenleben mit Hengsten funktioniert in der Praxis nicht. Zu viele Raufereien und zu viel Streit unter den Stuten wären die Folge. Allein kann man die Tiere ebenso wenig halten, es ist sogar verboten. In ihrer Heimat werden sie in Herden von 300 bis 500 Exemplaren gehalten, die pro Jahr und Tier zwischen drei und fünf Kilo Wollhaar erzeugen. Die gesponnene Wolle ist sehr fein, weich, wärmend. Ein Pulli kann ohne weiteres auf der nackten Haut getragen werden. Der Preis für ein 100-Gramm-Knäuel liegt allerdings bei knapp 20 Euro, das reicht für eine Mütze.

In Deutschland werden Alpakas seit einigen Jahren gezüchtet. Ein Tier kostet schnell einmal 4000 Euro und mehr, was es, ganz pragmatisch, davor schützt, als Braten zu enden. Zu den Reicherts kommt einmal im Jahr im Sommer ein Profi-Scherer, „der legt das Tier auf den Tisch und befreit es in wenigen Minuten von seiner Wolle“, sagt Anja Reichert.

Alles regional

Die Wollernte wird verschickt, professionell weiterverarbeitet und kommt als Knäuel zurück. Daraus werden kleine Tiere, Schmuck und Mützen gefertigt, die man bei den Wanderungen kaufen kann.

Überhaupt sind diese Begegnungen in Vogtsreichenbach mit den Reicherts und ihren freundlichen, gelassenen Tieren richtige Events. Man kann ein Frühstück, eine Brotzeit oder einen Kindergeburtstag zur Wanderung buchen. Die Wurst, das Brot, der Kuchen – alles ist aus regionaler Herstellung, vieles aus Vogtsreichenbach selbst. Anja Reichert hat aber nicht nur ein Händchen für das Anrichten von Brotzeiten, sondern weiß auch viel Wissenswertes über diese faszinierenden Tiere zu erzählen.

Alpaka-Tour in Vogtsreichenbach: Anmeldung unter der Rufnummer (0 15 78) 4 04 28 66 oder per Mail an alpakas.vom.reichenbach@mail.de

Keine Kommentare