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Auf feinen Klangteppichen

Seukendorfer Sommerserenade mit schwergewichtigen Kammermusik-Kalibern - 03.07.2019 11:00 Uhr

Christiane Seefried, stellvertrende Stimmfürherin der 2. Violinen der Staatsphillharmonie Nürnberg, bei der Arbeit in der Konradscheune. © Thomas Scherer


Barock, Klassik und Romantik in der historischen Konrad-Scheune, dargeboten von Mitgliedern der Staatsphilharmonie Nürnberg, organisiert von Lokalmatador und Bratschist Sebastian Rocholl: Klingt nach eher konventioneller Programmgestaltung. Das Ergebnis dieser 8. Seukendorfer Sommerserenade war jedoch ein Kammerkonzert, das nicht nur wegen der Hitze Interpreten wie Zuhörer in der ausverkauften Scheune herausforderte. Mit Ludwig van Beethovens frühem c-Moll-Streichquartett und dem h-Moll-Klarinettenquintett von Johannes Brahms standen schwergewichtige Kaliber an, die man sich nicht im Vorbeigehen reinziehen kann.

Doch schon der Auftakt mit Vivaldis Concerto grosso op.3 Nr. 11 in einer Bearbeitung für Quartett gelang den Geigerinnen Christiane Seefried und Ingrid Bauer, Bratscher Rocholl und Christoph Spehr am Cello so spielfreudig wie virtuos. Eine völlig neue Klangwelt tut sich bei Beethoven auf; liebliche Melodik ist hier im Kopfsatz eingebettet in dramatische Passagen, virtuos perlende Sechzehntelläufe sind ebenso gefordert wie eine zupackende Temposteigerung. Das Andante scherzoso: ein fast stampfender, schroffer Dreivierteltakt. Auch das Menuetto Allegro weist kaum tänzerische Eleganz auf. Beschwingt geht es allenfalls im Finale zu. Die Farben und Stimmungen dieses Werkes spürten die vier Nürnberger wirkungssicher auf.

Verstärkung gab es mit Nicole Spuhker-Clemens beim Vorstoß in hochromantische Brahms-Gefilde. Die Streicher woben einen feinen Klangteppich für die warme, ausdrucksvolle Klarinette. Weit ausschwingende Melodiebögen, ein schwebender Sound wie aus weiter Ferne: Die Philharmoniker blieben dem Werk nichts schuldig. Als Zugabe Dvoráks präzis gespielte Humoreske. Begeisterter Beifall.

Günter Greb

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