Alte Pracht erneuert

20.5.2010, 00:00 Uhr
Steinmetzmeister Klaus Becker von der Bamberger Firma monolith bessert die Fenstersimse aus, bevor sie mit Metall verkleidet werden.

Steinmetzmeister Klaus Becker von der Bamberger Firma monolith bessert die Fenstersimse aus, bevor sie mit Metall verkleidet werden. © Hans-Joachim Winckler

Es klingt paradox: Die Wirtschaftskrise verhilft dem Schloss Burgfarrnbach zu neuem Glanz. Mit 9,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung kann jetzt unter anderem der 176 Jahre alte Feudalbau aufgemöbelt werden.

Eingerüstet wie derzeit präsentiert sich das klassizistische Schmuckstück nicht alle Tage. Nötig ist das Gerüst, um neben der Wärmedämmung des Daches und dem Einbau energiesparender Fenster nach historischem Vorbild auch die teilweise brüchig gewordene Sandsteinfassade auszubessern. 2,1 Millionen Euro sind für die laufende Sanierung eingeplant. 1,3 Millionen Euro übernimmt der Bund - mit der Vorgabe, dass 75 Prozent der Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II für die energetische Sanierung verwendet wird.

Die Kommune hat sich die Chance zum Absahnen der Bundesmittel nicht entgehen lassen und kann nun neben der Wärmedämmung nun im bescheidenen Umfang auch Schönheitsreparaturen vornehmen. Wie Ralf Röder, Technischer Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, auf Anfrage der Fürther Nachrichten erläutert, wird die Fassade von oben nach unten ausgebessert, bis die Mittel erschöpft sind. Wenn die Stadt später einmal wieder bei Kasse ist, könne man den unteren Teil dann kostengünstig angehen, weil dazu ein kleines Gerüst ausreiche.

Nach dem Einbau einer Dämmschicht zwischen das Dackgebälk werden auch marode Bleche und Ziegel erneuert. Technisches Aushängeschild der energetischen Schlosssanierung wird eine neue Pellet-Heizung. Dazu muss ein Teil des Kellers zum Pelletlager ausgebaut und mit einer Einfüllöffnung versehen werden. Bis zu den Sommernachtspielen Ende Juli soll die Renovierung so weit abgeschlossen sein, dass der Kulturgenuss nicht von einer Baustelle beeinträchtigt wird, verspricht Röder. Der Abschluss der bereits im Herbst begonnenen Arbeiten ist für Sepetember vorgesehen.

Die Sanierung des 1968 von der Stadt erworbenen Schlosses ist langfristig angelegt und umfasst auch den Schlosspark. Eigentlich war zum Auftakt die Renovierung der Farrnbachmauer geplant. Doch die 450000 Euro teure Maßnahme wurde wegen eines Konflikts zwischen Denkmal- und Naturschutz bis zur Einigung zurückgestellt. Der Bürgerverein Burgfarrnbach hat in Eigeninitiative bereits die östliche Remise und das ehemalige Waschhaus neu herausgeputzt.

Während die Meierei an der Farrnbachbrücke verkauft und von privater Seite zu Wohnzwecken hergerichtet wurde, fehlt zur Instandsetzung des alten Marstalls das Geld. Im letzten Herbst wurden lediglich Stützen eingebaut, die verhindern, dass der Dachstuhl die Mauern auseinanderdrückt.

Intensiv bemüht sich die Stadt um weitere Fördermittel für das Schloss. »In guten Gesprächen« ist sie laut Baureferent Joachim Krauße über Zuschüsse aus dem Städtebauförderprogramm des Freistaates. Eine Zusage liege allerdings noch nicht vor. Daneben wird über eine Förderung aus dem europäischen Strukturförderfonds Ziel 2 verhandelt. Mit europäischer Hilfe könnte auch der stark zugewachsene Schlosspark wieder zu seiner ursprünglichen Gestalt zurückfinden. Um überhaupt Fördermittel in Anspruch nehmen zu können, wurde der Burgfarrnbacher Ortskern einschließlich des Schlosses zum Sanierungsgebiet erklärt.