Alte Feuerwache: Fürth heuert Verstärkung an

28.1.2019, 06:00 Uhr
Harte Nuss: Hinter den Sandsteinmauern des schmucken Jugendstilbaus herrscht immenser Sanierungsbedarf.

Harte Nuss: Hinter den Sandsteinmauern des schmucken Jugendstilbaus herrscht immenser Sanierungsbedarf. © Hans-Joachim Winckler

Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen – und es zeigt, dass der immense Sanierungsbedarf wohl zunächst unterschätzt wurde. Nun aber machte Kämmerin Stefanie Ammon, die als Referentin in der Stadtspitze auch für das kommunale Personal zuständig ist, klar: Mit dem vorhandenen Stab des Baureferats sei das nicht zu stemmen, zu sehr arbeite man sich dort bereits an laufenden Aufgaben ab.

Eklatante Mängel

Deshalb wird jetzt Verstärkung an Bord geholt, die sich zunächst ausschließlich darum kümmern soll, wie, für welche Zwecke und mit welchem Aufwand der Jugendstil-Bau aus dem Jahr 1908 zu nutzen ist. Auch das angrenzende Eichamt wird in die Untersuchung einbezogen. Der Aus- und Umbau kann angegangen werden, wenn die Feuerwehr voraussichtlich 2020 in ihr neues Domizil am Schießanger übersiedelt.

Doch selbst dann dürfte angesichts der Verhältnisse hinter den dicken Sandsteinmauern am Helmplatz noch einige Zeit ins Land gehen. Als Augenöffner diente unlängst eine Begehung, bei der sich die Kommunalpolitiker selbst ein Bild vom verschachtelten Innenleben der Wache machen konnten. Tenor der Besucher: So schlimm hatte man sich das nicht vorgestellt. Allein die Mängel beim Brandschutz erfordern offenbar immensen Einsatz. Baureferentin Christine Lippert sagt: Wäre hier nicht die Feuerwehr untergebracht, die im Bedarfsfall ja gleich selbst löschen kann – man dürfte das Gebäude wohl gar nicht mehr in Anspruch nehmen. "Verheerend" seien die Zustände in der Wache.

Deshalb, so die aktuelle Tendenz im Stadtrat, werde es wohl auch nicht möglich sein, das Gebäude mit vertretbarem finanziellen Aufwand für eine Zwischennutzung herzurichten – will heißen: provisorisch, bevor sich eine endgültige Lösung findet. Lieber sollen Energie und Geld darauf verwendet werden, gleich Nägel mit Köpfen zu machen.

Viele liebäugeln dennoch mit einer Übergangslösung, doch das sei schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich, winkt Oberbürgermeister Thomas Jung entschieden ab. Andernfalls werde "die Baureferentin eingesperrt".

Wer den Zuschlag bekommen soll, wenn die Wache dereinst auf modernen Standard gebracht worden ist, darüber gehen bekanntlich die Meinungen auseinander. Die Jugend wünscht sich ein selbstverwaltetes Zentrum, Kulturschaffende melden Interesse an, eine Initiative mit 22 Vereinen und Gruppen bringt ein "Zukunftszentrum" für Nachhaltigkeit und Kreativität ins Gespräch.

Und dann ist ja auch noch nicht endgültig geklärt, ob nicht doch das Heinrich-Schliemann-Gymnasium hier seinen dringenden Platzbedarf befriedigen könnte — statt in einen Neubau auf dem Wolfsgruber-Gelände umzuziehen, wie es die Stadtspitze am liebsten sähe. Damit noch immer nicht genug: Auch die Stadtverwaltung wirft ihren Hut in den Ring. Es gebe schließlich einen erheblichen Bedarf an Büroraum, sagt Kämmerin Stefanie Ammon . . .

"Geordneter Prozess"

Wohin die Reise geht, das soll nun in einem "geordneten Prozess" (Baureferentin Lippert) mit allen Interessensgruppen geklärt werden. Schon in Kürze wolle man damit loslegen. Vorgesehen ist ein externer Moderator, der unabhängig von sämtlichen Fürther Begehrlichkeiten agiert.

Damit könnte man auch der Sorge begegnen, die Kommune werde am Ende mit einer Lösung nach eigenem Gusto aufwarten – ohne groß nachzufragen. Und es wäre darüber hinaus zu vermeiden, was auf der anderen Seite mancher Lokalpolitiker fürchtet: dass die Vielzahl potenzieller Nutzer für das Gebäude die Stadt vor sich hertreibt.

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