Ärger um neuen Grillplatz: Flussdreieck soll Idyll bleiben

23.8.2018, 11:00 Uhr
Hier fließen Rednitz und Pegnitz zusammen: Die Spitze des Flussdreiecks gehört für viele zu den schönsten Orten in Fürth.

Hier fließen Rednitz und Pegnitz zusammen: Die Spitze des Flussdreiecks gehört für viele zu den schönsten Orten in Fürth. © Thomas Scherer

Schnell hat die Stadtspitze reagiert, als im Juni junge Fürther bei einer Protestwoche mehr Treffpunkte und Freiräume in Fürth forderten. Neben anderen Verbesserungen stellte sie in Aussicht, einen neuen Grillplatz zu schaffen. Am Flussdreieck, wie es stets hieß.

Die jungen Fürther zeigten sich begeistert – aber rasch gab es auch andere Reaktionen. "Als ich las, dass dieser schöne Platz ein Grillplatz werden soll, da hat mich fast der Blitz getroffen", schrieb eine Leserin den FN. Sie habe nichts dagegen, dass die Jugend mehr Raum bekommt. "Aber muss es ausgerechnet dieser schöne Platz sein? Auch wir älteren Mitbürger hätten gerne einen Platz, wo man in Ruhe sitzen kann, Musik hören, etwas meditieren, lesen." Es schüttele sie, wenn sie sich vorstelle, wie es dort nach einem Gelage aussehen wird.

Auch einzelne weitere Leser zeigten sich enttäuscht, dass die Stadt so schnell "einknickt", ein ganz besonderes Idyll drohe verlorenzugehen. Ingeborg Höchstädter, die 2007 für den Erhalt einer alten Eiche vorne am Flussdreieck gekämpft hatte, wandte sich sogar mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und den Stadtrat. Viele Fürther hätten Erinnerungen an die Stelle, wo Rednitz und Pegnitz zusammenfließen, schreibt sie. Manche seien als Kinder auf der Eiche herumgeturnt. Sie selbst konnte hier den Eisvogel beobachten. Mit diesem "Ort der Ruhe, der Betrachtung und Einkehr" soll es nun vorbei sein? Bald soll man Grillvorrichtungen, Mülleimer und Klohäuschen vorfinden?

Sie bitte den Rathauschef und den Stadtrat darum, die Sache zu überdenken. "Es sind seltene Orte wie dieser, die Fürth zu einer besonderen Stadt machen."

Die Empörung wäre vermeidbar gewesen

Prostest kommt auch vom Bund Naturschutz: Man befürworte Verbesserungen für die Jugendlichen – doch beim Flussdreieck handle es sich um einen Naturraum mit besonderer Bedeutung, um den Mündungsbereich der größten Flüsse Mittelfrankens. Der Ort werde von vielen Besuchern behutsam genutzt und bei Stadt- und Naturführungen angesteuert, sein Charakter vertrage sich nicht "mit den unvermeidlichen Begleiterscheinungen eines Grillplatzes". Ein weiterer Grillplatz solle – wenn es schon im Landschaftsschutzgebiet sein muss – dort platziert werden, wo es "ohnehin schon intensivere Nutzungen" gibt, etwa an der Skate-Anlage.

Der neue Grillplatz wird nicht weit vom Mehrgenerationenspielplatz zu finden sein: zwischen dem Sportfeld und dem Rad- und Fußweg in der Nähe des Käppnerstegs.

Der neue Grillplatz wird nicht weit vom Mehrgenerationenspielplatz zu finden sein: zwischen dem Sportfeld und dem Rad- und Fußweg in der Nähe des Käppnerstegs. © Foto: Scherer

Die Empörung wäre womöglich vermeidbar gewesen: wenn die Verantwortlichen im Rathaus früher kommuniziert hätten, wo genau sich der neue Grillplatz befinden soll. Stets war nur vom "Flussdreieck" die Rede – und viele hatten automatisch die Spitze des Dreiecks vor Augen. Im Jubiläumsjahr 2007 war sie neu gestaltet worden, eine Holzplattform lädt dort seitdem zum Verweilen ein. Jung hatte damals selbst betont, dass dies ein "Ort der Stille" sein soll.

So soll es bleiben, stellt er nun auf FN-Nachfrage klar. Das Flussdreieck liege ihm selbst am Herzen, sagt der OB, er habe sich dafür eingesetzt, dass der Ort 2007 schöner gestaltet wurde, weil er ihn als einen "unterschätzten" Platz empfand.

Erst mal ein Probejahr

Das vordere Stück des Flussdreiecks lasse man unangetastet, erklärt er. Auf der restlichen Fläche sind bereits der Mehrgenerationenspielplatz und ein Sportfeld zu finden. Der Grillplatz soll dazukommen: zwischen dem Sportfeld und dem Rad- und Fußweg, der vom Käppnersteg Richtung Friedhof führt. Wie angekündigt, handle es sich zunächst auch nur um ein Probejahr, sagt Jung. Man werde sich ansehen, ob es Probleme gibt. Er sei optimistisch, dass es gut funktionieren wird – doch sollte sich etwa zeigen, dass der Spielplatz vermüllt wird, werde der Stadtrat reagieren. Das werde man nicht hinnehmen.

Toiletten müsse man vielleicht gar nicht hinstellen, so Jung. Möglicherweise können die WC-Anlagen des Julius-Hirsch-Zentrums genutzt werden. Wichtig ist ihm aber auch dies: "Gerade die schönsten Orte sollten von vielen Menschen und Familien genutzt werden, das ist eine Bereicherung – keine Störung." Auch das Rednitzufer zum Beispiel sei ein schöner Ort. Und dank der Uferpromenade, die man geschaffen hat, können ihn viele genießen.

In Fürth gebe es zudem wenige Bereiche, die für junge Menschen gut erreichbar sind – und bei denen Anwohner fern sind, die sich gestört fühlen könnten. Mit dem zweiten Grillplatz will man auch die Anwohner am Badsteg entlasten, die sich seit Jahren über nächtliche Ruhestörungen beschweren.

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